Dies und Das ...

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      Danke für eure Antworten. Ich kann das gut nachvollziehen, dass es sich nicht lohnt, mir irgendwas an Infomaterial mitzugeben, und verstehe grundsätzlich auch, warum die Organisationen auf derartige Überzeugungstaktiken setzen. Ich unterstütze auch schon zwei, drei Sachen mit so einem monatlichen Betrag, aber irgendwie habe ich trotzdem ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht auch noch dies oder das unterstütze. Fühle da auch immer so einen Rechtfertigungsdruck gegenüber den Personen, die da so engagiert unterwegs sind. Vielleicht ist das einfach eine Sache, wo ich noch mehr Lebenszeit brauche, um mich in diesen Situation wohler zu fühlen.
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      "We all swore oaths." - Arthur Dayne

      "There are ghosts everywhere. We carry them with us wherever we go." - Jorah Mormont
      Also ich habe auf diese Weise so für anderthalb Jahre für WWF gespendet und hatte einigen Stress irgendwelche Zeitungsabos zu kündigen, die ich nicht wollte. Ich konnte auch nie nein sagen und einmal hat mich einer vom WWF dann doch überzeugen können, weil ich mir gedacht habe, eigentlich mag ich doch die Tiere und irgendwas für deren Schutz werden die schon machen und da kannst du auch was machen. Ich habe es aber dann aufgrund meiner finanziellen Situation gekündigt nach den anderthalb Jahren. Mittlerweile laufe ich an solchen Leuten auch demonstrativ vorbei und lasse mir noch nicht einmal Flyer in die Hand drücken (das ist gerade in Frankfurt am Zeil obernervig).
      Grundsätzlich denke ich, dass so etwas schon gut überlegt sein sollte und ich mich lieber mit der Organisation oder Vereinigung auseinandersetze, bevor ich da einfach Geld hinspende.

      Ser Arthur Dayne wrote:

      Fühle da auch immer so einen Rechtfertigungsdruck gegenüber den Personen, die da so engagiert unterwegs sind. Vielleicht ist das einfach eine Sache, wo ich noch mehr Lebenszeit brauche, um mich in diesen Situation wohler zu fühlen.


      Das klingt ein bisschen, als würden wir dich zur Abstumpfung ermuntern. Das ist aber definitiv nicht der Fall. Denn wenn man die Angelegenheit logisch auseinandernimmt, kommt man tatsächlich kaum am Schluss vorbei, dass man sich auf das Lebensnotwendigste beschränken müsste, um mit dem Überschuss Anderen das Überleben zu ermöglichen. Hätten wir die Weltsituation stets präsent vor Augen, würde wohl niemand von uns ein Kleinkind zu Gunsten überteuerter Kino-Karten in einen Abgrund fallen lassen.
      Die Überlegung ist für mich allerdings dann eher eine philosophische als ein Alltagsproblem und eine Frage dessen, am richtigen Punkt Frieden mit der eigenen Menschlichkeit zu finden.

      Diese Auseinandersetzung ist allerdings eine zwischen Dir und Dir und geht auch den allerfreundlichsten Vertreter nichts an.
      I have been despised by better men than you.
      Bei allem lobenswerten Willen zu helfen, sollte man sich aber auch gründlich über die entsprechenden Organisationen informieren. Gerade unter den großen Organisationen gibt es schwarze Schafe, die ein Geschäftsmodell der eigenen Bereicherung mit dem Deckmantel der Wohltätigkeit verfolgen. PETA ist da natürlich an erster Stelle zu nennen, aber auch der WWF steht (eher aus anderen Gründen) gerade bekanntlich massiv in der Kritik.
      Ganz generell gesprochen finde ich den Willen Missstände zu beheben äußerst ehrwürdig, sehe da aber eher die Politik in der Verantwortung, da die Missstände auf der Welt meiner Meinung nach vornehmlich aus unserem System des Kapitalismus resultieren (und sekundär aus der Überbevölkerung der Welt, wo ich aber keinen ethisch gangbaren Lösungsansatz sehe). Dort kann meiner Meinung nach nicht die nachhaltige Lösung sein die schrecklichen Folgen eines fundamental fehlerhaften Systems durch privates Engagement abzulindern, sondern das System muss grundlegend überkommen werden. Sonst behandelt man die Symptome statt der Ursachen. Zugegeben ein Unterfangen was unmöglich erscheint.
      Das Spannungsfeld zwischen individueller Verantwortlichkeit und Beiseiteschieben des Problems an eine höhere Verantwortungsebene bleibt für mich aber bestehen, wie folgendes Beispiel verdeutlichen soll.

      Im Urlaub letztens traf ich in Lissabon am Bahnhof einen Mann der mich lang und breit (auf Englisch) beredet hat (ich hatte wohl "Tourist" auf der Stirn stehen), dass er Geld brauche um seiner 6-köpfigen Familie Milch zu kaufen. Sie hätten einen langen harten Weg aus Somalia hinter sich etc. und er brauche nur noch 80 Cent. Er schmeichelte mir ich sei der netteste Mann überhaupt, weil ich ihm wenigstens zuhörte, während die anderen ihn verachteten. Ich gab ihm einen Euro für den er sich zutiefst bedankte. Ich war (wie immer) überaus skeptisch und lasse mich von Bettler aufgrund meines Misstrauens eigentlich nicht bereden, dachte mir aber, dass ihm der Euro weitaus mehr nutzen würde, wenn er die Wahrheit sprach als mir der Verlust dieses minimalen Betrages wehtut. Kurz darauf sah ich den gleichen Mann aber aus einem Bahnhofskiosk mit einer neuen Packung Zigaretten kommen, weshalb ich mich über mich selbst aufregte. Ich war wohl ungewohnt naiv, wenngleich ich es als überaus hartherzig und unchristlich empfinden würde, diesem Mann bei unmittlebaren Kontakt nicht zu helfen, wenn er die Wahrheit gesagt hätte. Das Problem ist aber wohl, dass man das in vielen Fällen nicht so leicht feststellen kann. Solche Situationen bleiben für mich Dilemmata auch wenn man aufgrund der vielen Missstände in der Welt nahezu abgestumpft ist und ich wie oben erwähnt die Hauptverantwortung für mich nicht beim Individuum liegen kann, aber dennoch eine gewisse individuelle Verantwortlichkeit gegeben sein muss.
      "Not every man has it in him to be Prince Aemon the Dragonknight." -Wyman Manderly

      Ceterum censeo Casimirem esse delendum.
      @SerArthurDayne Im Großen und Ganzen kann ich meinen Vorrednern nur beipflichten.
      Sage Dir doch selbst, dass Du nicht die ganze Welt retten kannst. Ich habe Dich so verstanden, dass Du bereits regelmäßig Beiträge leistest. Das kann man doch auch drängeligen Leuten auf der Straße sagen. Es geht eben nicht alles. Und wenn jeder ein bisschen machte, sähe die Welt schon anders aus. Das Problem bist ja nicht Du, der sich einen Kopf macht, das Problem sind all die Leute, die nur auf sich fixiert und denen andere egal sind.

      @TheDragonknight Und die Leute, die Geld für Milch, Essen oder sonst was haben wollen, reagieren oft pampig, wenn man ihnen kein Geld geben, sondern diese Dinge kaufen und geben will....

      The Dragonknight wrote:

      Ich war (wie immer) überaus skeptisch und lasse mich von Bettler aufgrund meines Misstrauens eigentlich nicht bereden, dachte mir aber, dass ihm der Euro weitaus mehr nutzen würde, wenn er die Wahrheit sprach als mir der Verlust dieses minimalen Betrages wehtut. Kurz darauf sah ich den gleichen Mann aber aus einem Bahnhofskiosk mit einer neuen Packung Zigaretten kommen, weshalb ich mich über mich selbst aufregte.


      Na ja, selbst wenn seine Geschichte nicht ins kleinste Detail gestimmt haben sollte und sein Verhalten verwerflich ist, möglicherweise stiftet der Euro auch in Zigaretten ihm mehr Nutzen als dir. Mir ist es, wenn ich Bettlern Geld gebe eigentlich relativ egal, ob sie sich Alkohol oder sonst was davon kaufen. Selbst als Student kann ich einen Euro verschmerzen und einem Obdachlosen (oder wie auch immer sehr armen Menschen mit oft üblem Hintergrund) muss man nicht vorhalten, wenn es ihm mit Bier oder auch Schnaps besser geht als ohne.

      Allerdings bin ich bei sowas im Ausland auch recht vorsichtig. Gerade in den Urlaubsregionen führt das oft zu Bedrängnis, andere kommen dann und werden gegenüber Touristen aggressiv, damit habe ich noch als naiver Schüler eine recht unschöne Erfahrung gemacht.

      Ebenso wie in deinem individuellen Beispiel muss man sich meiner Meinung nach auch nicht grämen, wenn es bei Organisationen schon mal zu Skandalen und Veruntreuungen kommt. Sowas ist immer eine Gratwanderung und man kann sich schnell reinsteigern. Auf meiner ehemaligen Dienststelle aus dem FSJ gab es schon mal massive Beschwerden von einigen zahlenden Mitgliedern, weil ein Fahrzeug für den Privatumzug eines Ehrenamtlers zweckentfremdet wurde und ein Foto davon kursierte. Wenn man den Hintergrund kennt und weiß, dass sich entsprechende Person seit Jahrzehnten unentgeltlich den Arsch für die Organisation und unzählige gemeinnützige Zwecke aufgerissen hat, dann wirkt das nicht mehr wie ein Skandal. Trotzdem werden seitdem keine Fahrzeuge mehr für solche Zwecke vergeben (was vorher natürlich auch nur in absoluten Ausnahmen, wie der Genannten, passiert ist).

      Allerdings gibt es natürlich Organisationen (wie PETA), die in meinen Augen grundsätzlich keine sinnvollen Zwecke verfolgen oder grundsätzlich fragwürdige Methoden anwenden.
      Mir ist es, wenn ich Bettlern Geld gebe eigentlich relativ egal, ob sie sich Alkohol oder sonst was davon kaufen.


      Dito.
      Es schreckt mich allgemein sehr ab, wenn man mir im öffentlichen Raum laut oder fordernd begegnet, egal ob es sich um eine Bitte um Geld oder einen Verkaufsversuch auf dem Markt handelt. Wenn ich mich aber trotzdem darauf einlasse jemandem einen Geldbetrag zu überlassen, erachte ich ihn als Geschenk und maße mir nicht an über den Verwendungszweck zu urteilen.
      Kalter Alkoholentzug ist lebensgefährlich, Raucher bin ich selbst und im Leben mehr Erfolg - oder auch nur Glück gehabt zu haben als andere macht mich nicht zu ihrem Lebensvorgesetzten. Auf Zigaretten werde ich auf Reisen übrigens recht oft angesprochen und schenke immer kommentar- und bedingungslos eine her, sofern der Bittsteller erwachsen ist.

      Allerdings gibt es natürlich Organisationen (wie PETA), die in meinen Augen grundsätzlich keine sinnvollen Zwecke verfolgen oder grundsätzlich fragwürdige Methoden anwenden.


      Auch da dito.
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      Maegwin wrote:

      Wenn ich mich aber trotzdem darauf einlasse jemandem einen Geldbetrag zu überlassen, erachte ich ihn als Geschenk und maße mir nicht an über den Verwendungszweck zu urteilen.

      Das Betteln ist ohnehin ein Akt mit starkem sozialen Gefälle. Der eine ist Bittsteller, der andere Gönner. So ist die ganze Situation für den Bettler ohnehin schon in gewisser Weise entwürdigend. Dass in einem reichen Land wie Deutschland (oder sogar auch Portugal) Menschen unfreiwillig auf der Straße Leben müssen oder auf die Gönnerhaftigkeit von Privatpersonen angewiesen sind, ist ohnehin schon grotesk.
      Wenn ich mich dann aber aufgrund eines vorgetäuschten Umstandes - und in diesem Fall nicht intrinsisch - motiviert dazu entschließe das Geld für die Lösung eines konkreten Problems zu geben, ist dieses Geld für mich ja sozusagen zweckgebunden. Bzw. wenn der ursprünglich vorgetäuschte Umstand, der mich überhaupt erst zur Schenkung veranlasst hat gar nicht existent ist, darf ich mir schon verarscht vorkommen, wenn die Person stattdessen direkt zum Kippenverkäufer marschiert.
      Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass wenn er für nen Euro für Kippen gefragt hätte ich ihm den ja wohl auch nicht gegeben hätte, von daher ist diese Masche aus seiner Sicht verständlich.

      Stichwort gemeinnützige Organisation: An dieser Stelle ist für mich übrigens eine gute Gelegenheit auf ecosia.org hinzuweisen. Das ist eine werbefinanzierte Suchmaschine, die mit ihren Einnahmen Bäume pflanzt. Ich finde die Idee an sich gut, da die Werte ja einfach durch Benutzung geschaffen werden und jeder täglich mehrmals eine Suchmaschine benutzen dürfte. Ich benutze sie mittlerweile schon seit Jahren. Die Suchergebnisse kommen von Yahoo und tatsächlich finde ich die Ergebnisse von Google zwar besser, eine Umstellung der Suchergebnisse kostet mich aber nur zwei Klicks (unter "Mehr" -> Google) je Suche. Ecosia gibt es auch als Browser-add-on. Adblocker für die Seite natürlich deaktivieren.
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      Ceterum censeo Casimirem esse delendum.
      Die Position von The Dragonknight ähnelt sehr stark meiner eigenen. Ultimativ kann und sollte es nicht Aufgabe des fortschrittlich denkenden Bürgers sein ein System zu erhalten, indem die Produktion nicht in erster Linie an den Bedürfnissen des Menschen ausgerichtet ist und durch wohlmeinendes, aber fehlgeleitetes privates Engagement das Bestehende noch zu legitimieren und Rückfälle in vormoderne Strukturen (siehe Abschleifung des Sozialstaats) mitzutragen.

      Würde man mir in diesem Zusammenhang vorwerfen „hart und unchristlich“ zu sein, weil ich mich weigere für eine aus meiner Perspektive unsinnige (d.h. die bestehenden Verhältnisse legitimierende) Sache zu spenden, so würde ich mit einem Zitat antworten, das dem katholischen Priester und Befreiungstheologen Camilo Torres Restrepo zugeschrieben wird:

      Every Christian who is not a revolutionary lives in mortal sin.


      Da der Drachenritter dies anspricht: Die „gewisse individuelle Verantwortlichkeit“ des lohnabhängig beschäftigten Bürgers besteht meiner Überzeugung nach darin, stets gut informiert zu sein (was natürlich nicht immer einfach ist) sowie in der großflächigen Solidarisierung mit seinen Klassengenossen (und ja, dazu gehören auch sozial Schwächere wie die im Niedriglohnsektor) und für eine Verbesserung der materiellen Lebensverhältnisse zu streiten, sodass dann darauf aufbauend die vielbeschworene weltweite Solidarität erreicht werden kann (und auch muss), mit der letztendlichen Konsequenz, dass durch Änderung der Produktions – und Gesellschaftsverhältnisse solche Formen der Armut aufhören zu existieren und dann natürlich Bettelei obsolet wird.

      Bedauerlicherweise herrscht traditionell im Lande von Goethe und Marx, das was ich „ausgeprägter Untertanengeist“ nennen möchte, zusammen mit der Tendenz eher nach unten zu treten, weshalb diese Solidarität nicht so oft auftritt, wie ich es mir wünschen würde. In dem Wohnhausblock in dem ich wohne, war die Organisation einer Bewegung gegen eine unsinnige Modernisierung mit damit einhergehenden Preissteigerungen nicht möglich, weil zu viele sich (scheinbar aus Angst oder Bequemlichkeit) weggeduckt haben.

      Grunkins wrote:

      Mir ist es, wenn ich Bettlern Geld gebe eigentlich relativ egal, ob sie sich Alkohol oder sonst was davon kaufen. Selbst als Student kann ich einen Euro verschmerzen und einem Obdachlosen (oder wie auch immer sehr armen Menschen mit oft üblem Hintergrund) muss man nicht vorhalten, wenn es ihm mit Bier oder auch Schnaps besser geht als ohne.


      Die Tragik ist, dass dies das grundlegende Dilemma nicht löst. Die Person ist immer noch arm, die Person hat immer noch kein Dach über dem Kopf, die Person hat (eventuell) immer noch mit Suchtproblemen zu kämpfen.

      Immer öfter sehe ich in meinem Umfeld Personen (jung und alt gleichermaßen) die schlichtweg deshalb obdachlos sind, weil sie stetig steigende Mieten nicht mehr bezahlen können. Das Problem ist hier systemisch und kann leider nicht dadurch gelöst werden, dass ich einem einzelnen Bedürftigen einen Euro spende.

      The Dragonknight wrote:


      Das Betteln ist ohnehin ein Akt mit starkem sozialen Gefälle. Der eine ist Bittsteller, der andere Gönner. So ist die ganze Situation für den Bettler ohnehin schon in gewisser Weise entwürdigend. Dass in einem reichen Land wie Deutschland (oder sogar auch Portugal) Menschen unfreiwillig auf der Straße Leben müssen oder auf die Gönnerhaftigkeit von Privatpersonen angewiesen sind, ist ohnehin schon grotesk.


      So und nicht anders. Leider gibt es hier in Deutschland einige Individuen (z.B. den ehem., von SPD und Springer-Imperium unterstützten Bundespräsidenten Gauck) und Institutionen, die wahlweise Beschwichtigungs - oder Ablenkungsstrategien verfolgen, um auf die eine oder andere Weise Akzeptanz für Verhältnisse herzustellen, die für viele Menschen nachteilig sind.
      „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (Gandhi)

      Der Sinn des Lebens sollte nicht darin bestehen zu tun was wir wollen, sondern das zu tun, was vernünftig ist.
      Die Tragik ist, dass dies das grundlegende Dilemma nicht löst. Die Person ist immer noch arm, die Person hat immer noch kein Dach über dem Kopf, die Person hat (eventuell) immer noch mit Suchtproblemen zu kämpfen.


      Reiner Nirvana-Fehlschluss. Der Sinn einmaliger Hilfeleistung ist mit der Hilfegewährung am gegebenen Tag erfüllt, langfristige Hilfsangebote sind im Rahmen langfristiger Maßnahmen herbeizuführen.
      Wir würden schließlich auch nicht behaupten, dass es sinnig ist einem Kranken Medikamente zu verweigern, weil er eines Tages ohnehin aus Altersgründen verreckt. Oder ihn auf die Erforschung des Jungbrunnens vertrösten mit seiner Bitte um Aspirin.

      de.wikipedia.org/wiki/Nirvana-Fehlschluss

      Diese ominösen Politiker die immer Dinge tun sollen, von denen ich mich als Individuum entbunden fühlen möchte scheinen mir nichts anderes als Volksvertreter zu sein. Und falls sich für meine Anliegen kein passender findet, stünde mir frei mich selbst politisch zu engagieren, insofern trägt das Argument für mich persönlich als Ausrede nicht weit.
      Bedauerlicherweise scheint bereits unsere nicht sonderlich soziale Politik vielen Bürgern zu viel zu sein und für mehr Umverteilung besteht derzeit schlicht keine Basis.

      Wenn ich mich dann aber aufgrund eines vorgetäuschten Umstandes - und in diesem Fall nicht intrinsisch - motiviert dazu entschließe das Geld für die Lösung eines konkreten Problems zu geben, ist dieses Geld für mich ja sozusagen zweckgebunden. Bzw. wenn der ursprünglich vorgetäuschte Umstand, der mich überhaupt erst zur Schenkung veranlasst hat gar nicht existent ist, darf ich mir schon verarscht vorkommen, wenn die Person stattdessen direkt zum Kippenverkäufer marschiert.


      Natürlich, es war im konkreten Fall entsprechend keine Kritik an dir. Eher der Hinweis, dass es sinnvoll ist solche Gesten gleich von jeder Erwartungshaltung zu entkoppeln und sich zu überlegen ob man bedingungslos dazu bereit ist.
      I have been despised by better men than you.

      Maegwin wrote:

      Diese ominösen Politiker die immer Dinge tun sollen, von denen ich mich als Individuum entbunden fühlen möchte scheinen mir nichts anderes als Volksvertreter zu sein. Und falls sich für meine Anliegen kein passender findet, stünde mir frei mich selbst politisch zu engagieren, insofern trägt das Argument für mich persönlich als Ausrede nicht weit.


      Dummerweise sind es gerade diese bzgl. einer Entscheidungsfindung gewählten Volksvertreter, die (theoretisch) in der Lage sein sollten, die entsprechenden Maßnahmen in die Wege zu leiten. Folglich müsste man auch hier ansetzen und den Druck entsprechend immer weiter erhöhen. Natürlich müssten die unmittelbar betroffenen Menschen auch dazu mobilisiert werden, was ja derzeit im Prinzip durch z.B. Sahra Wagenknecht schon versucht wird.

      Ganz unabhängig davon ist die Frage ob man einem Bettler Geld gibt, vom Ort abhängig. Für eine Person in einem afrikanischen Staat ganz ohne Sozialsystem würde ich die Frage anders beantworten als z.B. hier in Deutschland.

      für mehr Umverteilung besteht derzeit schlicht keine Basis.


      Im Hinblick auf Entwicklungen wie z.B. die immer neuer, absurderer Rüstungsprojekte wie jetzt diesen Plänen für einen Flugzeugträger als deutsch-französisches Kooperationsprojekt oder dem neuen geplanten Rüstungs-Etat des BMVG von rund 43,2 Milliarden Euro scheint mir das eine gewagte These.

      Wie auch immer, die Fragen wurden ja beantwortet. Somit bin ich hier fertig. Einen schönen Abend noch.

      \Edit: Falls du natürlich gemeint haben solltest, dass für mehr Umverteilung keine Basis besteht, eben weil "unsere nicht sonderlich soziale Politik vielen Bürgern zu viel zu sein" scheint, wie du es ausdrückst - ja, das ist wohl leider so. Allerdings sehe ich das nicht als Grund aufzugeben.
      „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (Gandhi)

      Der Sinn des Lebens sollte nicht darin bestehen zu tun was wir wollen, sondern das zu tun, was vernünftig ist.

      Post was edited 2 times, last by “Sandhai” ().

      Im Hinblick auf Entwicklungen wie z.B. die immer neuer, absurderer Rüstungsprojekte wie jetzt diesen Plänen für einen Flugzeugträger als deutsch-französisches Kooperationsprojekt oder dem neuen geplanten Rüstungs-Etat des BMVG von rund 43,2 Milliarden Euro scheint mir das eine gewagte These.

      Hust, vorherige Halbsatz lesen, Hust.
      Dieser Beitrag wurde bereits 12 mal editiert, zuletzt von „Kasimir“ (Heute, 17:14)

      Sandhai wrote:


      \Edit: Falls du natürlich gemeint haben solltest, dass für mehr Umverteilung keine Basis besteht, eben weil "unsere nicht sonderlich soziale Politik vielen Bürgern zu viel zu sein" scheint, wie du es ausdrückst - ja, das ist wohl leider so. Allerdings sehe ich das nicht als Grund aufzugeben.


      Und die Tatsache der Existenz eines aus deiner Sicht ungerechten Systems sollte nicht von individueller, partieller Solidarität entbinden.

      Kasimir wrote:


      Hust, vorherige Halbsatz lesen, Hust.


      Dankeschön.

      \Edit: Falls du natürlich gemeint haben solltest, dass für mehr Umverteilung keine Basis besteht, eben weil "unsere nicht sonderlich soziale Politik vielen Bürgern zu viel zu sein" scheint, wie du es ausdrückst - ja, das ist wohl leider so. Allerdings sehe ich das nicht als Grund aufzugeben.


      Ja, das meinte ich.
      Was ich ebenfalls meinte, war die Tatsache, dass ein Politiker neben meinen Interessen auch die von 83.000.000 Millionen anderer Bürger zu vertreten hat. Wenn meine Interessen mit denen von Karl aus Dunkeldorf in Niedersachsen per se unvereinbar sind, wird auch der versierteste Politiker (soweit der Magie nicht fähig) keine Lösung herbeiführen können mit der wir beide voll und ganz zufrieden sind.
      Sind wir mit dem naturgemäß zwischen den Positionen geschlossenen Konsens beide nur halb zufrieden, werden wir uns entweder damit abfinden, dass es sich um einen Kompromiss gehandelt hat oder in Zukunft (extremere) Parteien wählen, die unserem persönlichen Meinungsspektrum näherliegen. Die Findung des Konsens wird künftig zwischen den Parteien ausgetragen statt aus einer Hand angeboten, aber an der Anzahl der Vertretenen und ihren Ansichten und Wünschen ändert sich dadurch nichts.

      Es fällt entsprechend doch auf mich als Individuum zurück, meine Mitbürger von meinen Ansichten zu überzeugen damit der gemeinsame Vertreter ein gemeinsamer ist. Aus diesem Grund überlese ich "die Politiker müssen" einfach routiniert als "jemand der nicht ich ist", ansonsten bleibt dies eine Diskussion bei der sich der Fuß über die Hand beklagt.
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      Folgende Situation heute in meiner Standard-Regionalbahn: Ich sitze auf dem Weg nach Hause in einem Vierer, als sich mir ein Herr mittleren Alters gegenübersetzt. Er riecht sehr stark u.a. nach Alkohol, hat zerschlissene Kleidung und ist ungepflegt und übergewichtig. Sein Rucksack klirrt beim Abstellen als sei er voller Glasflaschen. Ihr habt sicher eine Vorstellung.
      Auf einmal zieht er ein gelbes Reclamheftchen aus seiner Tasche und beginnt darin zu lesen.
      Es ist die Apologie des Sokrates von Platon.

      Fand ich auf Grund der Erscheinung erst einmal überraschend, zeigt mir aber mal wieder wie wenig man Menschen vorab in Schubladen stecken sollte.

      Ich weiß nicht, warum ich die Situation so teilenswert finde, ist irgendwie schwierig zu beschreiben.
      Vielleicht hattet ihr ja auch schon einmal eine Situation, in der ein fremder Mensch euch mit einer für euch unerwarteten Handlung überrascht hat?

      Edit: Wahrscheinlich muss man dabei gewesen sein, in Textform vermag ich vermutlich nicht die Anekdote angemessen rüber zu bringen. Aber wir alle haben aufgrund von Lebenserfahrung oder Klischees erst einmal vermutlich einen gewissen Eindruck beim Aufeinandertreffen mit fremden Menschen. Umso schöner ist es doch wenn dieser dann durchbrochen wird und einem zeigt wie heterogen Menschen doch tatsächlich sind und der eigenen Denke der Spiegel vorgehalten wird.
      Wie ein Platon-Leser wirkte dieser Mann auf mich nämlich keineswegs.
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      Ceterum censeo Casimirem esse delendum.

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