Unverdienter Ruhm in der Literatur

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      Unverdienter Ruhm in der Literatur

      Es kann sein dass es einen solchen Thread schon gibt. Ich hab allerdings mit der Suchfunktion keinen gefunden.

      Welche Werke wurden eurer Meinung nach unverdient berühmt, ohne Berichtigung als genial bezeichnet, oder völlig überbewertet.
      Hm, ist mehr oder weninger alles dasselbe, aber ich bin auf die Antworten gespannt.
      Das Ziel eines Autors ist doch in der Regel, ein Werk zu verfassen, das den Lesern gefällt, ebenso wie der Leser eine Lektüre lesen will, die ihm wiederum gefällt. Wenn ein Buch oder eine Reihe dann berühmt wird, scheint es ja vielen Menschen gefallen zu haben, wüsste nicht, wo da das Problem sein sollte. Auf den Punkt der Genialität bezogen ging es mir zumindest bei der First-Law-Trilogie so, dass der Funke nicht so recht zu mir überspringen wollte und ich die Begeisterung nicht nachvollziehen konnte, da ich sowohl Schreibstil als auch Handlung alles andere als "genial" fand. Als "überbewertet" oder "unverdient Ruhm erlangt" würde ich die Reihe deshalb trotzdem nicht einstufen.

      Ser Erryk wrote:

      Habe da einen ganz klaren Favoriten: Franz Kafka: Die Verwandlung.
      Verstehe weder warum das Werk noch der Autor Weltruhm erlangt haben.


      Amen. Obwohl die Verwandlung ja noch "relativ gut" war, im Vergleich zu "das Schloss".

      Mir fällt spontan "Marquis de sade" mit "Die 120 Tage von Sodom" ein. - Da hab ich mich auch gefragt, was daran Weltliteratur sein soll. Den perversen Sack hätten sie damals ruhig in der Bastille versauern lassen können.

      Mercedes_de_Polla wrote:

      Mir fällt spontan "Marquis de sade" mit "Die 120 Tage von Sodom" ein. - Da hab ich mich auch gefragt, was daran Weltliteratur sein soll. Den perversen Sack hätten sie damals ruhig in der Bastille versauern lassen können.


      :whistling: Also ich finde das aufgrund der offenen, von allen Zwängen befreiten, den französischen Adel entblößten und den Menschen in seiner schlimmsten Ausprägung darstellenden Art ein Meisterwerk. Nicht, dass ich eine Handlung aus diesem Werk gutheißen könnte, aber es hat mir gezeigt, wie schlecht Menschen sein können und nicht Menschen, denen es von Natur aus schlecht geht, sondern Menschen, die allein durch ihre Macht andere Menschen weh tuen, weil sie es können. Eine erschreckende Erkenntnis für die ich aber dankbar bin, da ich dank diesem Werk weiß, wie ich niemals sein will. Natürlich hat mich das Werk auch zum Misanthropen gemacht, aber die Tendenzen hatte ich schon vorher. Grundsätzlich gehe ich beim Menschen immer vom Schlechtesten aus.
      Es gibt da so einige Autoren und Werke, die sogar zur Schullektüre erkoren wurden, obwohl sie nicht viel taugen. Da sei exemplarisch Heinrich von Kleist mit der Marquise von O. genannt. Der Mann kann einfach keine Prosa schreiben, und versucht das mit sinnlos komplizierten Satzgebilden zu vertuschen. Inhaltlich war das Buch leider auch nichts.

      Außerhalb von Pflichtlektüre kann ich weniger sagen, denn wenn mir etwas nicht gefällt, liegt es meistens an persönlicher Unzufriedenheit mit der Handlung und nicht an objektiven Schwächen, oder der Schreibstil packt mich nicht, sodass ich nach 20 Seiten aufhöre und mir erst recht kein Urteil erlauben kann.
      Im übrigen meine ich, die deutsche Neuübersetzung sollte vernichtet werden.
      Interessante Herangehensweise, aber ich halte es für gefährlich zu sagen, dass der Mensch von Natur aus "schlecht", "grausam" und "triebgesteuert" sei, wie de Sade es propagiert. Es ist ganz einfach nicht so. Seine Distanzierung zu Moral und Mitgefühl ist keineswegs eine hoch-philosophische Betrachtung der Welt, sondern entsprang größtenteils seiner eigenen sexuellen Perversion und dem absoluten, überheblichen Glauben, dass er machen kann was er will. - Ich nenne sowas einfach "kennt keine Grenzen" - für gewöhnlich scheitern solche Menschen am Ende genau daran und de Sade ist das Paradebeispiel dafür. Mal abgesehen davon, dass weder sein Schreibstil noch seine Darstellung der Welt bei mir jemals mehr als Brechreiz ausgelöst hat.
      Ich halte Sade für ein Opfer, wie er auch später Täter war. Noch dazu stammte er aus dem gleichen Milieu, dem französischen Adel und wusste deshalb Bescheid, was in deren Kreisen so ablief. Hauptsächlich dreht es sich in seinen Werken darum was passiert, wenn Menschen die völlige Kontrolle über andere Menschen erlangen, ohne dafür Konsequenzen befürchten zu müssen. Und da glaube ich einfach, das ein großer Teil der Menschheit ähnlich widerlich agieren würde wie die Protagonisten in Sades Werken. Wo kein Gesetz, keine Moral ist, kann sich ein Mensch ganz seiner Lust hingeben und sieht in dem schwächeren Menschen nur ein Objekt, dass seiner Begierde dient. Solche philosophischen Ausführungen, auch zu Religion, dem Tod an sich und der Natur finden sich sehr sehr häufig und die finde ich interessant.

      Das mit dem Brechreiz verstehe ich absolut, sogar mehr, würde jeden, der nicht davon abgestoßen ist, als sexuell krank einstufen. Und das mit dem keine Grenzen ist auch interessant, denn gerade in seinem Werk scheitert keiner der Sadisten, Vergewaltiger und Pädophilen, sondern sie werden immer wieder dafür belohnt, während zum Beispiel Justine (in dem gleichnamigen Werk) immer wieder mit ihrer Tugend scheitert.
      Dan Brown
      Er ist definitiv eine "Buchdruckmaschine" und schreibt für die breite Masse und den Umsatz. Die Bücher kann man zwar gut lesen, aber der "Welterfolg" kommt mir schon etwas übertrieben vor. Lag wahrscheinlich eher am Marketing und der Werbung. Außerdem konnte ich bei den meisten Werken feststellen, dass "Seitenzahlen" vom Verleger vorgegeben waren. Illuminati beispielsweise hätte man locker auf 3/4 kürzen können, da ist vor allem zum Ende hin, viel unnützer (langatmiger) "Fülltext" .

      Weil Heinrich von Kleist schon genannt wurde: ich musste "Der zerbrochene Krug" lesen in der Schule, und habe mich auch gefragt, wie man ein ganzes "Schauspiel" schreiben kann über eine Handlung die auch in 5 Sätzen beschrieben werden könnte.

      Ich bin grundsätzlich auch kein Freund von detailierten "Momentaufnahmen".
      Beispielweise, wenn man den Moment "Ein Mann schaut in den bewölkten Himmel" über 20-30 Seiten beschreibt.
      Da verliere ich schnell die Geduld. Ich brauche "richtige Handlung" wenn ich etwas lese.
      Illuminati hab ich abgebrochen, weil ich viel zu gruselig fand, was der aus der Wissenschaft gemacht hat. Ich bin nunmal sehr kritisch gegen Religion und mag ordentliche Wissenschaft, und schon als ich gesehen habe, was die aus Vetras Experimenten geschlussfolgert haben, konnte ich nicht mehr weiterlesen.

      Zum Thema Momentaufnahmen: Da kann ich auch nicht viel mit anfangen. Bei Tolkien(den ich persönlich auch für überschätzt halte) hats mich tierisch genervt, bei Karl May habe ich die ausführlichen Langdschaftsbeschreibungen(die häufig einem Zweck gedient haben) einfach überblättert.
      Im übrigen meine ich, die deutsche Neuübersetzung sollte vernichtet werden.

      Ser Garlan Tyrell wrote:

      Ich bin nunmal sehr kritisch gegen Religion und mag ordentliche Wissenschaft
      Du weißt schon, daß sich Wissenschaft und Religion als unterschiedliche Funktionssysteme eben nicht gegenseitig ausschließen?
      Manches ändert sich scheinbar nicht. Sollen wir die Diskussion über dieses Thema wieder aufnehmen? :P

      Zum Rest äußere ich mich besser nicht. Kafka & Tolkien in solch einem Thread zu erwähnen, macht jede weitere Diskussion sinnlos.

      raukothaur wrote:

      Ser Garlan Tyrell wrote:

      Ich bin nunmal (1)sehr kritisch gegen Religion und (2)mag ordentliche Wissenschaft
      Du weißt schon, daß sich Wissenschaft und Religion als unterschiedliche Funktionssysteme eben nicht gegenseitig ausschließen?

      Das habe ich gar nicht gesagt, nur wird in Illuminati eben beides vermengt, und vor allem die Wissenschaft zugunsten der Religion verdreht. Meine Aussage ist allgemein einfach als zwei Aussagen zu verstehen(ich war so frei, das im Zitat zu kennzeichnen), die beide gegen das Buch sprechen.

      Man könnte zudem argumentieren ...
      Sollen wir die Diskussion über dieses Thema wieder aufnehmen? :P

      Jederzeit gerne, ich habe meinen Standpunkt seit der letzten Religionsdiskussion in diesem Forum weiterentwickelt. In dem Fall sehen wir uns im Religionsthread.

      Zum Rest äußere ich mich besser nicht. Kafka & Tolkien in solch einem Thread zu erwähnen, macht jede weitere Diskussion sinnlos.

      Da hat es sich ja gelohnt, Tolkien zu erwähnen. :chinese:
      Im übrigen meine ich, die deutsche Neuübersetzung sollte vernichtet werden.
      Ich mag Kafka. Also: Eigentlich hasse ich Kafka weil ich sein Geschreibsel nicht so recht ertrage, aber ich bewundere was er tut und wüsste auch sonst niemanden der das, was er tut so perfekt beherrscht. Abgesehen davon habe ich ihm mein Einser-Colloquium zu verdanken. :)

      Kafka schreibt Albträume. Seine Protagonisten finden sich zusammenhangslos in irgendwelchen grässlichen Situationen wieder aus denen es kein Entrinnen gibt und ohne die Gründe dafür zu kennen. Sie schaffen es nicht aus der Situation auszubrechen, irgendwelche "logischen" Schritte zu unternehmen die sie aus dem Albtraum befreien würden.
      Die Verwandlung ist den üblichen Albträumen nicht unähnlich, in denen sich Freunde und Verwandte plötzlich in irgendwelche fremden, feindlichen Wesen verwandeln obwohl es der Protagonist ist der sich verwandelt hat. Natürlich kann man das Ganze auch noch übertragen auf eine Situation in der ein Familienmitglied den anderen zur Last geworden ist, weil er z.B. seine Funktion als Miternährer eingebüßt hat und nun selbst der Hilfe der Verwandten bedürfte, die ihn mangels echter Gefühle nach dem Verlust seiner Funktion wie einen Aussätzigen behandeln.

      Ganz übel ist für mich in dem Zusammenhang der Prozess, weil er neben seiner Albtraumhaftigkeit diversen historischen Situationen ähneln dürfte in denen Leute von einem totalitären Regime einfach von der Straße weggeholt wurden.


      Und das mit dem keine Grenzen ist auch interessant, denn gerade in seinem Werk scheitert keiner der Sadisten, Vergewaltiger und Pädophilen, sondern sie werden immer wieder dafür belohnt, während zum Beispiel Justine (in dem gleichnamigen Werk) immer wieder mit ihrer Tugend scheitert.


      Justine scheitert, weil er sie scheitern lässt. Ich habe den Eindruck Sade wollte sich mit seinem Werk eher selbst den Rücken stärken weil er sich von Ethik emanzipieren wollte und nicht so recht konnte.


      Ich mag Hemmingway wegen seiner eindimensionalen Frauenfiguren nicht. Bzw. er lässt reale Männerfiguren neben metaphorischen Frauen (die Jungfrau, das Mannsweib) auftreten. Besonders hübsch bzw. unhübsch zu sehen in Wem die Stunde schlägt.
      I have been despised by better men than you.

      Snow White wrote:

      Dan Brown
      Ja, den finde ich auch furchtbar. Nicht das seine Romane nicht wenigstens teilweise unterhaltsam sind, aber sie waren mir zu lang gezogen und dafür wurde dann das Ende schnell und kaum nachvollziehbar aus dem Hut gezaubert.
      "Sakrileg" und "Illuminati" hab ich mir ja noch angetan, aber alles weitere habe ich mir gespart und will damit nicht mehr meine Zeit verschwenden.
      Something about the howling of a wolf took a man right out of his here and now and left him in a dark forest of the mind running naked before the pack.

      A Game of Thrones, Tyrion I