Identifikation mit Charakter

      Natürlich hast du damit im Grunde Recht, nur verstehe ich eben nicht, warum die Regisseure dann ausgerechnet nach Joffreys Tod einen Charakter erfinden, der ähnlich unsympathisch beim Zuschauer ankommt. Oder haben die damit gerechnet, dass die nicht so reagieren, wenn dieser Charakter einen der sympathischsten Hauptcharaktere abmetzelt?



      Weil D&D eben - explizite Beleidigungen- sind.
      Sie haben schon Joffrey - im Gegensatz zum Buch - recht unattraktiv und mit einem dicken Kick Me an die Stirn gepappt gecastet, damit beim Zuschauer ja keine Verwirrung aufkommt, dass er einer der ganz Bösen ist. Olly ist unsympathisch, damit der olle Jon der Gute bleiben kann. Wobei man aus meiner Perspektive trotzdem sehr gut Mitgefühl mit ihm haben darf - ich gehe nur nicht davon aus, dass das von den Produzenten so beabsichtigt war.
      Aber GRRM macht den Fehler ja auch an größeren oder kleineren Stellen - ich sage ja, wenn die Maegi hübsch, jung und sympathisch gewesen wäre, wäre Dany die Böse.
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.
      Weshalb Olly so unsympathisch gewesen sein soll, kann ich nicht nachempfinden. Dass er mürrisch dreinschaut und keine Feste zelebriert, nachdem seine gesamte Familie sowie seine Freunde und Bekannten einem brutalen Wildlingsüberfall zum Opfer gefallen sind, versteht sich von selbst. Meines Erachtens hat er sich bis zur Ermordung von Jon nichts zuschulden kommen lassen. Die Tötung von Ygritte war gerechtfertigt, da sie aus einem akuten Notstand heraus erfolgte.

      Dass Olly eine Allianz mit den Wildlingen ablehnte, ist aus seiner subjektiven Perspektive (traumatische Erlebnisse mit Wildlingen, fehlende Weitsicht aufgrund des jugendlichen Alters) absolut nachvollziehbar und weckt keine Aversionen in mir.

      Meine Aussagen beziehen sich ausschließlich auf den Serien-Olly, da es in dieser Rubrik auch nur um die Seriencharaktere geht.

      Daenerys I schrieb:

      Meine Aussagen beziehen sich ausschließlich auf den Serien-Olly, da es in dieser Rubrik auch nur um die Seriencharaktere geht.
      Einen Buch-Olly wirst du auch nirgends finden. Der ist eine reine D&D-Erfindung.
      "You retreat into the walls of your civilization because you are too weak to stand before nature as part of the natural environment. Instead of living as partner to nature, man hides behind his civilization, curses and defies true life, distorts his environment to accommodate his own failings. Beware that your environment does not strike back from all your blasphemies, for that day mankind shall be snuffed out like the unnatural freak man is!"
      "Two Suns Setting", Karl Edward Wagner

      Daenerys I schrieb:

      nicht allzu lange währenden Stubenarrest


      Nunja, ich kann wenn man immer noch das Telltale Videospiel hinzuzieht - dass eng in die Serie verwoben ist und mit dem Serienkanon vereinbar ist - sieht man durchaus, wie Bestrafung funktionieren kann, wie ich ein paar Seiten vorher schon argumentiert habe. Denn die Tötung aus Notwehr von dort auf Britt durch Gared wird dort auch nicht milde geahndet. Allerdings muss man beim Angriff von Jon auf Thorn wohl auch davon ausgehen, dass dieser definitiv von Thorn provoziert war wohl ebenso leicht wie bei der Britt-Gared-Situation. Zum Stubenarrest muss man noch hinzuziehen, dass Jon dem Lord Kommandanten durch eine "glückliche Fügung" besser durch Geist, der Wiedergänger erschnüffeln kann, dem Lord Kommandanten das Leben rettet.

      Dass Olly so stark in die Handlung einbezogen wurde, haben wir Dave Hill zu verdanken. Der stieg nach dem Einfall Ygritte von Olly erschießen zu lassen, vom Assistenten danach zu einem der Schreiber auf. Andererseits ist er auch derjenige, der uns neben Cogman ein wenig Lore näher bringt.

      Ich kann im Übrigen auch nur Unverständnis für jene aufbringen, welche die Schauspieler nicht von ihren Rollen unterscheiden können. Genauso wenig wie ich den Hate gegen Ed Sheeran nicht verstanden habe, da es nicht die Idee des Musikers sonder die von D&D war.
      »Die Wälder sind voller wilder Tiere«, erinnerte er seinen Vater. »Die Straßen der Städte auch.« (Sturm der Schwerter, Tyrion I)

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „Aki-chan“ ()

      Ich kann im Übrigen auch nur Unverständnis für jene aufbringen, welche die Schauspieler nicht von ihren Rollen unterscheiden können.


      Ich habe ein bisschen recherchiert, weil mir das doch etwas arg abstrus vorkam - tatsächlich scheint außer D&Ds Andeutungen, dass sie sich um Gleeson Sorgen machen würden, nichts dran zu sein - und das muss man ihrerseits dann fast für eine Art PR-Coup halten.
      Gleeson selbst hat gesagt, es hätte ihn abgesehen von Scherzen niemand belästigt, dafür wird er wohl im Gegenteil auf der Straße regelmäßig darauf angesprochen ob es ihm auch wirklich gut geht und niemand gemein zu ihm war. Der Ausstieg aus der Branche scheint ganz andere Gründe gehabt zu haben. Entsprechend würde ich mir auch um den Original-Olly keine Sorgen machen. Scheint wieder mal etwas Click&Bait-Hysterie und heiße Luft zu sein.
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      Der Olly-Darsteller hat aber wohl tatsächlich darüber berichtet, dass er Hass-Posts auf FB bekommen hat und sogar gedroht wurde, seine Familie gleich mit umzubringen. Allerdings lacht er das weg und nimmt es locker.
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      Ich denke da wird es sich hauptsächlich um gezieltes Getrolle handeln, nicht um Personen die beide Persönlichkeiten tatsächlich verwechseln. Was die Sache natürlich trotzdem sehr oll macht, dann aber letzten Endes aus einer anderen Ecke kommt. Nicht zwangsweise der des fanatischen Jon-Fans.
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      Denn die Tötung aus Notwehr von dort auf Britt durch Gared wird dort auch nicht milde geahndet. Allerdings muss man beim Angriff von Jon auf Thorn wohl auch davon ausgehen, dass dieser definitiv von Thorn provoziert war wohl ebenso leicht wie bei der Britt-Gared-Situation.


      Deine Ausführungen bestätigen meine Aussage, dass die Lordkommandanten der Nachtwache einen recht großen Spielraum hinsichtlich der Ahndung regelwidrigen Verhaltens haben. Der Eine bekommt für ein versuchtes Tötungsdelikt aufgrund einer Provokation z. B. lediglich einen kurzfristigen Stubenarrest, während ein Anderer für eine Tötung aus Notwehr exekutiert werden soll. Da kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, dass für die Strafzumessungen insbesondere die Willkür der Lordkommandanten von elementarer Bedeutung ist.

      q.e.d.
      Das ist doch gar nicht der Punkt. Als Befehlshaber kann Jon Olli auch ein Einhorn schenken und ihn darauf in den Sonnenuntergang reiten lassen. Die Ausgangsfrage war doch, ob der soziokulturelle Kontext, in dem sich die Charaktere bewegen, in Ollis Fall eine Begnadigung hergibt. Und das ist nicht der Fall.
      Wer in meinen Beiträgen nicht funktionierende Links findet, kann mich auf meiner Pinnwand darauf hinweisen.
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      "We all swore oaths." - Arthur Dayne

      "There are ghosts everywhere. We carry them with us wherever we go." - Jorah Mormont
      Als Befehlshaber kann Jon Olli auch ein Einhorn schenken und ihn darauf in den Sonnenuntergang reiten lassen.


      ... oder ihm fürs Erste einfach sein Leben überlassen und ihn milder bestrafen.

      Und das ist nicht der Fall.


      Wegen? Wer oder was sollte gerade in Ollys Fall die Willkür des Lordkommandanten konkret begrenzen?

      Seit Langem schon stellt sich der Jon
      Im Norden finst'ren Mächten,
      Schon oft war er in der Funktion
      Allein in stillen Nächten.

      Dann traf er eine Wildlingsfrau,
      Die sich nach ihm verzehrte,
      Für ihn war sie das Licht im Grau,
      Dass er auch sie begehrte.

      Doch dunkler Nebel hüllte sich,
      Alsbald um ihre Liebe.
      Und schließlich - unabänderlich -
      Zerbrach die Perspektive.

      Nach langem Leiden trat jedoch,
      Daenerys in sein Leben.
      Und seither können sie auch noch
      Sich tiefe Liebe geben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Daenerys I“ ()

      Ich will dich sicherlich nicht persönlich angreifen, aber langsam gehen mir die Ideen aus, wie ich dir den entscheidenden Punkt begreiflich machen kann.

      Es geht nicht darum, ob Jon rechtlich in der Lage ist, Olli zu begnadigen. Ja, wäre er. Aber in der Welt von Westeros sind Einhorn und Begnadigung in diesem Fall einfach gleich abwegig. Man kann von Jon nicht erwarten, neue Maßstäbe bei der Rechtsprechung einzuführen, die seiner eigenen Sozialisierung zuwiderlaufen.
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