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      Ich habe im 2. Anlauf das Silmarillion gelesen.
      Was soll ich sagen, Tolkien ist halt in der Lage auch ohne übermäßige Story dieses Middle-earth Feeling zu verbreiten und den Leser emotional zu packen. Ein ganz großer unserer Zeit.
      "Rhaegar fought valiantly, Rhaegar fought nobly, Rhaegar fought honorably. And Rhaegar died."

      "Alles was das Böse braucht, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit"

      Kofi Annan

      DANYFORTHEWIN schrieb:

      Ein ganz großer unserer Zeit.


      Du weißt aber schon, dass Tolkien noch im 19. Jahrhundert geboren wurde und bereits vor 44 Jahren starb?

      Aber Kompliment, dass du dich da drüber getraut hast, vor allem der "Schöpfungsmythos" zu Beginn ist doch ganz schön zäh mit ziemlich umfangreichem Namensgeklingel.
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!
      Naja, die Bgriffserklärungen am Ende vom Silmarillon sind doch schon im Alleingang 50 Seiten.

      Und das Valar und Maia oft mit Beinamen angesprochen werden, vereinfacht die Sache auch nicht. Eindeutig ein Buch zum mehrmals lesen.

      Also mit 15 hätte ich mir das vermutlich nicht angetan. (Allerdings wußte ich da auch nichts von der Existenz.)
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!

      DANYFORTHEWIN schrieb:

      Ich habe im 2. Anlauf das Silmarillion gelesen.

      Gratulation! Das Lesen von Silmarilion war ein beeindruckendes Erlebnis für mich, schön, dass es dir auch gefallen hat.

      ssnake schrieb:

      Und das Valar und Maia oft mit Beinamen angesprochen werden, vereinfacht die Sache auch nicht.

      Das ist ein wichtiger Punkt. Oft habe ich mich gewundert, warum über Horst erzählt wird, als würde man ihn als Leser schon kennen und habe erst spät kapiert, dass er eigentlich Olaf ist und dass der Charakter auch Helmut oder Manfred genannt wird (Ein Bespiel aus dem Buch ist mir nicht eingefallen, da ich unzählige Namen wieder vergessen habe).

      ssnake schrieb:

      Eindeutig ein Buch zum mehrmals lesen.

      Das Gute ist, dass man teilweise einzelne Kapitel nochmal lesen kann, ohne sich wieder durch das ganze Buch zu kämpfen. Wenn man einen Überblick über die wichtigsten Charaktere und Geschehnisse hat (was man nach dem ersten Lesen ja haben sollte), kann man Geschichten wie die von Beren und Luthien oder Turin Turambar auch als alleinstehende Erzählungen genießen.
      Gibt es hier Leser der Skulduggery Pleasant-Reihe?
      Die ursprünglichen 9 Bücher der Hauptreihe (sowie das Spin-Off Buch und die Kurzgeschichtensammlung) haben mich durch meine Jugend begleitet, dementsprechend viel bedeuten mir die Bücher.

      Ich dachte, die Reihe wäre vollständig abgeschlossen, doch nun hat Derek Landy diesem Sommer einen zehnten Band der Hauptreihe veröffentlicht.
      Erst hatte ich keine Lust dazu. Die Bücher 4-6 empfand ich als sehr fad und wollte nicht, dass mir das wieder passiert und ich die Reihe nicht mehr in dem positiven Licht sehe, wie es bisher der Fall war.
      Diese Woche bin ich dann aber doch schwach geworden und habe mit "Resurrection" begonnen - 200 Seiten habe ich immerhin geschafft, was in dieser doch sehr stressigen Woche gar nicht mal so schlecht war.
      Und bisher bin ich sehr positiv überrascht. Ich berichte dann nochmal, wenn ich durch bin.
      Hm, interessant. Ich war zwar ab Band 6 mit der Handlung* recht unzufrieden - ich war am Ende immer unzufrieden, auch wenn die Bücher gut zu lesen waren - aber gelesen habe ich sie alle. Da mir auch der zweite Teil von Landys Demon Road ziemlich gut gefallen hat, werde ich den neuen Skulduggery wahrscheinlich auch demnächst anlesen.
      Im übrigen meine ich, die deutsche Neuübersetzung sollte vernichtet werden.
      Ich bin nach rund 25 Jahren wieder in Tad Williams Osten Ard. Seltsam das. Oder so seltsam wie es für Tolkien-Fans wäre eine Fortsetzung vom Herrn der Ringe zu lesen also ziemlich seltsam.
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.
      Licht, von M. John Harrison, erster Teil der Licht Trilogie.
      Ab hier Spoiler , aber ehrlich, das Buch ist so mies, wen juckt`s.
      Ich stand neulich in der Buchhandlung, und fragte mich, was soll ich als nächstes lesen? Eigentlich war ich schon ziemlich entschlossen, endlich mal Kings Dunkle-Turm-Reihe zu beginnen, zögerte dann aber doch, da nicht alle Bände im Regal vorhanden waren. (Amazon, who?) Also entschloss ich mich für einen dicken Sci-Fi Band, immerhin eine komplett abgeschlossene Trilogie in nur einem dicken Taschenbuch.
      Tja, da habe ich ordentlich ins literarische Klosett gegriffen.
      Generell widerstrebt es mir zutiefst, ein einmal begonnenes Buch aus der Hand zu legen, bevor ich damit durch bin. Bisher ist mir das höchstens drei oder viermal passiert, aber hier war ich mehrfach kurz davor.
      Eigentlich sollte ich hier kurz die Handlung umreißen, aber leider gibt es nichts was einer Handlung irgendwie ähnlich sein würde. Der Leser folgt drei Individuen, einem Mann in unserer Zeit, und getrennt von einander zwei Personen in einer entfernten Zukunft. Hier muss ich pausieren, und ich überlege einige Minuten lang, da ich nicht weiß, wie ich die Wirrhaftigkeit des Buches am besten beschreiben soll.
      Man folgt den Figuren auf einem Weg, der völlig chaotisch ist. Einer ist scheinbar ein genialer Physiker, der im Buch allerdings nie irgendwas physikmäßiges tut, sondern lieber Sexualmorde begeht, vor seinem Psychodingens durch die Welt flieht, und seine Ex-Frau finger-pimpert.
      Dann haben wir einen Emotions-Junkie, der... beim Zirkus landet, und Wahrsager wird. Und irgend ein Zeug dazwischen.
      Dann noch eine Frau, die mit einem Raumschiff verschmolzen ist. Werden irgendwelche Regeln für diese Art der interstellaren Schifffahrt erklärt? Nö. Was passiert, passiert.
      Generell "worldbuilding", "Kontext"? Hamm wa nich, brauch wa nich!
      Nach vielen, vielen Seiten, lässt sich doch ein kleiner roter Faden finden. Doch wird hier nichts geschickt verwoben, am Ende wird alles mit dem Deus Ex Machina erklärt, beziehungsweise mit dem Alien mit dem Hirschskelettschädel, das alles erklärt und verbindet.

      Ganz selten habe ich ein Buch als eine solche Tortur empfunden, und ich habe ja noch zwei Teile der Trilogie vor mir. Momentan bin ich wirklich mit mir am ringen, ob ich diese Absonderlichkeit weiter lesen soll.
      It`s not easy to be a birdplane.

      Ich muss meine Reaktionen haben dürfen!
      Ich warte ja nicht nur drauf, dass Martin weiterschreibt, ich warte auch darauf, dass Walter Moers weiterschreibt. Verschiedene Bände, teilweise auch als Fortsetzungen bereits erschienener Bücher, wurden angekündigt, aber doch nicht veröffentlicht/geschrieben, also habe ich mir das neueste Werk "Prinzessin Insomnia und der albtraumfarbene Nachtmahr" zugelegt. Der Titel klingt ganz nach Waler Moers, leider ist das Buch nicht so gut, wie die anderen Zamonien-Romane. Von der typischen bunten und skurrilen Welt, die Walter Moers in Zamonien sonst beschreibt, kommt so gut wie nichts vor, die Geschichte könnte auch in jeder anderen Welt spielen. Dann geht es nur um Worte und Sprache, was ja ganz nett sein kann, aber mir in dem Kontext nicht so gut gefällt. Kurz und gut, ich habe das Buch erst mal zugemacht und beiseite gelegt. Ich werde ihm sicher noch eine Chance geben, aber jetzt ist gerade für mich nicht die richtige Zeit, so ein Werk zu lesen.

      Stattdessen habe ich mich dem neuen Kluftinger-Roman zugewandt, "Himmelhorn". Auch da gibt es vielleicht zu meckern, dass ich Kluftinger manchmal schon sehr bräsig und naiv dargestellt finde (Themen: Computertechnik und Börse), dann wieder ist er der absolut fähige Ermittler. Aber dennoch ist es ein interessanter, ruhig erzählter Kriminalfall mit ebenfalls skurrilen Typen, witzig, locker geschrieben, läßt sich zur Entspannung gut lesen. Und wenn ein Buch mich doch so in sich hineinzieht, dass ich dann erstmal "Himmelhorn" googel und dazu ein bisschen rumlese, ist es für mich sicher besser geeignet als das obenerwähnte Buch. :)
      Das gleichnamige Computerspiel hatte ich schon seit längerem durchgespielt. Jetzt habe ich auch die Kurzgeschichte gelesen, auf die das Spiel basiert: I have no mouth and I must scream. Passenderweise, das habe ich erst jetzt festgestellt, war diese als Bonusmaterial mit zu dem Spiel dazugewesen und ist auch überhaupt nicht lang. Also wer zwischendurch Zeit hat, kann sie sich lesen, dürfte keine Stunde dauern.

      Es geht im Groben darum, dass die Welt in der Zukunft komplett von einem Supercomputer (AM) übernommen worden ist, der ursprünglich programmiert wurde, um den 3. Weltkrieg für die Menschen zu führen. Er bekam jedoch Bewusstsein und brachte alle Menschen um, bis auf fünf. Diese fünf foltert, demütigt und peinigt er ununterbrochen für die nächsten 109 Jahre (an dem Punkt setzt die Geschichte ein), hauptsächlich weil er Menschen über alle Maßen hasst, aber auch weil diese fünf Menschen etwas können, was er nicht kann, sich nämlich freibewegen. Für diese fünf scheint es keinen Ausweg aus dieser Hölle zu geben, denn AM hält sie am Leben, egal wie sehr sie sich bemühen sich umzubringen und hat auch eine Möglichkeit gefunden, dass sie niemals altern. Erzähler ist Ted einer der fünf.

      Kommentar: Das ist wohl die extremste Dystopie, die mir je untergekommen ist. Neben der kompletten Vernichtung der Menschheit, spielt das Motiv der Angst des Menschen vor der Hölle eine zentrale Rolle und ist hier besonders grausig umgesetzt. Lichte und tolle Momente sucht man hier vergebens, es ist eigentlich durchweg düster und trostlos und sehr deprimierend in seiner Erbarmungslosigkeit. Die Geschichte regt auch zum Nachdenken an und bringt einen auch auf den Gedanken: ist das was ich so tagtäglich erlebe wirklich so schlimm, geht es nicht immer auch noch schlimmer und ist das was die fünf erleben nicht das schlimmste, was irgendjemanden zustoßen kann?
      Ich würde auch behaupten, dass Harlan Ellison, der Autor der Kurzgeschichte, kein großer Menschenfreund ist. Immerhin spricht er in dem Computerspiel AM auch selbst.
      "The teaching, as you call it, is simply that there isn't to be a deserted or unhappy child in the world. In the end, that's the world's only security: children are the future, you see. If there were no unhappy children, then the future would be secure." - Kelderek (Shardik, p. 585)
      Ich lese gerade u.a. "Das Ende der Menschheit".

      H.G. Wells im "Krieg der Welten" beschriebene Attacke der Marsianer hat es wirklich gegeben und wird fürs Jahr 1907 angenommen.
      In den zwanziger Jahren (des 20. Jahrhunderts) kommen sie wieder...

      Unheimlich detailverliebt und ironisch, zugleich aber doch todernste und mit allen technischen Schlußfolgerungen des 21. Jahrhunderts geschriebene Hommage und Fortsetzung zugleich.

      Irrwitz des Ganzen: Welche Auswirkung hätte ein Angriff auf England auf die Geschichte der Menschheit tatsächlich gehabt? Den Ersten Weltkrieg hätte es z.b. nie gegeben, das wilhelminische Deutschland z.B. hätte die Weltmachtsrolle geerbt, und wenn vom Ersten Großen Krieg die Rede ist, dann natürlich vom ersten Kriege gegen die Marsianer ... dafür vom aufkommenden Faschismus keine Spur - in Deutschland. Den Eiffelturm gibt es nicht mehr, den haben die Deutschen 1914 gesprengt ... im so genannten Schlieffenkrieg.

      Wenigstens gibt es in Wien trotz allem den Professor Freud, der Erzähler des Ursprungsromans läßt seine von den Marsianern hervorgerufenen Traumata von ihm behandeln.

      Der Autor, Stephen Baxter, dürfte seinen Wells studiert haben wie andere die Bibel. Dessen optimistische Darstellung am Ende des 1899 geschriebenen Klassikers, dass bei einem neuerlichen Angriff der Aliens die Menschheit besser gerüstet sein würde, teilt er allerdings nicht. Ganz und gar nicht! Nicht mal die Geheimwaffe des jungen Marineministers Churchill hilft was!

      Da auch dieser Roman in Ich-Form geschrieben ist - übrigens aus Sicht einer Frau - habe ich nach etwa einem Drittel des Buches trotz allem noch die Hoffnung, dass es die Menschheit des Wells`schen Universums dennoch überlebt.

      Kleine Warnung noch: Ohne Kenntnis des Originalromans ist eine Lektüre weitgehend sinnlos oder zumindest nur das halbe Vergnügen. Und nein, die Spielbergverfilmung mit Cruise hilft da überhaupt nicht.
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „ssnake“ ()

      Ich lese gerade "Alles Licht, das wir nicht sehen" von Anthony Doerr.
      Ich hab' gerade mal ein Drittel, aber ich weiß jetzt schon, dass es wahrscheinlich das beste Buch ist, das ich dieses Jahr gelesen habe.
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.
      In letzer Zeit habe ich genug Stress, dass ich nicht nur selten zum Lesen, sondern sogar noch seltener zum Schreiben über das Gelesene komme. Hier die drei Bücher, die ich trotzdem fertiggekriegt habe:

      Cixin Liu - The Dark Forest
      Ich hatte es irgendwo schon angedeutet, ich bin sehr überzeugt von diesem Buch. Es ist der zweite Teil einer Trilogie und (Spoiler nur zum ersten Buch)
      Spoiler anzeigen
      beschäftigt sich mit der interessanten Situation, dass Invasoren in Richtung Erde unterwegs sind, diese aber wegen mangelnden Überlicht-Antrieben lange geung brauchen (400 Jahre), dass sich allein durch diese "Vorbereitungs"zeit eine spannende Geschichte erzählen lässt. Erschwerend kommt hinzu, dass sie durchaus überlichtschnell kommunizieren können und dadurch einerseits jegliche Vorbereitung der Menschheit beobachten können und andererseits die (etwas mystisch angehaucht klingenden) technische Fähigkeit haben, unsere Wissenschaft zumindest auf dem Gebiet der Teilchenphysik, auf dem die interessantesten Gegenmaßnahmen und Entwicklungssprünge möglich wären außer Gefecht zu setzen.

      Dieser zweite Teil sprüht dabei nur so vor interessanten und größtenteils überzeugend umgesetzten Ideen:
      Spoiler anzeigen
      Ein Volk, dass das Konzept des Lügens und Täuschens zunächst nicht versteht, weil es nur telepathisch kommunziert ohne dass diese Möglichkeit existiert; das Konzept der Wallfacer als beste Abwehrmaßnahme der Menschheit: Menschen, die sich mit quasi unbegrenzter Macht ausgestattet perfide Strategien ausdenken sollen, die aber nur in ihrem Kopf sein dürfen, damit das feindliche Volk nichts davon mitbekommt; die Tatsache, dass man nach einem Kälteschlaf in einer völlig geänderten Zukunft erwacht, wo ein solches Projekt keine Rolle mehr spielen kann; die Auflösung des Wallfacer-Handlungsstrangs; die Idee des titelgenden "Dark Forest", die ich hier auch im Spoiler nicht spoilern möchte

      Auch wirkt es so, als hätte sich der Autor wirklich Gedanken macht, um sein Buch so realistisch wie in diesem Rahmen irgendmöglich zu gestalten. Leider übernimmt "The Dark Forest" aber auch einige Schwächen seines Vorgängers, die also möglicherweise vom Autor kommen: Die Charaktere und in einem geringeren Grad auch die Dialoge wirken nicht überzeugend und erstere bleiben dadurch sehr blaß. Das ist etwas schade, weil dadurch ein "Mitfiebern" eher ausbleibt. Durch die vielen tollen Ideen und die Auseinandersetzung mit diesen wird das aber mehr als ausgeglichen. Ein weiterer kleiner Nachteil ist ein Plotpunkt, den ich nicht sehr überzeugend fand, nämlich LuoJis "Muse".
      Spoiler anzeigen
      Ich habe die ganze Zeit mehr hinter dieser Geschichte erwartet und vielleicht kommt das ja auch noch im dritten Teil, aber so wirkt schon das Gefühl "einen erdachten Charakter zu lieben" und dafür auch eine echte Beziehung aufzugeben seltsam (aber wer weiß - ich bin schließlich kein Autor, darüber sollte ich wohl nicht urteilen); noch viel seltsamer wirkt dann aber, dass dieser erdachte Charakter so problemlos real aufgetrieben werden kann.

      Wegen den kleinen Schwächen bleibe ich bei 4/5 für ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.

      Noah Sow - Deutschland Schwarz-Weiß
      Ein Buch über den Alltagsrassimus, mit dem man in Deutschland als Schwarze/r anscheinend häufig konfrontiert wird. Inhaltlich sehr interessiert, zeigte mir einige Punkte, an die ich nicht dachte, oder die ich für entweder nicht so "schlimm" oder nicht in dieser Häufigkeit vorkommend hielt und brachte mich dadurch auch immer wieder zum Nachdenken über mein eigenes Verhalten. Dennoch kann ich das Buch in dieser Form nicht wirklich empfehlen, da ich einerseits den Stil nicht ansprechend fand (das schnodderige Anfahren generell aller Weißen und die teilweise Umkehrung der Rollen insbesondere zu Beginn soll wohl Wachrütteln, ich vermute aber dass dieser Stil pragmatisch eher kontraproduktiv ist: bei mir war der Effekt "Was soll das denn jetzt?" - "Ah, okay, irgendwo verstehe ich, warum man das rechtfertigen kann (entweder um etwas Nachvollziehen zu können oder um Missstände wirklich deutlich anzusprechen)" - "Naja, ich hätte es nicht so geschrieben, aber inhaltlich passt es ja"; Ich kann mir aber vorstellen, dass viele Menschen viel abweisender darauf reagieren). Andererseits, und das ist eine deutlichere Verfehlung, fand ich den Umgang mit Zitaten/Belegen geradezu unverschämt. Alltagsanekdoten schön und gut, aber wenn man etwa zu polizeilichen Übergriffen NUR die Quelle einer Schwarzen Gruppe angibt, die sicher auch eine gewisse Interessen-/Motivationslage hat (selbst falls diese die Realität besser abbildet, sollte man verschiedene Quellen angeben und den Leser einordnen lassen) oder noch schlimmer immer wieder von "gesicherten Erkenntnissen" und ominösen "Studien" redet, ohne sauber zu zitieren, dann finde ich das nicht wirklich prickelnd. Aufgrund des relevanten und durchaus sinnvollen Inhalts gebe ich noch 3/5, aber die letztgenannten Schwächen haben mich deutlich gestört. Dafür war übrigens der Glossar am Ende durchaus lustig (Umkehrung von Begriffen wie "Eingeborene", "Stamm", "Initationsriten" usw.). Noch ein Kommentar: In der Kindle-Version haben viele Buchstaben gefehlt. Man konnte sich bis auf manche Überschriften alles zusammenreimen, aber nervig war es schon. Das kann man dem Buch selbst natürlich nicht anlasten.

      Ken Grimwood - Replay
      Romantechnisch habe ich gerade eine Glücksphase, denn auch Replay ist ein Buch, dass mich absolut überzeugt hat. Es geht um einen Mann, der mit 43 Jahren stirbt, dann aber aus ominösen Gründen die Möglichkeit hat, sein Leben noch einmal zu leben. Mit seinen Antworten auf die Fragen, was man dann machen würde, wie man sich insgesamt in so einer Situation fühlen würde, was die Vor- und Nachteile sind und ähnlichem hat mich das Buch sehr gut unterhalten und auch zum Nachdenken angeregt. Es ist sehr prägnant/gebündelt geschrieben (oft werden lange Zeitabschnitte übersprungen), was einerseits erfrischend ist, da immer etwas passiert, andererseits aber bei mir auch dazu führte, dass die Immersion und insbesondere das Mitempfinden mit dem Protagonisten zumindest lange Zeit etwas schwächer war. Gegen Ende gab es aber auch einige wirklich bewegende und gleichzeitig interessante Momente. Kann dieses Buch nur empfehlen. 4/5, habe aber sogar eher nach oben geschwankt.
      Erwähnen sollte man noch, dass ich einerseits solche Arten von Geschichten mag und daher sicher einen gewissene Bias habe, aber andererseits noch nicht viele davon kenne, und daher vielleicht etwas leicher zu überzeugen bin, als erfahrenere Leser in dieseme Genre.

      Als nächstes steht jetzt das dritte Buch von Cixin Lius Trilogie an.
      Ich quäle mich zu 3/4 zusehends durch Lems "Solaris". Am Anfang war ich begeistert, denn ich bin naturwissenschaftlich geprägt und seine Beschreibung der Solaristik, der Auseinandersetzung der Wissenschaften mit dem Thema, das hat mir sehr viel Spaß gemacht.
      Doch unendliche Beschreibungen geometrischer Strukturen und psycholohische und philosophische Fragen "Wer bin ich und was ist wann wo wer" - das reizt mich nun gar nicht - denn das sind Fragen, die man sich sowieso immer mehr oder weniger fokussiert stellt und auf die es teilweise keine Antworten gibt. Ich brauche Herrn Lem nicht dafür.
      Kurzzusammenfassung zu meinem letzten Lesestoff:

      Christian Rudder - Inside Big Data
      Ein Gründungsmitglied von OkCupid, der dort für Data Science zuständig ist, setzt sich mit den verschiedensten Statistiken auseinander. Mathematisch wirkt das ganze sehr kompetent ("wirkt" statt "ist", weil man natürlich die Rohdaten selbst nicht kennt, und sich daher mit einer endgültigen Beurteilung zurückhalten sollte), gleichzeitig ist es exterm unterhaltsam und oft amüsant, was man so alles an Statistiken einer Partnerbörse ablesen kann. Wer den entsprechenden Blog bei OkCupid kennt, kennt den Stil.
      Nur dem Übersetzer ins Deutsche sollte man erklären, dass er in Zukunft fachkompetente Hilfe zu Rate ziehen sollte. Den Fachbegriff "graph theory" einfach wahl- und planlos mit "Funktionentheorie" (statt richtig mit "Graphentheorie") zu übersetzen, ist vor allem deshalb dämlich, weil es wirklich ein Gebiet namens "Funktionentheorie" (engl. "complex analysis") gibt. Ich habe mich im ersten Moment echt gefragt, wie man Funktionentheorie an der Stelle anwenden kann... Aber dafür kann der Autor ja nichts. 4/5

      Alan Sokal - Fashionable Nonsense: Postmodern Intellectuals' Abuse of Science

      Der Physiker Alan Sokal wurde mit einem Nonsens-Artikel bekannt, den er in den 90ern bei der Zeitschrift "Social Text" einreichte und der angenommen wurde. Er wollte damit zeigen, mit was für absurden Texten man bei manchen (peer-reviewten!) Journals unterkommen kann. Zu diesem Schritt bewogen hat ihn die Situation, die er im vorliegenden Buch zitiert: Einige Wissenschaftler haben behauptet, Physik und Mathematik in ihren wissenschaftlichen Arbeiten (in sozialwissenschaftlichen Gebieten) anzuwenden und haben dabei völlig hanebüchernen Unsinn verzapft. Dass Sokals Artikel angenommen wurde, wundert nach Lektüre des Buches überhaupt nicht mehr, denn während jener noch eher zurückhaltend falsches und subtile Denkfehler enthielt, sind die hier vorliegenden Zitate, die ja von Leuten aus der entsprechenden Wissenschaftscommunity kamen Unsinn vom Schlage "The penis is similar to the complex number i: Both are irrational". Während dieser Satz wenigstens noch als Metapher Sinn haben könnte (den ich aber nicht finde), soll an vielen Stellen wirklich formale Mathematik angewendet werden und es entsteht abstruses, da versucht wird, streng definierte Fachbegriffe in umgangssprachlichen Kontexten eingesetzt zu werden (Stichwort: Axiom of Choice für Recht zur Abtreibung. Seems Legit). Dabei bleibt Sokal stets fair und betont mehrfach, dass er weder einen ganzen Wissenschaftszweig noch gar sämtliche Geisteswissenschaften und nicht mal die hier zitierten Wissenschaftler angreifen will, sondern wirklich nur deren absurde Anwendungen von Mathematik und Physik. Ob sie sonst etwas wissenschaftliches geleistes habe, will und kann er nicht beurteilen. Das Buch ist dem Thema entsprechend nicht allzu spannend geschrieben und wohl nur für Leute lustig und/oder interessant, die schon mit Hochschulmathematik und oder -Physik in Kontakt waren, da man sonst meiner Einschätzung nach vieles nicht wirklich versteht. Für mich hat es sich gelohnt. 4/5

      Cixin Liu - Death's End

      Ich kann nur nochmal meine Worte zum zweiten Teil wiederholen: Großartige Ideen, ein glaubwürdiger und spannender Plot, aber nicht ganz so tolle Dialoge und Charaktere. Wobei letzteres schon deutlich besser geworden ist (Cheng Xin ist wesentlich interessanter als Luo Ji). Klare Empfehlung an jeden, der an Science Fiction interessiert ist. 4/5

      Cathy O'Neill - Weapons of Mass Destruction: How Big Data Increases Inequality and Threatens Democracy
      Eine ehemalige Mathematik-Professorin, die aber auch in der Wirtschaft als Data Scientist gearbeitet hat, prangert sehr scharft an, wie momentan Algorithmen zur Verwertung von Rohdaten in den verschiedensten Lebensbereichen (vor Gericht, bei der Polizeit, in Bewerbungsverfahren, bei Versicherungen usw) eingesetzt werden. Sie hat mit vielem sicher recht und es ist informativ/erschreckend zu lesen, wie teilweise gearbeitet wird. Rein zur Unterhaltung würde ich das Buch nicht lesen, da es sich dafür auch zu viel wiederholt. Für ihre Aussage ist das nicht schlecht, da sie ja gerade zeigen will, dass es an vielen Stellen die entsprechenden (ähnlichen) Probleme gibt. Allzu sehr in die Tiefe geht sie absolut nicht, es ist eher ein Buch für interessierte Laien. War ok. 3/5

      Jeff VanderMeer - Annihilation

      Ein unfassbar spannendes Science-Fiction-/Mysterybuch über eine Expedition in die sogenannte Area X. Verfasst im Tagebuchstil ist das Buch sehr spannend und prägnant, baut eine schöne Spannung auf und ist auch sehr gut geschrieben. Leider war ich mit dem Ende bisher noch nicht ganz so zufrieden, was aber größtenteils Geschmackssache ist:
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      Mir war alles zu mysteriös, zu vage, zu übersinnlich.

      Es ist aber gut möglich, dass sich dieser momentane Kritikpunkt im weiteren Verlauf der Trilogie auflöst. Bis dorthin bleibe ich erst einmal bei 3/5, da ich das Buch momentan für sich bewerte.

      Außerdem habe ich gehört:

      Michael Crichton - Micro

      Ein Buch rund um Doktoranden, die in einen Skandal um eine Nanotechnologie-Firma verwickelt und dabei
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      geschrumpft

      werden. Das Buch hat bei mir einen Nerv getroffen, denn durch die Prämisse ist es möglich,
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      die verschiedensten Tiere, vor allem Insekten effektiv als Widersacher einzusetzen.

      Losgelöst davon ist wohl recht durchschnittlich, die Charaktere sind nichts Besonderes, der Plot ist recht vorhersehbar und es wirkt auch nicht ganz so gut recherchiert, wie man es sonst von Crichton gewohnt ist. Solide Unterhaltung, die bei mir gewann, weil ich das Setting mochte. Mehr aber nicht. 3/5