Monty Python: Original vs. dt. Syncro

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      Monty Python: Original vs. dt. Syncro

      Um den anderen Thread nicht mit OffTopic zu zuschreiben auf Wunsch ein eigenes Thema

      Scotsh wrote:

      Fowl wrote:

      Noch nie "Leben des Brian" oder "Ritter der Kokosnuss" auf Englisch gesehen? Wer das in der deutschen Übersetzung nicht um Längen komischer findet, den schimpfe ich frech humorbefreit. Und das sage ich als Alle-Folgen-von-Flying-Circus-Auswendigzitierenkönner ;)
      Arg, jetzt erst gelesen.

      Da ist keiner bisher reingegrätscht?


      Das ist wohl das absurdeste was ich bisher in diesem Forum gelesen habe. Sowohl Grail als auch Brian sind im englischen Original um Klassen besser als die deutsche Übersetzung.
      Nicht falsch verstehen, die Übersetzung ist gut, umso mehr das es unglaublich schwierig ist diesen Humor ins deutsche zu transportieren.

      Die Übersetzer haben hier einfach das gemacht was im wesentlichen auch auch mit vielen Bud Spencer und Terence Hill Filmen gemacht wurde, sie haben die Filme viel alberner gemacht als sie eigentlich sind.
      Alberner ist aber nicht gleich lustiger. Beispiel gefällig? Aus "Grail":
      Als Arthus sich das erste mal bei einem Schloss vorstellt tut er das im Original ganz normal indem er seinen (sich selbst verliehenen) Titel nennt. Im Deutschen haben sie dann daraus,
      "Ich bin König Arthus, ich habe den Sachsen das Angeln beigebracht, seitdem heissen sie Angelsachsen" gemacht.
      Das ist ein ziemich billiger Kalauer wie ihn Fips Assmussen erzählen könnte und ich hab das tatsächlich auch mal lustig gefunden, aber ich bin dann halt auch irgendwann mal 15 geworden.

      Lustig ist die deutsche Version eben trotzdem, weil natürlich die Situationskomik erhalten bleibt und die Übersetzung einen gewissen Trash-Charme hat, aber echte Klasse wie das Original hat das keine.


      Fowl wrote:

      Scotsh wrote:

      Da ist keiner bisher reingegrätscht?
      Die haben halt Geschmack :D

      Nein, im Ernst: Ist natürlich eine provokante Aussage (auch wenn ich's lustig finde, dass gerade bei Monty Python ein erheblicher Teil der Original-Fetischisten einen erheblichen Teil des Original-Humors gar nicht begreifen; soll jetzt keine Kritik an dir sein), aber gerade im Grail und beim Brian sind etliche meiner Lieblingsszenen im Deutschen subjektiv lustiger bzw. im Englischen erst gar nicht vorhanden. Klar: Das mit den angelnden Sachsen ist kindisch, aber im weiteren Verlauf ("weil eine wässrige Schlampe mit dem Zepter wedelt") mag ich den Dialog im Deutschen viel lieber. Aber das sollten wir vielleicht anderswo vertiefen.


      Ich bin nicht ganz sicher wo ich weiter machen soll denn die von dir angesprochene Stelle (die übrigens in einem anderen Dialog und nicht im weiteren Dialog nach den angelnden Sachsen vorkommt) ist ziemlich wörtlich übersetzt:
      I mean, if I went around sayin' I was an empereror just because some moistened bint had lobbed a scimitar at me they'd put me away!

      Ich kann also nicht sehen wieso der Dialog hier im Deutschen humorvoller sein sollte. Aber vielleicht hast du ja noch ein anderes Beispiel?

      Vorauseilend vielleicht nochmal ein Beispiel für meine Position. Der Song vom tapferen Sir Robin!

      Hier im Original:
      youtube.com/watch?v=ud7YNNA0Mwo

      und hier auf deutsch:
      youtube.com/watch?v=sPV5L8GdqSs

      Nochmal, ich möchte nicht die Syncro kritisieren, ich finde das ist hier gut gelöst worden. Es wurde nicht versucht krampfhaft einen deutschen Text draufzuklatschen sondern man hat das Lied im Original belassen und auf deutsch nen Erzähler der was witziges (aber sinnentstellendes) sagt drübergelegt.
      Der Punkt ist das du aber gesagt hast es wäre in der Syncro "um Längen komischer" und wer anderer Meinung ist wäre "humorbefreit". Ich finde dagegen das Originallied wesentlich lustiger als das "kaputte Wanderradio".


      Insgesamt muss man sagen das weite Teile von "Grail" und "Brian" sehr wörtlich übersetzt wurden, was im allgemeinen auch sehr gut klappt. Aber natürlich bleibt dabei (eigentlich unvermeidbar) einiges auf der Strecke was sich über Eigenheiten der (alten) englischen Sprache lustig macht (siehe zB "Die Heilige Handgranate" und das "Shrubbery").

      Post was edited 2 times, last by “Scotsh” ().

      Bei dem speziellen Beispiel find ich das Original auch besser. Es ist einfach viel amüsanter, wenn wahlweise Heldenmut oder Feigheit auf so vielfältige Weise "besungen" werden. Und da hätte man mMn auch gern versuchen können, das ähnlich eloquent auf deutsch zusammenzudichten. Denn Eloquenz ist schließlich einer der Eckpfeiler des Monty-Python-Humors.
      Außerdem geht bei der deutschen Fassung völlig verloren, wie abschreckend das Heldenlied auf Sir Robin wirkt. Sein Sänger macht ihm erst mal so richtig Angst und als sie dann vor dem dreiköpfigen Riesen stehen, ist Sir Robins Durst nach Heldentaten merklich abgeklungen. ^^
      Diese reichlich alberne ständige Bezugnahme auf die Jetztzeit (Wanderradio) ist aber glaub ich grundsätzlich ein Problem der deutschen Syncho bei den Rittern der Kokosnuss, oder?
      Ist das nicht sogar generell typisch für Snychros aus der Zeit? Da klang doch vieles plötzlich wie aus einem Supernasen-Film.
      Die Nackte Kanone war im Original zB auch weniger mit verbalen Kalauern durchsetzt als auf deutsch.
      Und bei den Terrence-Hill-Filmen möchte ich auch drauf wetten, dass unsere Fassung so ziemlich die albernste und kindischste ist.

      RE: Monty Python: Original vs. dt. Syncro

      Der Punkt ist das du aber gesagt hast es wäre in der Syncro "um Längen komischer" und wer anderer Meinung ist wäre "humorbefreit".
      Vorneweg ein Disclaimer: Das war natürlich ein bewusst überspitzter (kenntlich gemacht per Zwinker-Smiley) Einschub in Bezug auf die Aussage, dass eine Übersetzung a priori nicht besser sein könne als das Original.
      Aber vielleicht hast du ja noch ein anderes Beispiel?
      Ich mag' die "wässrige Schlampe" zwar lieber als die "feuchte Hure", aber sei's drum, ich hatte ja sowieso die Szene verwechselt. Doch, ich hab' ein anderes Beispiel, nämlich den Dialog zwischen Lancelot und dem Burgherren, nachdem Lancelot ein Massaker unter den Hochzeitsgästen angerichtet hat. Zum Beispiel:

      "Ihr habt den Brautvater getötet, wisst ihr das?"
      "Och, das fällt doch gar nicht auf."
      "Das fällt auf. Ihr habt ihm das Schwert mitten durch den Kopf gestoßen."
      "Und wie geht's ihm?"

      Im Deutschen hab' ich an dieser Stelle buchstäblich Tränen gelacht - im Englischen hingegen bloß gegrinst, weil ich die Reaktion Lancelots ("I didn't mean to") im Vergleich ziemlich lahm finde; und das abschließende "Is he allright?" längst nicht so deadpan (gibt's dafür eigentlich einen deutschen Ausdruck?)

      Anderes Beispiel aus diesem Dialog:

      "Verzeiht, ich dachte euer Sohn wär' eine Lady."
      "Ja, das denk' ich auch manchmal."

      In meinen Augen um Welten besser (und bei mir und meinem ebenso Python-philen Kumpel längst im One-Liner-Wortschatz) als das englische "I can understand that".

      Oder noch ein Beispiel aus einer anderen Szene (Karnickel):

      "Da ist das Untier!"
      "Wo ... hinter dem Karnickel?"
      "Es ist das Karnickel."
      ... "Du dummes Arschloch!"

      Ja, da kann man legitimerweise natürlich argumentieren, dass die Übersetzung einen ganz anderen Ton wählt als das Original ("You silly sod!"), aber genau das erscheint mir an dieser Stelle viel passender, weil es noch perfekter illustriert, wie die ganze Bande gerade völlig den Respekt vor diesem Zauberer verliert, den sie eine Minute vorher noch für einen weisen Mann hielt.
      Aber natürlich bleibt dabei (eigentlich unvermeidbar) einiges auf der Strecke was sich über Eigenheiten der (alten) englischen Sprache lustig macht (siehe zB "Die Heilige Handgranate" und das "Shrubbery").
      Natürlich bleibt ein gewisser Sprachwitz notwendigerweise auf der Strecke. Was allerdings auch auf der Strecke bleibt sind etliche, für den gemeinen Nicht-Briten mithin unverständliche Anspielungen auf soziologische und/oder politische Nuancen im Großbritannien der 70er. So zeitlos der Python-Humor zweifellos ist, so viele Kalauer verrecken (beim Grail ist das weniger ein Problem, bei Brian oder den Sketchen bzw. der Wunderbaren Welt der Schwerkraft durchaus) zwangsläufig dadurch, dass einem 40 Jahre später die Perspektive fehlt.

      RE: RE: Monty Python: Original vs. dt. Syncro

      Fowl wrote:

      Der Punkt ist das du aber gesagt hast es wäre in der Syncro "um Längen komischer" und wer anderer Meinung ist wäre "humorbefreit".
      Vorneweg ein Disclaimer: Das war natürlich ein bewusst überspitzter (kenntlich gemacht per Zwinker-Smiley) Einschub in Bezug auf die Aussage, dass eine Übersetzung a priori nicht besser sein könne als das Original.

      Doch, das würde ich auch so unterschreiben, vielleicht noch mit dem Zusatz eine sinngetreue Übersetzung (im Gegensatz zu einer Reinterpretation) nicht besser sein kann als ein Original. Aber dazu am Ende des Postings mehr.


      Deine Beispiele finde extrem subjektiv gewählt, die einzige minimale inhaltliche Abweichung ist die Zeile mit dem Brautvater ("Och, das fällt doch gar nicht auf"), ich kann da jetzt nicht entscheiden ob das eine oder andere lustiger ist, das passt grob beides. Wenn ich auch sagen muss das für mich die Originalversion ("Well, I really didn't mean to...") sinngemäß besser passt, denn Lancelot ist hier eben peinlich berührt, ob der Tatsache das er keine zu rettende Jungfrau vorgefunden hat, anstatt seine Taten runterzuspielen (dt. Version).

      Das du mit einem Freund den für mich relativ normalen Satz, "Ja, das denk' ich auch manchmal" (hab ich sicher auch schon öfter verwendet ohne an die Szene gedacht zu haben), als Insiderwitz verwendest ist ebenfalls höchst subjektiv und ob das im deutschen derbere "Arschloch" jetzt lustiger ist als der "silly sod" wage ich auch zu bezeifeln. Hier gibts halt nen kulturellen Unterschied wie man sie so beschimpft auf der Insel und bei uns, so gesehen ist es gut übersetzt, aber nicht besser.

      Natürlich bleibt ein gewisser Sprachwitz notwendigerweise auf der Strecke. Was allerdings auch auf der Strecke bleibt sind etliche, für den gemeinen Nicht-Briten mithin unverständliche Anspielungen auf soziologische und/oder politische Nuancen im Großbritannien der 70er. So zeitlos der Python-Humor zweifellos ist, so viele Kalauer verrecken (beim Grail ist das weniger ein Problem, bei Brian oder den Sketchen bzw. der Wunderbaren Welt der Schwerkraft durchaus) zwangsläufig dadurch, dass einem 40 Jahre später die Perspektive fehlt.


      Diese Anspielungen dann aber (zwangsläufig) wegzulassen macht es aber eben nicht lustiger oder besser. Es mag nicht jeder verstehen, aber viele eben doch und für die ist das dann klar besser.


      Ich verstehe im Grunde was du sagen willst, nur sind die erwähnten Monty Python Filme aus meiner Sicht in keinster Weise geeignet. Die Übersetzung ist sehr nah am Original, Schwierigkeiten teilweise passabel gelöst, aber einige Abweichungen dafür miserabel (angelnde Sachsen).
      Wenn du Beispiele suchst in denen die Übersetzung/Syncro besser (bzw. ein größerer Erfolg) als das Original sind ist da das klassische Beispiel die Serie "Die Zwei". Im englischsprachigen Raum absolut erfolglos war die Serie in Deutschland sehr beliebt weil durch die Syncro aus einer schlechten ernsthaften Serie eine trashige mit Kalauern und Dialekten durchzogene Serie gemacht wurde. Daher auch mein Einwurf zu Beginn des Postings. Nachdem ich jetzt weder alt genug bin noch interessiert an der Serie kenn ich jetzt "Die Zwei" abgesehen von ein paar typischen Beispielen nicht näher.
      Vergleichbar sind aber für mich zB die "Nobody"-Filme mit Terence Hill, die ich auch deutlich besser kenne. Während der erste "Mein Name ist Nobody" im Original in meinen Augen eine etwas verunglückte Mixtur aus Italo-Western und Komödie ist hat es die Syncro geschafft den Schwerpunkt mehr auf den Komödienteil zu legen (indem alles etwas alberner wurde). Das ganze war so erfolgreich das der zweite Teil "Nobody ist der Größte" schon im Original eher als Komödie ausgelegt wurde (was dann, abgesehen von einigen großartigen Szenen, aus anderen Gründen baden ging).

      RE: RE: RE: Monty Python: Original vs. dt. Syncro

      Deine Beispiele finde extrem subjektiv gewählt
      Na freilich sind die subjektiv - es ist Humor. Soll ja auch Leute geben, die "American Pie" lustig finden ... oder Mario Barth, was das betrifft. Die Frage lautete: Warum findest du die Übersetzung besser? Die einfache Antwort lautet: Weil ich sie - trotz Englisch-Studium und akuter Anglophonie - erheblich komischer finde. Das ist mithin der Zweck von Humor: mich zum Lachen zu bewegen.
      Es mag nicht jeder verstehen, aber viele eben doch und für die ist das dann klar besser.
      Ich würde im Falle von Monty Python behaupten (ohne das in irgendeiner Form elitär zu meinen), dass der überwältigende Teil der deutschen Zuschauer - Sprachkenntnisse hin oder her - sie überhaupt nicht versteht. Und auch mit normalen Mitteln gar nicht verstehen kann. Dass Monty Python in Deutschland Kult-Status genießt, liegt ganz elementar an den albernen Klamauk-Elementen
      Wenn du Beispiele suchst in denen die Übersetzung/Syncro besser (bzw. ein größerer Erfolg) als das Original sind ...
      Wenn ich nach sachlichen, "beweisbaren" Beispielen gesucht hätte, dann wären mir durchaus auch welche eingefallen. Allerdings wollte ich mit dem Satz des Anstoßes gar keine große Diskussion vom Zaun brechen, sondern augenzwinkernd und bewusst übertrieben zum Ausdruck bringen, dass "Original = per Definition besser" verflixt dünnes Eis ist ;)

      Fowl wrote:

      und das abschließende "Is he allright?" längst nicht so deadpan (gibt's dafür eigentlich einen deutschen Ausdruck?)

      auf deutsch sicherlich: "Geht es ihm gut?"
      Ich find das Original übrigens mindestens ebenso gelungen wie die Übersetzung, ist mMn auch nicht weniger "deadpan".

      Fowl wrote:

      "Verzeiht, ich dachte euer Sohn wär' eine Lady."
      "Ja, das denk' ich auch manchmal."

      In meinen Augen um Welten besser (und bei mir und meinem ebenso Python-philen Kumpel längst im One-Liner-Wortschatz) als das englische "I can understand that".

      Hier find ich das Original besser. Statt dass der Witz wie im Deutschen übererklärt wird, wird nur ganz trocken angedeutet, dass der Gedanke nicht abwegig ist, ihn für eine Frau zu halten.

      Keaton wrote:

      Hier find ich das Original besser. Statt dass der Witz wie im Deutschen übererklärt wird, wird nur ganz trocken angedeutet, dass der Gedanke nicht abwegig ist, ihn für eine Frau zu halten.
      Du, ich hab' nicht wirklich ein Interesse daran, über Humor zu streiten. Wenn du das Original lustiger findest (oder American Pie oder Mario Barth), dann schimpfe ich dich ganz frech humorbefreit. Steht doch schon im Eingangssatz ;)
      American Pie find ich in der Tat lustig. Ist mir natürlich klar, dass das kein sonderlich intelligenter Humor ist. Meinen Lachmuskeln ist das aber egal.
      Bei Mario Barth dagegen regt sich bei mir nichts. Der Hampelmann ist mir dermaßen egal, das glaubst du gar nicht.
      Liegt auch ein wenig daran, dass ich Geschlechterkriegswitzchen nicht sonderlich mag.
      Ich find es allerdings ... befremdlich, dass du meinen Verweis auf die dezentere Art des Originalgags gegenüber der Synchro als Hinweis darauf nimmst, dass mir Barths Vorschlaghammer-Humor irgendwie gefallen könnte. :huh: