Exklusives Interview mit Tom Wlaschiha (Jaqen H'ghar)

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      Exklusives Interview mit Tom Wlaschiha (Jaqen H'ghar)

      Am Sonntag, wenn in den USA die zweite Episode der 2. Staffel "The Night Lands" ausgestrahlt wird, betritt zum ersten Mal eine der beliebtesten Figuren der Bücher auch die TV-Bildschirme: Jaqen H'ghar. Tom Wlaschiha wird die Rolle verkörpern und hat sich freundlicher Weise vorher Zeit genommen, um sich unseren Fragen zu stellen.




      Eis-und-Feuer.de: Sie sind momentan viel unterwegs! Wo erreiche ich Sie gerade? Was sind Ihre aktuellen Projekte?

      TW: Im Moment bin ich in London, wo ich vor einem halben Jahr hingezogen bin. In der nächsten Zeit werde ich wieder häufiger in Berlin sein, um dort eine Komödie für Sat1 zu drehen.


      Eis-und-Feuer.de: Sie haben in deutschen Serien und Spielfilmen mitgespielt, aber auch in etlichen amerikanischen/ausländischen Produktionen: gibt es prägnante Unterschiede in der Herangehensweise/den Abläufen für Sie (abgesehen natürlich von der anderen Sprache)?

      TW: Eigentlich sind die Unterschiede gar nicht so gross, abgesehen natürlich vom jeweiligen Budget, dass auch immer bestimmt, wie hoch das tägliche Drehpensum oder z.B. die szenische Auflösung ist. Je mehr Geld da ist, desto aufwendiger kann man natürlich drehen.


      Eis-und-Feuer.de: Sie sind mehrsprachig, sprechen neben deutsch auch noch englisch, russisch, französisch und italienisch. Ich habe gelesen, dass Sie bei "GOT" einen Sprachcoach hatten. Ist das generell bei solchen Produktionen der Fall und wie muss man sich die Arbeit mit einem Sprachcoach vorstellen?

      TW: Ich habe mich immer schon wahnsinnig für Sprachen interessiert, auch schon zu Schulzeiten. Leider bin ich keine englischer Muttersprachler, deswegen habe ich natürlich von Haus aus einen Akzent, den man zwar mit viel Übung und Zeit minimieren kann, der aber immer in irgendeiner Form da sein wird. Am Anfang steht natürlich das Gespräch mit den Produzenten, da überlegt man sich, wie die Rolle angelegt sein soll und was der Akzent über die Rolle sagt.
      Im Fall von Jaqen, der ja von einer entfernten Insel kommt, war die Castingvorgabe ein "östlicher" Akzent -- ohne dass das genau definiert wurde. Im Verlauf der Drehvorbereitungen sind wir dann aber übereingekommen, meinen natürlichen Akzent beizubehalten, ohne dass dieser zu deutsch klingen sollte.
      Der Sprachcoach ist dann während des gesamten Drehs am Set und hört den Schauspielern zu und gibt Hinweise, bei welchem Wort man aufpassen muss und was man anders sagen oder betonen sollte. Das trifft auch auf die englischen Schauspieler zu --- bei denen wird dann eher darauf geachtet, dass ihre Aussprache nicht zu modern ist z.B.



      Eis-und-Feuer.de: In Deutschland werden wir dadurch verwöhnt, dass nahezu jede ausländische Produktion synchronisiert wird! Welche Einstellung haben Sie generell zur Synchronisation und welche Berührungspunkte hatten Sie damit in der Vergangenheit? Werden Sie Jaqen H'ghar auch in der deutschen Version von "GOT" sprechen?

      TW: Es gibt schon Vereinbarungen, dass ich Jaqen selbst synchronisieren kann --- da bin ich auch sehr froh drüber, denn Sprache macht ja 50% der Darstellung u Arbeit des Schauspielers aus. Deshalb habe ich auch eher ein gespaltenes Verhältnis zum Synchronisieren allgemein. Es ist natürlich klar, dass nicht jeder alles im Original anschauen und verstehen kann, aber oft geht eben beim Synchron viel von der ursprünglichen Stimmung und Interpretation der Rolle verloren, wenn ein anderer Sprecher die Rolle synchronisiert -- obwohl es viele grossartige Synchronsprecher gibt.
      Ich sehe mir aber wenn möglich immer das Original an, auch wenn es jetzt z.B. ein Film auf Japanisch ist -- ist zwar etwas anstrengender mit Untertiteln, aber dafür kann ich die komplette Darstellung der Schauspieler erleben.
      Ausserdem hat weniger Synchron den tollen Nebeneffekt, dass viele Menschen viel leichter und schneller Fremdsprachen lernen. In anderen Ländern wie Holland, Belgien, oder auch in Skandinavien wird vieles im TV im Original gezeigt und die Fremdsprachenbeherrschung da ist breitenmässig richtig gut.



      Eis-und-Feuer.de: Wie haben Sie von der Rolle erfahren? Hatten Sie vorher schon von der Serie oder den Büchern gehört?

      TW: Als ich das Castingangebot bekam, hatte ich noch nichts von den Büchern oder der ersten Staffel der Serie gehört --- das war komplett neu für mich.


      Eis-und-Feuer.de: Sie haben dann aber die ersten beiden Bücher der Reihe gelesen: beeinflußt die Vorlage Ihr Schauspiel, oder verlassen Sie sich komplett auf das Drehbuch?

      TW: Die Drehbücher bewegen sich sehr nah am Buch. Die Bücher habe ich gelesen, weil ich so viel besser in die ganze Atmosphäre eintauchen konnte.


      Eis-und-Feuer.de: Wie lief der Castingprozess ab? Wer war bei Ihrem Vorsprechen anwesend?


      TW: Mein erstes Casting war ein sogenanntes e-Casting. Das wird immer üblicher, besonders bei internationalen Produktionen. Der Schauspieler nimmt sich selbst zu Hause auf und schickt dann den Produzenten und Castern das Band oder stellt es ins Internet. Das spart Zeit und Reisekosten.
      Danach wurde ich dann eingeladen zu einem Treffen mit den Produzenten und Regisseur nach Belfast. Dort haben wir nochmal gesprochen und danach habe ich die Rolle angeboten bekommen.



      Eis-und-Feuer.de: An welchem Standorten haben Sie für die Serie gedreht und wieviel Zeit nahmen die Dreharbeiten für Sie in Anspruch? Wie lange hat es täglich gedauert, bis Sie sich in Jaqen H'ghar verhandelt haben?

      TW: Die Dreharbeiten gingen von August bis November letzten Jahres und ich hatte ca. 15 Drehtage. Mein Erzählstrang wurde komplett in Nordirland gedreht. Die tägliche Verwandlung hat ungefähr eine Stunde gedauert, wobei die meiste Zeit für die Perücke gebraucht wurde.


      Eis-und-Feuer.de: "GOT" ist eine Serie mit einem unheimlich großen Cast: mit welchen Darstellern/Darstellerinnen hatten Sie während und auch abseits der Dreharbeiten die meisten Berührungspunkte? Welchen Eindruck konnten Sie gerade von den jungen Kollegen/innen gewinnen, insbesondere natürlich Maisie Williams?

      TW: Wir sind natürlich immer nur zu unseren jeweiligen Drehtagen zum Set gekommen. Ich habe alle anderen Kollegen vor Beginn des Drehs bei Leseproben getroffen, wo wir alle Drehbücher der Staffel gemeinsam gelesen haben. Beim Dreh selbst hatte ich dann aber hauptsächlic mit Maisie zu tun. Es war richtig toll, mit ihr zu drehen -- sie hatte ein wahnsinnig grosses Drehpensum, musste nebenbei noch für die Schule arbeiten und hat das alles "mit links gemacht" -- sehr cool !


      Eis-und-Feuer.de: Jaqen H'ghar ist eine sehr undurchsichtige Figur: was halten Sie von dem Charakter? Immerhin besitzt er auch keinen Skrupel auf Zuruf ein Menschenleben auszulöschen - wie bereiten Sie sich auf so eine Rolle vor?

      TW: Vielschichtige Figuren sind das Beste, was einem als Schauspieler passieren kann. Jaqen ist jemand mit vielen Geheimnissen, das macht ihn per se interessant. Im Endeffekt versuche ich aber immer, jede Figur als Mensch zu spielen, dh, seine Motivationen zu verstehen und zu zeigen. Bei Jaqen ist natürlich besonders sein Redemuster interessant, weil er von sich immer in der dritten Person spricht und das die Gefahr der Eintönigkeit hat. Ich habe dann versucht, das so natürlich wie möglich zu sprechen und so zu tun, als ob das die einzige normale Art zu sprechen überhaupt ist.


      Eis-und-Feuer.de: Die Serie ist in Amerika und auch in UK sehr erfolgreich angelaufen: es gibt vor allen Dingen online eine riesige Fangemeinde der Bücher und der Serie, die jede kleine Newsmeldung auseinanderpflückt, lobt oder auch scharf kritisiert. Wie gehen Sie generell damit um? Setzen Sie sich damit auseinander oder machen Sie einen Bogen um die Internetlandschaft in Zusammenhang mit Ihrem Beruf?

      TW: Grundsätzlich ist es natürlich toll, wenn eine Serie so eine riesige Fangemeinde hat wie GoT. Ich bin da auch schon mehrmals ins Internet eingetaucht, besonders am Anfang, als das ganze Projekt noch neu für mich war. Man darf sich aber davon nicht zu sehr abhängig machen --- es sind ja alles nur Meinungen, und jeder darf auch gerne seine eigene haben! Und kreative Dinge sind natürlich stark geschmacksabhängig --- man kann es eben nicht allen recht machen.


      Eis-und-Feuer.de: Wahrscheinlich dürfen Sie nicht darüber sprechen, aber mich würde interessieren, wie die vertragliche Situation in so einer Serie aussieht. Unabhängig davon, was in den Büchern passiert: am Ende der 2. Staffel (bzw. des 2. Buches) verschwindet Jaqen H'ghar zwar von der Bildfläche, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass man ihm zu einem späteren Zeitpunkt erneut trifft. Gibt es da eine Art Option, die ein Sender ziehen kann, falls man Sie noch einmal besetzen möchte? Oder wäre das eine komplett neue Verhandlung mit dem Schauspieler?

      TW: Im Moment gibt es keine vertraglichen Optionen. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt und Jaqen wieder auftauchen soll, dann wird man auch einen Weg finden, bei so einer grossartigen Serie weiter mitzumachen.


      Eis-und-Feuer.de: Vielen Dank für dieses Interview und viel Erfolg bei Ihren zukünftigen Projekten!
      Ein Lannister begleicht stets seine Schulden!
      Nettes Interview. DANKE

      Tomas schrieb:

      Deshalb habe ich auch eher ein gespaltenes Verhältnis zum Synchronisieren allgemein. Es ist natürlich klar, dass nicht jeder alles im Original anschauen und verstehen kann, aber oft geht eben beim Synchron viel von der ursprünglichen Stimmung und Interpretation der Rolle verloren, wenn ein anderer Sprecher die Rolle synchronisiert -- obwohl es viele grossartige Synchronsprecher gibt.
      Ich sehe mir aber wenn möglich immer das Original an, auch wenn es jetzt z.B. ein Film auf Japanisch ist -- ist zwar etwas anstrengender mit Untertiteln, aber dafür kann ich die komplette Darstellung der Schauspieler erleben.
      Ganz meine Meinung und wenn man sich die Synchro von Game of Thrones anhört, dann bekommt man Ohrenkrebs: BRAAHN statt Bran, dafür Eddard und Jon (DSCHONN) englisch. *igitt...igitt" :monster:
      “They can keep their heaven. When I die, I’d sooner go to Middle Earth.”
      - George R.R. Martin -