Was lest ihr gerade oder wollt ihr lesen?

      Aktuell habe ich noch einige Bücher auf meinen Stapel, aber demnächst möchte ich mich eigentlich gerne mal wieder an eine Fantasy-Reihe wagen. Zur Auswahl stünden

      Brandon Sanderson - Misborn-Reihe
      Tad Williams - Osten Ard Saga
      Robert Jordan - Rad der Zeit
      Robin Hobb - Weitseher-Trilogie

      Gibt es da von euch vielleicht die ein oder andere Entscheidungshilfe? :D Beim "Rad der Zeit" schreckt mich ja noch die schiere Menge ab, allerdings sollte man das wohl als Fantasy-Freund wohl durchaus mal gelesen haben :hmm:
      "Dann geh. Es gibt andere Welten als diese."
      Das Rad der Zeit fand ich ziemlich schlecht und habe nach dem zweiten oder dritten englischen Band aufgehört.
      Die anderen drei Optionen haben mir alle gut gefallen.
      Bei der Mistborn Reihe mochte ich das ungewöhnliche settig, die Atmosphäre und das Magiesystem.
      Osten Ard besticht meiner Meinung nach durch schöne, realistische Charakterzeichnung und mit die interessanteste Darstellung von Elfen.
      Weitseher war ein hervorragendes Rundumpaket.
      "Tigris doofitis ordinaris"
      "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."
      "Der Strike ist dem Räumfehler sein Tod..."
      Also RdZ hat durchaus sehr viele Stärken. Mir gefällt die Welt dort schon sehr gut. Ein schönes und kulturreiches Land mit einer interessanten Gechichte.
      Aber es hat auch ziemlich heftige Schwächen.
      Neben der extremen Deteilverliebtheit von RJ, die sich leider auch in vielen sich wiederholenden Nebencharakterbeschreibungen und ätzend langen Diskusionsumfeldbeschreibungen zeigt und dadurch die Seitenzahlen zu sehr aufbläht zerfasert er die Geschichte einfach zu sehr in wenig sinnvolle Nebenhandlungen.

      Insgesamt ist es besser als vieles andere da draussen, aber eben weit unter dem Niveau der Grundlage dieses Forums.

      Avatare sind auch nur Täuschkörper!

      Finnigan schrieb:

      Tad Williams - Osten Ard Saga
      Robert Jordan - Rad der Zeit
      Robin Hobb - Weitseher-Trilogie


      Ich mag alle drei Reihen.
      Robert Jordan verrennt sich zwischendurch ein bißchen. Aber das ist alles andere als langweilig. Beim Rad der Zeit kannst du dann auch gleich Barndon Sanderson kennenlernen, weil er Jordans Zyklus nach dessen Tod vollendet hat.
      Tad Williams Osten Ard gehört mit zum besten, das ich im Fantasybereich je gelesen habe, und wird aktuell gerade fortgesetzt. Martin hat sogar gesagt, ohne Osten Ard hätte 'Das Lied von Eis und Feuer' nie gegeben.
      Bei Robin Hobb war mir die Hauptfigur Fitz gleich von Anfang an sympathisch.
      Für mich ist gerade das, was den Menschen so ungeheuer kostbar macht, seine schöpferische Fähigkeit, das heißt, daß aus jedem Menschen eine ganz neue Welt hervorgehen kann. (M.E.)
      Lese gerade "Meine geniale Freundin" von Elena Ferrante ... bin noch nicht weit, aber der Schreibstil sagt mir schon mal sehr zu.
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.
      @HappyTime: Diese Trilogie hat mir auch sehr gut gefallen, da ich die Beschreibungen des politischen Manövrierens und Intrigierens mochte. Am besten fand ich die Zeit als Konsul und auf dem Weg zur Wahl zum Konsul. Vom dritten Buch hat mir der zweite Teil besser gefallen, ich glaube vor allem, weil Cicero da
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      wieder (etwas) mehr mit den Geschehnissen zu tun hatte-


      @Beren Stark: Ich habe auch oft das Gefühl, dass ich nicht so viel Neues/Interessantes zu einem Buch zu sagen habe. Aber sowohl zur Selbstreflektion, als auch für andere, die das Buch noch gar nicht kennen (und bei denen die Rezension also vielleicht Interesse weckt), lohnt es sich dann finde ich schon, was zu schreiben, auch wenn es nur die eigenen Eindrücke sind und diese weder besonders tiefgehend noch besonders ungewöhnlich o.ä. sind.

      Übrigens habe ich mir mal die Leseprobe von Maskenhandlungen geholt. Denn du schreibst ja, dass dieses technisch gut ist und gute Charaktere hat, dich der Inhalt aber nicht interessiert. Was jemand interessiert ist so sehr geschmacksabhängig, dass mir das als Empfehlung erst mal ausreicht ;)

      Mein letztes Buch:

      James A. Corey - Leviathan Wakes
      Der erste Roman der Expanse-Reihe (mittlerweile auch als Serie verfilmt) ist zweigeteilt in eine "Space Opera" und einen Noir-Krimi. Am besten gefallen hat mir dabei das Setting: Das Buch spielt in der (mittel)nahen Zukunft, d.h. es gibt Raumschiffe, die kurz unter Lichtgeschwindigkeit schaffen, dementsprechend hat die Menschheit unser Sonnensystem einigermaßen erschlossen, mehr aber eben nicht - also nichts mit riesigen Sternenreichen, sondern deutlich näher an unserer Realität und gerade dadurch interessant. In unserem Sonnensystem gibt es dann noch interessante politische und gesellschaftliche Zusammenhänge und Konflikte. Da erwarte ich mir vom Rest der Reihe auch noch ein bißchen was, denn irgendwo habe ich gelesen, dass der zweite Teil näher an einem Politikthriller ist. Auch gefallen, aber mit Abstrichen hat mir der Plot - es fängt an mit verschiedenen undurchsichtigen Ereignissen, auf deren Spur man zusammen mit den jeweiligen POV- und Hauptcharakteren Miller (Krimi) und Holden (Space Opera) ist. Dabei gibt es auch den ein oder anderen Semi-Twist - nichts wirklich überraschendes, aber manches ist nicht ganz so, wie man zunächst gedacht hat. Wahnsinnig innovativ oder weltbewegend sind die einzelnen Versatzstücke des Plots nicht, aber zumindest die Kombination ist originell.
      Weniger gefallen haben mir leider die Charaktere - Miller hat mir eine Zeit lang noch sehr gut gefallen - er ist
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      ein typischer zynischer, von der Welt müder Noir-Detektiv, der aber zusätzlich eher abgehalftert ist und seit seiner Scheidung zu viel Alkohol trinkt, um noch viel auf die Reihe zu kriegen. Interessant daran ist vor allem, dass ihm letzteres lange nicht bewußt ist, und man aus Leser ja auch nur seine Sicht kennt.

      Leider fand ich später nicht mehr so glaubwürdig,
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      wie extrem er an der Person Julie hing. Dass er sich dermaßen in seinen Fall verbissen hat, macht mit seinen abnehmenden Perspektiven im sonstigen Leben Sinn, aber dass er auch die Person Julie derart mag, dass er sich regelrecht in sie verliebt fühlt und sie ihm laufend erscheint, hat mich nicht sehr überzeugt. Vielleicht ist das aber auch nur mein mangelndes Vorstellungsvermögen, was so eine Verbissenheit in eine Aufgabe auslösen kann.

      Holden wiederum ist ein sehr moralischer Mensch, der zudem überzeugt ist, dass es moralisch richtig ist, wenn jeder alle (oder viele) Informationen hat, und der auch strikt nach dieser Prämisse handelt. Leider wird diese Eigenschaft für mein Gefühl auch etwas übertrieben dargestellt,
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      spätestens beim dritten Mal konnte ich nicht verstehen, dass er schon wieder seine Informationen direkt 'veröffentlichen' wollte, ohne über die Konsequenzen nachzudenken [ob es die richtige Entscheidung war, will ich gar nicht beurteilen, aber dass er schon wieder so unüberlegt handeln wollte, hat mich gestört]

      Es gab noch ein, zwei relevante Nebencharaktere, aber hauptsächlich geht es um diese beiden.
      Ansonsten war das Buch durchaus spannend und die Action-Sequenzen (am Boden oder im Raum) waren gut beschrieben. Kann man als kurzweilige Lektüre durchaus weiterempfehlen, aber begeistert war ich wegen der oben erwähnten Schwächen eher nicht. Trotzdem freue ich mich auf den nächsten Teil, vor allem eben, da ich das Setting mag. 3/5.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Tolotos“ ()

      Interessant...deine Meinung zum Buch spiegelt meine Wahrnehmung von der Serie ziemlich genau wider. Habe die schlechte Charakterzeichnung und so eher auf die Drehbuchautoren geschoben, aber offenbar hat man die Schwächen schon aus dem Buch übernommen. Das Setting und das politische Ränkespiel fand ich hingegen auch in der Serie hervorragend.
      "Dann geh. Es gibt andere Welten als diese."
      @Tolotos
      Dass Sembten, mir nicht wirklich gefallen hat (ich habe im eigentlichen Beitrag so von ihm geschrieben, als würde er immer noch schreiben, dabei ist Malte S. Sembten auch schon wieder tot - ebenfalls ein 2016er ...) würde ich rückblickend vornehmlich darauf schieben:
      Wenn ich es mir überlege, komme ich zu dem Schluss, dass ich überhaupt nicht sagen könnte, worauf die einzelnen Geschichten den Fokus legen.

      woraus dann dies folgt:
      Sembtens Horror fehlt irgendwie der entscheidende Sense of Wonder, das Essentielle, was mich solche Geschichten mit einer dunklen Faszination lesen lässt.


      Sembten wird u. a. für seine Anpassungsfähigkeit gelobt, welche unterschiedlichen Ideen er alle verwendete. Ich glaube das ist mein großes Problem damit. Ich brauche natürlich Abwechslung, gerade bei so einer Anthologie, aber i-wie schien mir Sembten kein größeres Interesse für seine Themen zu hegen. Ich finde gerade Horrorstorys brauchen eine starke Thematik, die den Text unablässig heimsucht, wie -Verzeihung für den platten Vergleich- ein Gespenst ein Spukschloss. Und das fehlt diesen Geschichten, wie ich finde.
      Kristin Ganzwohl - Geliebter Mörder
      In diesem Buch schreibt eine Journalistin über ihren Umgang damit, dass ihr Freund ihr erzählt, dass er fünfzehn Jahre vorher einen Mord begangen hat. Schlimmer noch, er hat seine damalige Freundin umgebracht. Etwas überraschend fand ich, dass die Antwort, wie man auf so ein Geständnis von fast jedem (der Autorin und den meisten Freunden mit denen sie darüber redet) gleich ausfällt - man sollte auf jeden Fall versuchen, die Beziehung weiterzuführen. Interessant an dem Buch ist natürlich vor allem von der Reaktion (durch tatsächliche Taten oder nur wie sie sich danach fühlt und was sie denkt) der Autorin zu lesen. Weniger prickelnd ist, dass ein Teil des Buches auch von "0815"-Problemen eingenommen wird, und man daher das Gefühl hat, dass es weniger zu erzählen gibt, als in das Buch passt. Auch störend fand ich, dass die Kapitel nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Oft hat man den Eindruck, sie wären unabhängig voneinander geschrieben worden und später hätte niemand richtig drübergelesen... Oder das ist Absicht und man soll sie auch nicht-chronologisch lesen können? Mich hat es jedenfalls gestört. Und der Inhalt war wie gesagt nur teilweise interessant, teilweise langweilig und teilweise hat er sich wiederholt... 2/5

      James A. Corey - Caliban's War

      Der zweite Teil der Expanse-Reihe hat mir ein gutes Stück besser gefallen als der erste. Das liegt wahrscheinlich teils an den neuen Charakteren - Neben Holden, mit ich immer noch nicht ganz warm werde, gibt es jetzt POV von einer Soldatin vom Mars, einem Botaniker von Ganymede und einer hochrangigen Politikerin von der Erde. Die mittleren haben mir gut, Avasarala (die Politikerin) sehr gut gefallen. Andererseits liegt es wahrscheinlich auch an der Schwerpunktsetzung, denn die politische Komponente (die vorher eher im Hintergrund vorkam) wird durch die neuen Charaktere auch deutlich stärker beleuchet - ich lese sehr gerne über politisches Intrigieren und das rückte hier mehr in den Mittelpunkt - zwar nicht allzu komplex von der Anzahl der Akteure her, aber immerhin interessant in der Ausführung. Immer noch gemocht habe ich das Setting und das man oft den Eindruck hat, dass dabei auch alltägliche Kleinigkeiten bedacht werden. Weniger gut gefallen hat mir diesmal der Plot, vor allem weil er ziemlich nah am ersten Buch war:
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      Es ging hauptsächlich wieder darum, eine Organisation von der Erde, die mit dem Protomolekül experimentiert zu entlarven.

      Auch etwas gestört hat mich die Kleinigkeit, dass
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      als die Rocinante von den UN-Schiffen verfolgt wird, die wiederum von Marsianern verfolgt werden, nicht früher jemand auf die Idee kommt, diese gegeneinander auszuspielen. Gerade Avasarala hätte da doch als erstes drüber nachdenken müssen. Das wirkte auf mich sehr künstlich die offensichtliche Lösung spät präsentiert, um die Spannung zu steigern...

      Ich habe mich insgesamt gut unterhalten gefühlt. 4/5
      Ich habe nun alle Thursday Next Büchern durchgelesen, die es auf deutsch gibt.
      Mein Enthusiasmus ließ gerade beim letzten Buch leicht nach, obwohl ich die Kreativität und den Sprachstil immer noch sehr mochte. Es lag glaub ich daran, dass

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      ​die Hauptrolle die Buch-Thursday spielt und wir von der echten Thursday wenig mitbekommen. Ich habe sie und ihr Umfeld aber vermisst.


      Dennoch uneingeschränkte Leseempfehlung für die Reihe, die macht wirklich gute Laune!
      Ich bin gerade bei Teenie-Literatur gelandet und lese die Silber-Reihe von Kerstin Gier, die mir meinem kleine Schwester ausgeliehen hat. :rolleyes:
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.
      Darell Huff - How to Lie with Statistics
      In diesem Buch aus den 50ern geht es darum, einige typische Arten, mit Statistiken Informationen zu verfälschen, darzustellen, und zu erklären, warum die entsprechenden Methoden unseriös sind. Dabei merkt man dem Buch seine Entstehenszeit vor allem natürlich in den Beispielen an. Der eigentliche Inhalt bleibt auch heute aktuell, und ist auch gut dargestellt, beschäftigt sich aber vor allem mit den absoluten Grundlagen (nicht-representative Stichprobe, Regression to the Mean, grafische Tricks zur Aufbereitung, Median vs. arithmethisches Mittel, Korrelation vs. Kausalität). Wenn man sich also halbwegs mit dem Thema auskennt, wird man nur Bekanntes wiederholen, wenn nicht ist es sicher nützlich, dass alles mal zu lernen. Geht bestimmt auch mit neueren Büchern zum gleichen Thema auf gleichem Level, aber geht auch hiermit gut. 3/5

      Victoria Schwartz - Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde: Das Phänomen Realfakes

      Die Autorin beschäftigt sich damit, wie sie auf einen sogenannten Realfake (von ihr erfundener Begriff) reinfiel - damit beschreibt sie Fake-Identitäten im Internet, die im Gegensatz zu Scammern und vergleichbaren Betrügern nicht auf direkte finanzielle Vorteile aus sind, sondern ohne materielle Bereicherungsabsicht über ihre Identität lügen. Dabei beschreibt sie in zwei Dritteln des Buches ihren eigenen Fall und beschäftigt sich am Ende noch allgemein mit dem Thema. Ihre spezielle Fallgeschichte fand ich dabei sehr interessant zu lesen. "Liest sich wie ein Krimi" vom Klappentext ist etwas übertrieben, aber spannend zu lesen war es schon. Vor allem, weil man die "Masche" nicht direkt durchschaut, da das Ganze einerseits sehr komplex aufgebaut ist, und andererseits eben kein direktes Motiv erkennbar ist (welches aber natürlich auch am Ende im Dunkeln bleibt, da es nicht genau bzw. mit Sicherheit zu ermitteln war). Der zweite Teil ist leider deutlich weniger gut, weil ich dort gefühlt nichts neues las. Die Sachen, die ich nicht schon vor Lektüre des Buchs wusste, hätte ich auch aus dem ersten Teil rauslesen bzw. zumindest vermuten können. Einzig ein, zwei statistische Angaben (immerhin gut 200 andere Opfer haben sich bei der Autorin gemeldet) sowie drei andere Fälle ganz am Ende fand ich dort noch interessant. Insgesamt lande ich bei 3/5, wäre der zweite Teil besser gewesen, wäre ich vielleicht sogar noch etwas höher gegangen.
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