Patrick Rothfuss - "Kingkiller-Chronicle"

      Beren Stark, du behandelst Rothfuss meiner Meinung nach einfach nur entschieden zu oberflächlich.
      Wenn du die Bücher tatsächlich derart beurteilen willst, dann solltest du dich auch etwas weiter mit diesen auseinandersetzen.
      Winter Is Coming! - Stark



      THE NORTH REMEMBERS...
      Ich verstehe ehrlich gesagt auch gar nicht wozu noch weiter diskutiert wird. Beren hat ziemlich nachdrücklich klar gemacht dass Rothfuß schlecht ist. Prima. Dann ist das doch geklärt. Alles weitere Gestichel ist völlig unnötig.
      Romane nach einer Leseprobe zu beurteilen geht meiner Meinung nach sowieso nicht. Alles was man dabei sagen kann ist, gefällt mir der Stil? Ja? gut - Nein. Auch gut.
      "Tigris doofitis ordinaris"
      "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."
      "Der Strike ist dem Räumfehler sein Tod..."
      Mit dem Einstiegssatz bezog ich mich auf die eigene Aussage Keelys im Rothfuss-Artikel. "I have not found any series in modern epic fantasy that is worth its weight."
      Wobei ich persönlich die King Killer Chronicles eher nicht als "Epic Fantasy" beschreiben würde.
      Keelys Begriff von Epic Fantasy ist tatsächlich recht eigenwillig, aber durchaus interessant. Grob kann man wohl sagen: Ihn haben die alten mythischen Epen sehr beeindruckt und als jemand, der schon immer Fantasy mochte, sucht er nach modernen Werken, die diese Tradition würdig weiterführen können. Ich hielt es auch immer für etwas fragwürdig, das alte Mythen-, Märchen- und Sagengut als "Fantasy" zu betiteln, es sind eher "Wurzel-Texte". Keely macht das aber nicht, um dem Genre eine möglichst eindrucksvolle Ahnengalerie zu geben, sondern weil er grundsätzlich diesen durchaus ungewöhnlichen Begriff von "Epic Fantasy" hat.
      Die Definition hat sowieso einige Wandlungen durchgemacht. Vor der Ära der Türstopper-Bestseller hat man z. B. auch Michael Moorcocks Texte um den Ewigen Helden so bezeichnet (und er zog ihn auch dem Etikett "Sword & Sorcery" vor). Da dürfte heute selbst im Traum keiner mehr drauf kommen.

      Zur Stille: Es ging mir hier rein ums handwerkliche. Dass das vielleicht eine Rolle für späteres spielt, will ich gar nicht ausschließen. Aber hätte man was du da umreißt nicht auch besser geschrieben transportieren können, also ohne dass es für Unwissende selbstzweckhaft und langatmig wirkt? Wäre es nicht vielleicht besser gewesen, Kvothe sofort vorgesetzt zu bekommen? Aber gut, das geht jetzt zu weit ins inhaltliche und da hab ich nichts verloren.

      Der Begriff "Mary Sue" scheint ja in den letzen Jahren ziemlich verwaschen zu sein. (...)
      Nun... Kvothe ist wie gesagt ein kleines arrogantes Gör, das im Grunde nur auf Rache aus ist und sich links und rechts durch Hochmut, Trotz, Zorn und ab und zu auch nur aus Jux und Dollerei Feinde macht... oder zumindest Menschen, die ihn lieber weit weit weg wissen würden.
      Nun, wie gesagt, diese Eigenschaften schließen nicht aus, dass ein Chara eine Sue -oder eben ein Stu- ist.
      Ich würde so aus dem Bauch heraus schätzen, dass die Zeiten von Gestalten wie Elanore Lucia Pavetta Pinzettia, der Prinzessin, Sängerin, Kriegerin, Hexe, und Industriekauffrau mit den natürlich blauen Haaren, die alles packt und die man nur lieben kann, mittlerweile vorbei sind. Mary Sues gibt's aber weiterhin.



      Um ganz ehrlich zu sein, ich habe auch den Überblick verloren.

      Beren Stark schrieb:

      Wäre es nicht vielleicht besser gewesen, Kvothe sofort vorgesetzt zu bekommen? Aber gut, das geht jetzt zu weit ins inhaltliche und da hab ich nichts verloren.

      Hier wäre es halt interessant, zu wissen, wie viel du denn abgesehen von dem Prolog gelesen hast. Denn dieser ist vom Stil her völlig anders als die eigentlichen Kapitel.
      So kann meine Antwort im Moment nur sein: Nein. Das würde völlig dem Aufbau der folgenden Kapitel zuwider laufen.

      Falls du dich tatsächlich brennend dafür interessierst, was ich nicht glaube, da du sonst einfach in einer Buchhandllung das Buch aufschlagen könntest, kann ich dir diesen Blog nur wärmstens empfehlen: tor.com/2011/04/21/the-patrick-rothfuss-reread-introduction/
      Ansonsten bleibt mir wohl nur zu bewundern, wie toll es doch ist, dass es heutzutage für alles jemanden im Internet gibt, der uns erzählt, wie miserabel es ist, sodass wir keine Erfahrungen mehr selbst machen müssen und trotzdem so genau darüber bescheid wissen, dass wir Verbesserungsvorschläge machen können. ^^
      Ich wäre wohl ohnehin zu dem Schluss gekommen, dass dann das Kapitel anders strukturiert sein müsste, weil das in meinen Augen einfach kein guter Anfang ist, egal welche Rolle gerade diese Abfassung jetzt spielen soll.
      Aber gut, ich klinke mich sowieso besser aus. Wir haben meine Ansicht und eure. Aussicht auf einen grünen Zweig besteht eher nüscht. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass man immer dann aussteigen sollte, wenn einem wieder etwas zugeordnet wird, was man überhaupt nicht geschrieben hat (und das nicht im Sinne, dass Zitate durcheinandergeworfen wurden).
      Ein letzter Kommentar zu diesem Thema:
      Rothfuss Stil ist eigenwillig, aber genial. Wenn man ihn mag. Wenn man aber, wie Beren, nichts damit anfangen kann ist das doch auch ok. Ich z.B fand Rothfuss Stil klasse, kann mich mit den Charakteren identifizieren und würde ihn rein von der Sprache her sogar über Martin stellen. Mit Follet oder Pratchett hingegen kann ich überhaupt nichts anfangen.
      Dennoch sollte es Grundvoraussetzung sein, ein Buch gelesen zu haben bevor man es beurteilt, alles andere ist dann doch ein wenig unseriös.
      Edit: Könnte allerdings daran liegen das ich selber so ein kleiner Kvothe bin, nur deutlich weniger intelligent.
      "Rhaegar fought valiantly,Rhaegar fought nobly,Rhaegar fought honorably.And Rhaegar died."

      "Alles was das Böse braucht, um zu triumphieren ist das Schweigen der Mehrheit"

      Kofi Annan
      eigenwillig
      Da sagst du was. Ein weiteres Problem, das ich bei der Leseprobe hatte, ist dass ich vergeblich nach einer einprägsamen Stimme, nach irgendeiner Eigenwilligkeit, ob sie nun gut oder schlecht sei, gesucht habe. Nicht mal in der Purpureinlage, die ich hier kritisiert habe, wurde ich fündig. Probleme damit, einen interessanten Einstieg zu finden, haben viele Autoren.
      Deshalb frage ich noch einmal in die Runde: Was genau hebt Rothfuss ab? Welcher individuelle Aspekt entgeht mir?

      Dennoch sollte es Grundvoraussetzung sein, ein Buch gelesen zu haben bevor man es beurteilt, alles andere ist dann doch ein wenig unseriös.
      Eigentlicher Grund weshalb ich mich hier doch noch melde: Kann es eigentlich sein, dass hier noch ein anderer User zugange ist, dessen Beiträge ich übersehe?
      Du beurteilst nicht das Buch,sondern den Autor.

      Beren Stark schrieb:

      Wenn er einfach nur ewig beschreibt, dass es still ist ... sorry, das halte ich für wirklich schlechte Schreibe.


      Beren Stark schrieb:

      aber man merkt schon nach zwei bis drei Sätzen, ob jemand schreiben kann.

      Du formulierst deine subjektive Meinung,die scheinbar auf einer Lesung des Prologs und der Meinung eines online-Kritikers (den ich nach überfliegen von zwei seiner "Kritiken" bestenfalls als faul bis effektheischerisch einstufe,aber hey - damit habe ich von ihm mehr gelesen als du von Rothfuss) beruht,als eine allgemeine und generell gültige Kritik.
      Es ist völlig ok,wenn dir das bisher Gelesene nicht gefällt,aber "schlechte Schreibe" ist wirklich etwas anderes.
      Mir,und ich vermute auch einigen anderen,missfällt einfach deine Art der Formulierung.
      It`s not easy to be a birdplane.
      (den ich nach überfliegen von zwei seiner "Kritiken" bestenfalls als faul bis effektheischerisch einstufe
      Würde jemand, der faul und effekheischerisch ist, solch ein Review schreiben?
      goodreads.com/review/show/59766569

      ,aber hey - damit habe ich von ihm mehr gelesen als du von Rothfuss)
      Nö, hast du nicht. Du legst damit selbst nur das an den Tag, was ihr mir hier vorwerft: Oberflächlichkeit.

      Wie kommst du eigentlich darauf, dass ich mir meine Meinung von Keelys abgeleitet hätte? Was in meinem ursprünglichen Beitrag, legt dir diesen Schluss nahe? Ich nur war heilfroh, mit dieser Ansicht nicht alleine zu sein, und schielte auch eher auf die darunter zu lesende Diskussion, als den eigentlichen Text.
      Ich gebe viel auf J. G. Keelys Reviews, ja. Das liegt aber schlichtweg daran, dass seine Argumentationen mir stets logisch und einwandfrei untermauert erscheinen*, und wir zufällig so manche literarische Zu- und Abneigungen zu teilen scheinen. Habt ihr etwa nicht so jemanden? Dass ich mich nur von ihm leiten lasse, soweit ist's dann doch nicht. Jemandem soetwas anzudichten, ist m. E. eigentlich schon eine Unterstellung.

      Rothfuss vielgerühmte Sprache offenbarte sich mir als Niete. In erster Linie nicht mal, weil ich den Stil für schlecht halte, sondern weil er nicht die geringste Persönlichkeit gezeigt hat. Rothfuss schreibt wie ein ganz normaler Fantasy-Anfänger, der seine eigene Stimme erst noch finden muss. Was ich gesehen habe, war weit entfernt von gut, aber nicht absolut hoffnungslos. Wäre er ein Hobbyautor auf irgendeiner Plattform gewesen, hätte ich vielleicht irgendwann mal was anderes von ihm zumindest angelesen, aus Interesse, ob er schließlich doch den Ton gefunden hat, der ihm am meisten liegt und ihn irgendwie abhebt.
      Leider ist PR kein online veröffentlichender Freizeitautor, sondern ein gedruckter Bestsellerautor mit tausenden Fans. Und da er anscheinend selbst fest davon überzeugt ist, dass das, was er da zu Papier bringt, schon relativ bis sehr knorke ist, besteht in der Realität eher wenig Hoffnung auf Besserung.
      Und der Rest klang in meinen Ohren nie verlockend. Wenn selbst große Fans schreiben, dass die Story schon ziemlich generisch** und Kvothe ein arrogantes Balg ist, das zumindest in seiner Realität (und damit der Ich-Erzählung, aus der die Bücher doch zum Löwenanteil bestehen, wie mir auch hier gesagt wurde) in allem doch ziemlich superduper ist, in was sollte ich dann noch große Hoffnungen setzen?

      Ich glaube hier würde ich für meinen dann auch endlich denn Schlussstrich ziehen. Wenn ich endlich mal eine meiner Fragen beantwortet kriege, endlich spezifischer auf irgendwas eingegangen wird u. ä., schreibe ich vielleicht doch wieder was, aber sollte sich das alles so fortsetzten, war's das dann. Ewig aneinander vorbei zu reden ist müßig.

      *Ich spreche hier von seinen richtigen Reviews, die haben immer Substanz, egal ob er das Buch zuende gelesen hat, oder was seine Freunde von ihm halten. Wenn man sie tatsächlich mal liest, merkt man das auch. Texte, wie der den ich verlinkte, sind Darlegungen, warum ihm bestimmte Werke keines Lesens wert scheinen. Nicht nur weil seine Freunde ihm von ihnen abraten (müssten die nicht auch wissen, wonach er sucht), sondern auch weil die Argumente der Gegenseite einfach nicht überzeugend sind, oder die Ansichten der jeweiligen Autoren bezüglich der Schreibkunst und/oder des Fantasy-Genres eher befremdend sind (so bei Sanderson und Bakker z. B.).

      **Und nein, da helfen auch keine Dekonstruktionen. Solche verändern nie irgendetwas, denn sie ändern nichts an der Grundlage. Westeros beispielsweise ist sicherlich bei weitem dunkler, härter, trostloser und grausamer als Mittelerde, nichtsdestotrotz immer noch eine Projektion von Wunschvorstellungen auf eine vergangene Epoche.

      Edit: Um mal nachträglich zu beantworten was ich gelesen habe: In der von Klett-Cotta zur Verfügung gestellten Probe ist der Beginn des Prologs und zumindest ein Teil irgendeines Kapitels drin. Die schlechte Schreibe bezieht sich vornehmlich auf den Beginn (egal worauf der jetzt anspielen soll, denn gerade der Anfang muss auch für unkundige Leser, die den Roman vielleicht auch niemals rereaden werden, einwandfrei funktionieren), Fehlen von Persönlichkeit vornehmlich auf das Kapitel.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Beren Stark“ ()

      Beren Stark schrieb:

      Um mal nachträglich zu beantworten was ich gelesen habe: In der von Klett-Cotta zur Verfügung gestellten Probe ist der Beginn des Prologs und zumindest ein Teil irgendeines Kapitels drin. Die schlechte Schreibe bezieht sich vornehmlich auf den Beginn (egal worauf der jetzt anspielen soll, denn gerade der Anfang muss auch für unkundige Leser, die den Roman vielleicht auch niemals rereaden werden, einwandfrei funktionieren), Fehlen von Persönlichkeit vornehmlich auf das Kapitel.


      Der Prolog ist ungefähr eine Seite lang. Ich glaube, das sollten auch Neuleser, die jetzt nicht unbedingt was damit anfangen können, verschmerzen können. Und ich bin bei der deutschen Übersetzung darin auch über die ein oder andere Formulierung gestolpert. Gleiches galt auch für einen kurzen "Merkreim" im ersten Kapitel. Deshalb hab ich dann auch ziemlich schnell nach der englischen Ausgabe gegriffen. Vielleicht übersehe ich ja auch was. Ich dachte, du hättest dir "Rothfuss' Schreibe" angeschaut und nicht irgendeine Übersetzung. Ich kritisiere ja auch nicht Martins miese Schreibkunst, weil mir Blanvalets Übersetzung den letzten Nerv raubt.
      Das soll jetzt nicht heißen, dass du das Original definitiv besser finden würdest. Es wundert mich nur etwas.

      Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich unter dieser Voraussetzung überhaupt noch auf den polemischen Rest deines Beitrags eingehen sollte. :huh:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Amun-Re“ ()

      Von Formulierungen habe ich gar nicht geredet. Mir geht es um die Struktur und den Inhalt. Meines Erachtens sollte ein Autor den Leser so spätestens mit dem zweiten oder dritten Satz an ein Problem, einen Konflikt, heranführen. Oder ihm irgendetwas präsentieren, das Schauwert hat, ungewöhnlich genug ist, um ihn dazu zu bringen, zumindest einen Moment näher hinzuschauen - dann muss man seine Gelegenheit nutzen und ihn packen.
      Wäre das Wirtshaus am Wegstein am Abend so still gewesen, mit nur zwei Gästen im Schankraum, weil es an einem Weg liegt, den kaum noch wer benutzt, hätte ich keinerlei Einwände. Dürfte langfristig schließlich nicht gut für's Geschäft sein, womit wir ein Problem und somit die Grundlage für eine Geschichte hätten. Aber nein, das Problem scheint nicht die Stille zu sein, ist wohl nur ein ruhiger Tag, sondern dass der Wirt auf den Tod wartet. Hätte das am Anfang gestanden, hätte es einen guten Beginn abgegeben. Kann man ungerührt an jemanden vorbeigehen, der darauf wartet, zu sterben? Dann hätte ich vorerst auch eine wie auch immer ausformulierte Beschreibung von einer dreifachen Stille hingenommen, wenn sie später wichtig sein soll ... , denn ich hätte wissen wollen, wie es mit dem Wirt weitergeht. Vielleicht ist das ein Übersetzungfail, und er wartet nicht auf den Tod. Es hätte aber immer noch zu lang gedauert, bis sich etwas ankündigt, das auch nur annähernd interessant ist.
      Ich weiß nicht wie du es hältst, aber wenn sich auf der ersten Seite nichts aufmerksamkeitserregendes ankündigt, sehe ich für gewöhnlich keinen Grund auch nur eine weitere zu lesen. Ein guter Erzähler zeichnet sich dadurch aus, sogleich ohne Vorgeplänkel das Interesse des Publikums zu wecken. Wodurch auch immer scheint PR es bei euch geschafft zu haben. Bei mir aber nicht. Jede Geschichte muss sich erst aufbauen, klar. Aber belanglos oder langweilig sollte sie zu keiner Zeit daher kommen.
      Dass jeder Schreiberling seine eigene Stimme finden muss, ist keine Polemik, sondern gänzlich normal. Eingehen musst du darauf nicht, wenn du schon im Zweifel darüber stehst. Und da mir auch niemand sagen konnte oder wollte, was Rothfuss' Stimme nun ausmacht und abhebt, ist für mich nun Schluss. An weiterem Gezänk bin ich nicht interessiert.

      Beren Stark schrieb:

      Rothfuss vielgerühmte Sprache offenbarte sich mir als Niete.

      ​Schön, das wir einen angehenden Literaturprofessor in unseren Reihen haben.
      "Rhaegar fought valiantly,Rhaegar fought nobly,Rhaegar fought honorably.And Rhaegar died."

      "Alles was das Böse braucht, um zu triumphieren ist das Schweigen der Mehrheit"

      Kofi Annan
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