Eis und Feuer Forenrollenspiel

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      Eis und Feuer Forenrollenspiel

      Prolog

      "Aerys II., den sie den "Irren König" nannten, lag tot in seinem Blute, erschlagen von Jaime aus dem Hause Lannister. Auch Elia aus dem Hause Martell mit ihren Kindern fand unter großen Martern den Tod. Somit endete nach über dreihundertert Jahren die Herrschaft des Geschlechts der Targaryen vom Blut des alten Valyria. Es bestieg den Thron Robert aus dem Hause Baratheon, der nunmehr und bis zu seinem seligen Ende König der Andalen und der Ersten Menschen, Beschützer des Reiches und Herr über die Sieben Königslande sein soll. Mögen die Götter ihm Kraft und Weisheit erhalten."

      Der Greis legt die Feder zur Seite. "Zeit, die Farben für die Miniatur anzumischen" murmelt er zu sich selbst. Obschon das Kerzenlicht schwach und seine Augen müde sind, will er seine Arbeit noch in dieser Nacht beenden. "Bruder Umbert?" Der alte Mann dreht sich erschrocken um. Er hat den anderen nicht kommen hören. "Bruder Umbert, es ist spät. Legt Euch zu Bett." Der Greis schüttelt den Kopf: "Ich bin alt, meine Kräfte schwinden. Jede wache Stunde gehört der Chronik." Er fasst den anderen am Arm: "Zweifelt Ihr noch immer, mein Junge?" "Wie?" Bruder Umbert sieht den jüngeren Mann durchdringend an: "Zweifelt Ihr noch immer an den Göttern? Jetzt, wo Ihr gesehen habt, wie sie große Könige in den Staub treten. Dass sie selbst einen Drachen wie eine Fliege unter ihren Händen zerquetschen? Ihr habt die Macht der Sieben erlebt, zweifelt nicht mehr." Der Angesprochene entwindet sich mit sanftem Druck der Hand des Greises: "Ich habe die Macht von Robert Baratheon gesehen, Bruder. Doch wenn es der Krieger war, der ihm seinen Arm lieh, warum hat sich dann die Mutter nicht schützend vor die Kinder gestellt? Ich kann nicht mehr glauben, nach allem, was ich gesehen habe."

      Es ist spät in der Nacht, als Septon Umbert Geräusche von den Treppen der Großen Septe hört. Er braucht die Gestalt nicht klar zu erkennen, die sich in den dunklen Gassen von Königsmund davonmacht. "Wir werden wohl einen neuen Vorsänger für die Antiphonen benötigen" murmelt er seufzend.




      Morgengrauen


      Die Schreie des Mannes dringen durch den Lärm der Winden und Hämmer nur gedämpft an Leodast Stalwarts Ohr. Er lenkt sein Pferd durch die Rauchschwaden in die Richtung. "Was ist da los?" Karlwyn, der Verwalter der Minen, winkt einen der Vorarbeiter zu sich. "Ein Unfall, Mylord. Einer der Männer ist unter einem Karren eingeklemmt worden. Einer der...Gefangenen." Lord Stalwart hebt kurz den Kopf zum Himmel: "Ich habe ihn um Land gebeten...Land...und der König schickt mir...Sklaven" denkt er, nicht ohne Bitterkeit. Natürlich waren die Gefangenen keine Sklaven, wie man sie im Osten hielt. Es waren Gefolgsleute der Targaryen, kleine Leute freilich, keine hohen Herren. Robert Baratheon hatte ihm einige hundert aus seinen Kerkern geschickt. Eine Reaktion auf Stalwarts Klage, es fehle ihm durch den Krieg an Leuten, um seine Minen zu betreiben. Die meisten waren bei schlechter Gesundheit.
      Leodast Stalwart wendet sich wieder an Karlwyn: "Ich habe einen Entschluss gefasst. Es ist nicht möglich, diese Leute gehen zu lassen. Aber ich will, dass sie wie die anderen Arbeiter bezahlt werden. Sie haben genug gebüßt." Karlwyn blickt seinen Herrn erschrocken an: "Mylord, bedenkt doch die Kosten...". Stalwart runzelt die Stirn: "Werden dann wieder genau so hoch sein wie vor dem Krieg. Ihr solltet wissen, dass ich bestens über sämtliche Kosten und Einkünfte im Bilde bin, Karlwyn. Und Ihr solltet ferner wissen, dass mir nichts mehr mißfällt als Diebstahl. Wer für mich arbeitet, wird auch bezahlt."

      Lord Stalwart hat die Erzgruben längst verlassen, als sein Verwalter Karlwyn seinen neuen Gehilfen instruiert. "Die Rechnungsbücher für den letzten Monat müssen heute Mittag abgeschlossen sein und unverzüglich nach Badgerset Hall gebracht werden. Seine Lordschaft will sie heute noch prüfen." Der junge Schreiber, Aelthstan mit Namen, sieht Karlwyn fragend an: "Er prüft sie selbst?" "Natürlich. Die Erzgruben, die Eisenschmelzen, die Schmiedewerkstätten, seine Lordschaft führt alle Geschäfte selbst. Seit fünfundreißig Jahren, seit er Lord von Badgerset Hall ist. Und ebenso lange habe ich ihm noch nie fehlerhafte Rechnungsbücher geliefert. Also sieh zu, dass du keine Fehler machst. Ich werde es merken. Und wenn ich es nicht merke, dann Lord Stalwart." Aelthstan wirkt verdutzt: "Ich habe nie davon gehört, dass ein Lord sich mit Kaufmannsangelegenheiten belastet." Karlwyn lacht: "Belastet? Es ist sein Lebensinhalt. Durch seine Adern fließt geschmolzenes Erz und sein Herzschlag ist ein Schmiedehammer. Und wo andere Lords Geld verschwenden, verdient er welches. Ich weiß nicht genau, wie reich die Stalwarts sind, aber...." "Und obwohl er solch eine Kaufmannsseele besitzt, gibt es keinen Frondienst auf seinem Land und er bezahlt jeden für seine Arbeit?" wirft Aelthstan ein. "Jeden, ja. Seine Lordschaft hat einmal gesagt, eine geleistete Arbeit nicht zu bezahlen, nur weil man sie auch mit Gewalt einfordern könnte, sei in seinen Augen nichts anderes Plündern und Brandschatzen. Aber jetzt genug davon. Es gibt Arbeit zu tun. Und seine Lordschaft bezahlt uns nicht für's Plaudern."
      "I swear, I will go to my grave thinking of my brother’s peach." (Stannis Baratheon)

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      Heimkehr/ Haus Rotfeld I

      Rorin konnte Burg Rotfeld schon von weitem erkennen. Es war zugegebenermasen keine besonders große Burg und es verschlägt einem auch nicht gleich den Atem, wie wenn man zum ersten mal Casterlystein erreicht, dennoch fällt Burg Rotfeld schon von weitem auf. "Überall herum liegen nur Bauerndörfer und Burg Rotfeld liegt auf dem einzigen Felsen weit und breit - natürlich fällt sie auf!", dachte sich Rorin.
      Als er am Fuße des Felsens angekommen war, konnte er sehen, wie die Banner der Burg im Wind flatterten. Das rote Schwert stach schon immer ungewöhnlich stark vom weißen Hintergrund hervor, doch erst nach der Schlacht am Trident ließ ihm dies ein unwohles Gefühl geben, als der Boden die selbe Farbe wie das Graß auf dem Wappen angenommen hat.

      "Eigentlich sollte ich mich nicht nicht beschweren.
      Während Roberts Rebellion hatte sich der vorherige Haushofmeister eine so starke Verletzung zu gezogen, dass er sein Amt nicht mehr ausüben konnte. Lord Armund hatte nicht lange gezögert, mich zum Haushofmeister zu erklären. Ich sollte dafür sorgen, dass er es nicht bereut."

      Für kurze Zeit war er in seinen Gedanken versunken, dann rief er sich in Erinnerung, warum er überhaupt weg war.
      Ich wurde als Stellvertreter für das Haus Rotfeld zu Verhandlungen mit dem Haus Darry losgeschickt. Als ob wir in der Position für Verhandlungen wären... Und das alles nur, weil dieses Schwein von Baratheon sich gegen seinen König aufgelehnt hatte.
      Nachdem er den Thron erobert hatte, hat er unser Haus dazu gezwungen einem Baratheon treuen Haus den Vasalleneid zu schwören. Wenigstens zeigte sich Ser Raymun Darry verstänlicher als gedacht. So gingen die Verhandlungen sogar schneller vorbei, als ich es mir erhofft hätte.

      Rorin setzte seinen Weg zur Burg Rotfeld fort. Als er das Tor passierte, wurde er sofort von Ser Thorrance - Lord Raymunds Erben - empfangen.
      Rorin hatte kein Interesse an irgendwelchen Begrüßungsfloskeln.
      "Dein Vater wird zwar sicherlich schon eine Nachricht erhalten haben, es wird Ihn aber dennoch freuen, das offizielle Schreiben von Lord Darry zu erhalten. Ich hoffe du kannst es ihm überbringen. Es liegt in seiner Macht zu entscheiden was zu tun ist.", platzte es aus ihm heraus.
      Ser Thorrance verlor keine Zeit und machte sich auf den Weg.

      "Ach, endlich ist auch das erledigt.", dachte Rorin. "Ich sollte mich mal zu meinen Gemächern begeben, meine Frau Mya wartet sicher schon..."
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      Haus Stalwart II

      "Seht nur, Herr. Euer Vater kehrt heim." Den Worten seines Dieners nur halbherzig Beachtung schenkend, wirft Gunthram Stalwart einen Blick aus dem Fenster seines Turmzimmers. "Und wer seid Ihr, fragt der stolze Lord, dass ich mich beugen soll...". Der Diener blickt irritiert auf seinen jungen Herrn. Gunthram winkt ab: "Du kannst gehen."
      Er folgt der Gestalt, die in den Burghof reitet, mit den Augen. Auf dem prächtigen schwarzen Friesen wirkt sein Vater fast zierlich. Und doch liegt in der Haltung des Lords eine unerschütterliche Kraft und Ruhe, die der des Tieres in nichts nachzustehen scheint. "Hold und Segen dem Herren aller Blechhändler" äfft Gunthram die huldvollen Begrüßungen der unten anwesenden nach. Wie zur Strafe durchzuckt ein heftiger Schmerz sein Rückgrat bis hinunter in die Zehen des rechten Beines.
      Die Hände des jungen Mannes krallen sich in die steinerne Fensterbrüstung, so wie sie sich kraftlos in den Schlamm des Trident gekrallt hatten, als er stürzte. Ein Morgenstern hatte den Schädel seines Pferdes zertrümmert, das Tier hatte sich aufgebäumt und war im seichten Wasser mit ihm zu Boden gestürzt, auf ihn, seinen Körper zu Schlamm zermalmend, die Wasser des Trident hatten ihn zusammen mit dem restlichen Unrat der Schlacht fortgespült. Aber er war nicht ertrunken. Irgendjemand oder irgendetwas hatte ihn gehalten. Hatte ihn festgehalten und sein eigenes Blut über ihm vergossen. Oder war es gar nicht so gewesen?
      Nadelstiche durchzucken Gunthrams Kopf. Er fühlt sich fiebrig. Auf seinen Stock gestützt, wankt er hinüber zum Tisch und schenkt sich eine Becher Traumwein ein. Er trinkt, jedoch nur wenige Schlucke. Nur soviel, bis wohlige Wärme wie Balsam durch seine Glieder kriecht. Der Schmerz einem leichten Schwindel weicht.

      Lord Stalwart sitzt bereits seit einer ganzen Weile zu Tisch und unterhält sich mit dem Haushofmeister über die Errichtung neuer Vorratslager, als die Tür aufschwingt und sein jüngster Sohn den Raum betritt. Auf seinen Stock gestützt, näher er sich der Tafel und neigt das Haupt: "Mein hoher Vater". Es liegt weder echte Ehrerbietung noch Zuneigung darin. Gunthram setzt sich und beginnt wortlos zu essen. Der gutgelaunte Ausdruck auf dem Gesicht Leodast Stalwarts verschwindet augenblicklick. Die tiefen Furchen in seinem Gesicht wirken mit einem Mal noch härter, seine blauen Augen kalt. "Hast du ausgeführt, worum ich dich gebeten habe?" fragt er. Gunthram sieht auf: "Nein." Lord Stalwart runzelt die Stirn: "Und warum nicht?" Sein Sohn schiebt mit angewiderter Miene seinen Teller von sich: "Ich muss nicht beschäftigt werden. Und entgegen deinen unerschütterlichen Ansichten - nein, Arbeit bringt mich nicht auf andere Gedanken. Und sie ist auch nicht heilsam für mich. Ich ziehe keine Kraft daraus, wie ein bravoosischer Gewürzkrämer über Büchern zu sitzen." Gunthrams Augen glänzen fiebrig und angriffslustig.
      "Und was würde dir heilsam erscheinen?" Obschon die Respektlosigkeit seines jüngsten - seines letzten Sohnes ihn wütend macht, bleibt Lord Stalwarts Stimme ruhig. Gunthram nimmt einen tiefen Schluck aus seinem Weinkelch: "Nichts. Finde dich damit ab...du hast zwei Söhne am Trident verloren...den guten und ... den anderen."
      Lord Stalwart erhebt sich langsam. Er umrundet die Tafel und bleibt in unmittelbarer Entfernung zu seinem Sohn stehen. Einen Moment lang sieht es so aus, als wolle er gegen ihn die Hand erheben. Statt dessen winkt er einen einen Wachmann her: "Mein Sohn ist erschöpft. Geleite ihn in sein Zimmer." Gunthram lacht: "Was denn, du schickst mich fort ohne einen Hinweis darauf, wie Godwyn das alles tapfer ertragen hätte? Dass ich mir ein Beispiel an meinem heldenhaften Bruder nehmen soll?" Das Lachen erstickt ihm in der Kehle. Er stößt den Wachmann zur Seite und verlässt den Raum.

      Beschämt und wütend nimmt Leodast Stalwart seinen Platz wieder ein. "Mylord...er ist krank. Es bedarf sicher nur Zeit..." Der Haushofmeister versucht verschämt, ein paar passende Worte zu finden. "Zeit, ja. Vermutlich. Wo waren wir stehengeblieben?"

      Zu späterer Stunde denkt Lord Stalwart noch immer an die unschöne Szene: "Zeit...es ist schon eine Menge Zeit vergangen." Er beschließt, nach dem Maester zu schicken. Er will wissen, wie dessen Meinung zum Zustand seines Sohnes ist.
      "I swear, I will go to my grave thinking of my brother’s peach." (Stannis Baratheon)
      Aus dem Volk I/ Der Kokurrent

      Talesia stand im Schatten zweier Häuser, der kleine Seitenweg war nicht viel mehr als eine Sickergrube, voller Unrat und Fäkalien welche sich durch die Bewohner im Laufe der Zeit angesammelt hatte. Es stank fürchterlich, aber wer in der Unterwelt von Braavos gelebt hatte der war schlimmeres gewohnt.

      Von ihrem Standpunkt aus konnte sie die kleinen Beutelschneider bei ihrer Arbeit beobachten, leise schlichen sie sich an ihre Opfer heran, dann ein schneller Griff und ein kurzer Blitz mehr konnte selbst ein geübtes Auge, wie das ihre nicht erkennen, wenn ein erfahrener Lehrling an die Arbeit ging. Sie erleichterten die Leute um ihr schwerverdientes Geld, aber ein erfahrener Beutelschneider erkannte mit einem Blick wo es wirklich etwas zu holen gab, kleine Bauern oder Kaufleute hatten nicht viel und dementsprechend war die Ausbeute gering; Diener der hohen Herren, wie zum Beispiel dem Lord von Badgerset Hall, die hatten mehr in den Taschen, wenn sie wie heute zum Markt gingen und das bedeutete reichere Beute.

      Talesia hasste die edlen Herren mit ihren Wappen, ihren Sinnsprüchen, edlen Gedanken und vornehmen Getue, am Ende des Tages mussten die Leute genauso wie sie auf den Pot und auch sie unterlagen der Sterblichkeit, kein Mensch war anders oder höher als der andere, es gab nur solche mit Geld und solche ohne. Aber diese Adligen dachten selten oder gar nicht an das Volk welches unter mancher ihrer Entscheidungen zu leiden hatte, die letzte Rebellion mochte nicht grundlos ausgebrochen sein, der König war verrückt gewesen aber sein Sohn war es nicht, sicherlich hätte man eine friedliche Lösung finden können. Das hätte nicht Kinder zu Waisen, Frauen zu Witwen gemacht oder Familien ihrer Ernährer beraubt.

      Kinder wie der kleine Beutelschneider der gerade vor der Stadtwache davon lief gehörten zu den Kindern welche nur versuchten zu überleben und das in einer Welt die so ungerecht gewesen war ihnen die Eltern zu rauben. Viele solcher Kinder gab es nun in Kings Landing, mit grauen dachte sie an den Tag der Plünderung zurück. Sie war dort gewesen, hatte die Marodierenden Soldaten gesehen, die Schreie gehört und die Panik gespürt die um sich gegriffen hatte. Sie hatte das schon einmal als Kind erlebt als ihre Familie bei einem Überfall der Dothraki getötet worden war, diese Erfahrung hatte sie geprägt und ihr geholfen das furchtbare auszublenden das um sie herum geschah und selbst Profit aus diesem Chaos zu schlagen.
      Es hatte ihr Blitzschlag und Winterschatten eingebracht, die zwei Langmesser aus valyrischem Stahl hingen an ihrer Seite. Sie hatte ihnen diese Namen gegeben, weil das angeblich Glück brachte und sie war zu lange im Geschäft um nicht zu glauben das Glück nicht auch eine gewichtige Rolle spielen konnte.
      Lächelnd dachte sie daran wie sie sich Zutritt zu der Waffenkammer verschafft hatte, niemand hatte an der Tür gestanden und das Schloss war ein Witz gewesen. Sie hätte es sogar mit einem Stück Pergament aufbrechen können. Blitzschlag und Winterschatten hatten nicht offen dagelegen aber ein guter Dieb wusste wo er suchen musste. Sie hatte ihnen die Namen gegeben, weil in dem einen Messer ein blitzförmiger Schmuckstein eingefasst gewesen war, der andere hatte ein Relief im Knauf, welches einen Schneekristall zeigte. Den Schmuckstein hatte Talesia bereits an einen Goldschmied verkauft, sie hatte ansonsten keinerlei Verwendung für derartige Dinge.
      "Warst du auch mal einer? Ein Beutelschneider?", fragte Schwarzhand und holte Talesia aus ihren Erinnerungen. Er stand an die Hauswand gelehnt da und sah sich um. Auch Talesia sah kurz durch die Menge, die Wache war nicht zu sehen und so trat sie aus dem Schatten heraus.
      "Wir alle haben so angefangen, die Ausbildung ist eigentlich überall gleich, nur die Techniken sind manchmal unterschiedlich." meinte sie und lehnte sich an die andere Häuserwand. "Deine Lehrjungen sind gut, Kompliment."
      Er zuckte mit den Schultern. "Der Neue tut sich schwer, aber das wird schon. Ein paar Ohrfeigen und Drohungen, das kann ihm nicht schaden."
      Talesia grinste. "Nur wenn er schnell genug ist und nicht an der Mauer landet." Sie sah zu Schwarzhand, es hieß er wäre ein geschworener Bruder der Nachtwache dem die Flucht gelungen war und deswegen in der Unterwelt arbeitete und lebte. Talesia wusste nicht ob es stimmte und es war ihr auch egal. "Was willst du?", fragte sie. Der Mann war ihr stärkster Konkurrent, er würde sie niemals ohne Grund ansprechen und diese Gründe hatten für gewöhnlich einen Preis oder stellten einen nicht zu geringen Gewinn in Aussicht.

      "Ich will unseren Lord um ein bisschen Metall und ein paar Steine erleichtern. Aber leider bin ich kein gern gesehener Gast."
      Talesia nickte. "Wenn du nicht ehrlicher Arbeit nachgehen willst, brauchst du mich, aber wie wir beide wissen: Nichts auf dieser Welt ist umsonst und wir sollten unseren Preis schnell ausmachen, sonst werden die Wachen noch aufmerksam." Zwei Leute die wie sie einfach nur teilnahmslos am Rande des Marktplatzes standen, erregten irgendwann Aufmerksamkeit. Man blieb nicht im Geschäft, wenn man nicht vorsichtig war.

      "Du warst doch in Kings Landing, hattest du da Kontakt zu Leuten der ... nun sagen wir einmal zu Leuten der alten Ordnung?", wollte Schwarzhand wissen.

      "Möglich, wieso fragst du?", aus den Augenwinkeln nahm Talesia eine Wache wahr, auch Schwarzhand hatte sie bemerkt.

      "Treffen wir uns morgen Abend an der Stadtmauer, es könnte sein das ich Informationen aus Dorne habe die diese Leute der alten Ordnung interessieren."

      Beide gingen sie los und verließen in unterschiedlichen Richtungen den Marktplatz.
      Lesen ist wie Schlafen und Träumen - der Mensch ist in einer anderem Welt: man soll ihn nicht wecken. - Richard Benz

      "Fan" - kommt von Fanatismus, insofern bin ich kein Fan, sondern eine Verehrerin der Bücher von GRRM und der Serie dazu.
      Feuerschein erhellte die Lichtung auf der sie sich niedergelassen hatten. Sie waren überall zu Hause.
      "Überall" war ein schöneres Wort für "Nirgendwo".



      "Ich sitze auf einem Stein," bemerkte Andrik betrübt. Callah strich sich die Haare hinter die Ohren und wölbte den Mund. "Und ich auf zweien. Lass uns zusammenlegen und eine Feste bauen."
      "Herzloses Weib," sagte Andrik.
      "Ich bin nicht herzlos. Ich bin hungrig. Wenn der Magen nichts zu verdauen hat, verdaut er als erstes deinen Sinn für Witz und deine Nachsicht. Das Mitleid ist als nächstes dran." erwiderte Callah und kramte angestrengt im Vorratssack. Es befand sich ein Stück Rinde darin und eine lederne Schuhsohle zum wechseln und ein paar bunte Steine, die der Kurze Sten auf der Reise gesammelt hatte. Im Grunde wusste sie, dass er nichts zum essen enthielt, aber bis sie sich dazu überwand zum Feuer zu gehen und sich endgültig davon zu überzeugen durfte sie hoffen.

      Ihre schlanken Finger stießen in etwas weiches, wabbeliges und ganz und gar unangenehmes. Sie zögerte, sie zum Feuerschein zu heben und zu erkennen was sie gegriffen hatte. Sie erriet es nicht, aber die Fingerkuppen glänzten feucht und schleimig. "Sten!"

      Der Junge erschien wie aus dem Nichts neben dem Lagerfeuer. Lautlos, wie er es immer tat, und sah zu Boden. Schatten und Licht spielten auf seinem bleichen Haar fangen.

      Sie zwang sich zur Ruhe. "Sten, was habe ich gerade im Sack gefunden?" Sie sprach leise und stellte eine Frage, aber es klang nicht nach einem Ratespiel.

      Er hob vorsichtig den Blick, scharrte mit dem nackten Fuß gleichmäßige Ringe in den Boden. "Einen toten Frosch," räumte er leise ein. "Die Pfahlbaumänner essen welche und da dachte ich, wenn uns die Vorräte ausgehen, dachte ich, naja, dann können wir das auch."

      Sie schloss die Augen und wischte die Hand entschlossen am Moosboden ab. Entschlossen und sehr sorgsam. Als sie die Augen wieder aufschlug, stellte sie fest, dass sie dem Kurzen Sten nicht böse sein konnte. Das Kind schien aus großen Augen und Knochen und Verlegenheit zu bestehen. Sie übergab ihm wortlos den Sack. Aber auf Andrik konnte sie gut böse sein und irgendjemand musste für diese Misere büßen.

      "Das wäre nicht passiert, hättest du nicht das Lied vom Berg gesungen. Dann hätten wird die Anstellung nicht verloren." Sie sah Sten hinterher, der den Sack davontrug.

      Andrik hob eine Augenbraue. "Hätte ich besser das Lied vom Platzhirsch gesungen?"

      Callah sank leicht in sich zusammen. "Nein. Dann hätten wir den Kopf verloren." Sie behielt die erschöpfte Haltung bei und sagte nichts mehr, bis sich einen kleinen Holzhaufen später die Gestalt des Ochsen aus der Dunkelheit schälte. Er trug die Arme voller unförmiger grauer Kugeln, die Callah zunächst für Steine hielt. Jetzt reicht es auch für den Burgwall, dachte sie.

      Aber als Ochse seine Last zu ihren Füßen fallen ließ, erkannte sie Rüben. Sechs oder sieben Stück, klein und schmutzig und runzelig aber sehr viel besser als Frösche oder nichts. "Wem gehören die?" fragte sie vorsichtig, nahm eine in die Hand und wendete sie, als könnte die unscheinbare Knolle das Siegel eines Lords tragen. Als sie ihre kleinen Wurzeln geschlagen hatte, hatten viele hohe Herren noch gelebt. Es gab immer noch immer viele hohe Herren, aber an Rüben herrschte Mangel.

      "Uns," sagte Ochse knapp. Das war das Wunderbare an Ochse. Er machte komplizierte Dinge sehr, sehr einfach.
      Callah nickte.
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Maegwin“ ()

      Es war ein kalter nassnebliger Tag, als der Unbekannte den Wald durchquerte, welcher sich östlich von Stoney Sept erstreckte. Seine Fortbewegung ähnelte weniger dem Gang eines gewöhnlichen Mannes, es glich mehr dem Schweben der Nebelschwaden, die sich feucht und dicht am Boden hielten. Sein grauer Umhang machte ihn in dem Nebel nahezu unsichtbar und keinerlei Geräusch war von ihm zu hören. Selbst sein langer Eschenstock wurde durch das dichte Moos am Waldboden gedämpft, sodass die Kaninchengruppe, die auf einer kleinen Lichtung graste, nichts hörten. Es folgte kurzes Surren, gefolgt von einem grausigen Knacken, als der Stab dem fettesten der Kaninchen zielsicher das Genick brach. Die restlichen Kaninchen flohen panisch in den Wald zurück, doch der Unbekannte interessierte sich für nicht. Mit einer gleitenden, zielsicheren Bewegung hob er das Kaninchen auf. Es war tot.
      Mit einer ähnlich geschmeidigen Bewegung mit der er den Stock geschwungen hatte, griff er in seinen Umhang und holte ein kleines Messer heraus. Es war ein stumpfes, verrostetes Ding voller Blutflecken, doch es genügte, um dem Tier das Fell abzuziehen. Genüsslich verspeiste der Unbekannte das rohe Kaninchen. Er aß das Fleisch immer roh, egal ob Tier oder Mensch. Es schmeckte köstlich, das Kaninchen hatte sich bester Gesundheit erfreut und er schluckte es gierig hinunter, bis nur noch einige wenige Knochen übrigwaren, die er rasch mithilfe seines Stockes verscharrte. Es war eine Sicherheitsmaßnahme. Die Leute würden neugierig werden, wenn sie ein Kaninchenskelett fanden, dass so rundherum perfekt abgenagt war, ohne Spuren von Maden oder Käfern. Kein Wolf und kein Fuchs aßen auf diese Art ein Kaninchen.

      Eine halbe Stunde später bewegte sich der Unbekannte wieder in seinem unheimlichen Gleiten weiter, bis er auf eine Anhöhe herauskam, von der aus er auf einen kleinen Waldweg hinabblickte. Dieser war notdürftig von den Leuten hier angelegt wurden und diente besonders den Jägern, doch auch Wanderer benutzten diesen Weg öfters, um nach Harrenhal oder King's Landing zu gelangen. Der Unbekannte blieb stehen, als er eine kleine Gruppe von Reisenden erblickte. Es waren zwei Männer und eine Frau, alle drei waren adlig. Ihre Wappen zeigten die nackte Frau von Piper. Der Unbekannte wusste das, er kannte alle Wappen von Westeros, auch wenn sie ihm nichts bedeuteten. Er wartete kurz, bis die drei ungefähr 50 Meter von der Anhöhe entfernt waren und sprach in einer kalten, dröhnenden Stimme, die dem ohnehin schon trüben Tag jegliche Wärme zu entziehen schien.
      "Und das Lamm wird den Fisch zerstören und der Hammel den Hecht fressen. Noch während der Leviathan aus dem Meer auftaucht, wird der Jaguar aus dem Süden kommen und die Saat vernichten. Das Ende wird grausam sein, Maden werden euch von innen heraus auffressen und eure Kinder werden schreiend sterben, während sie Blut spucken."
      Erstaunt drehten sich die drei zu ihm um.
      "Wer seid ihr?", fragte die Frau. Sie hatte rostblondes Haar. Vermutlich war sie eine entfernte Verwandte von Lord Piper. Die beiden Männer neben ihr trugen Schwerter, die sie sofort zückten. Vermutlich aus Reflex.
      Der Unbekannte schwieg.
      "Gebt euch zu erkennen, Fremder. Ihr seid in der Gesellschaft von Lady Rosyla Piper, Schwester von Lord Marq Piper, dem Herren von Pinkmaiden Castle", sagte einer der Männer. Er hatte graues, schütteres Haar und wirkte gedrungen. Der andere war größer und kräftiger und hatte sattes, blondes Haar.
      Wieder schwieg der Unbekannte und er zog sich zurück in den Wald.
      "Hey, bleibt hier und gebt euch zu erkennen. Was habt ihr da gesprochen? Was ist das für ein Ende? Welcher Jaguar", fragte der Mann wieder und wollte ihm hinterhergehen.
      "Bleibt hier, Flement! Er ist vermutlich nur ein Wahnsinniger. Es soll einige Eremiten in diesen Wäldern geben. Kommt, ich möchte möglichst bald aus diesem Wald heraus und zurück nach Stoney Sept. Wenn ich gewusst hätte, dass es so neblig wird, wäre ich gar nicht erst hierhergekommen."
      Der Unbekannte blickte ihnen aus einer sicheren Distanz hinterher, bis sie hinter einer Biegung verschwunden waren.
      Kurze Zeit später fand er sich auf einer weiteren Lichtung wieder. Drei große Hirsche ästen dort. Vorsichtig schlich sich der Unbekannte an und zückte ein weiteres Messer aus seinem Umhang. Dieses war wesentlich sauberer als das anderer und bedeutend schärfer. Er wetzte es jeden Tag. Vorsichtig nahm er eine Phiole aus seinem Umhang und träufelte eine schäumige Flüssigkeit auf die Klinge. Es war der Geifer eines an der roten Tollwut erkrankten Fuchses gewesen, den er gestern erlegt hatte. Die rote Tollwut war eine der schlimmsten Krankheiten, die ein Tier bekommen konnte. Innerhalb von Minuten wurde das Tier wahnsinnig und höchstgefährlich für jeden. Noch dazu war die rote Tollwut hochansteckend und konnte nicht geheilt werden.
      Der Unbekannte nahm die Klinge und ritzte dem Hirsch vorsichtig über den Rücken. Sofort brach das Tier los und verschwand im Wald, zusammen mit seinen beiden Gefährten. Doch das war egal, schon ein kleiner Kratzer genügte.

      Es dauerte ungefähr eine Stunde, dann hörte der Unbekannte laute Schreie, das Ziehen von Schwertern und die Geräusche eines wilden Hirsches, die so unnatürlich verzerrt klangen, als ob sie direkt von einem Wesen kämen, dass nichts von dieser Erde war. Kurze Zeit später war Ruhe.
      Nur zehn Minuten später fand der Unbekannte die drei Leichen. Beide Männer hatten zwar ihre Schwerter gezogen, doch gegen einen so großen Hirsch, der mit der roten Tollwut infiziert war, hatten sie keine Chance gehabt. Einer von ihnen war niedergetrampelt worden, dem anderen war mit dem Geweih die Kehle durchbohrt worden. Rosyla Piper hatte es noch schlimmer erwischt gehabt. Ihr ganzer Brustkorb war aufgerissen worden und überall lagen ihre Eingeweide verstreut. Doch das war nicht alles gewesen. Der Hirsch hatte zusätzlich ihren Kopf aufgebissen und anhand der Bissspuren zufolge einiges abgeknabbert.
      Der Unbekannte lächelte kurz unter seiner Kapuze, danach glitt er wieder in den Wald zurück und war schon bald wieder komplett vom Nebel verschluckt.
      "The teaching, as you call it, is simply that there isn't to be a deserted or unhappy child in the world. In the end, that's the world's only security: children are the future, you see. If there were no unhappy children, then the future would be secure." - Kelderek (Shardik, p. 585)
      In dem Städtchen, dass sich am Fuße der Burg von Badgerset Hall an die Anhöhe schmiegt, ist der Markt noch immer in vollem Gange. Bauern und Krämer bieten ihre Waren feil, Käufer drängeln sich um die Stände, der Duft von gebratenem Hammel und Würsten zieht über den Marktplatz. Schuster, Kesselflicker und Scherenschleifer bieten ihre Dienste an. An einem kleinen Karrenstand schüttet ein gebeugtes Männlein mit knolligem Gesicht einen frischen Sack Rüben in seine Auslage. "Nun, Gevatter Foxfried? Was macht die Ernte? Gedeihen die Rüben?" Ein unwahrscheinlich dicker Mann steht vor dem Karren und nimmt prüfend eine Rübe in die Hand. Es ist Gutmund, einer der Köche seiner Lordschaft. Hin und wieder lässt der Küchenmeister es sich nicht nehmen, selbst auf den Markt zu gehen um sich die Waren anzusehen und vor allem - um seiner Schwatzhaftigkeit genüge zu tun. So auch heute. Gevatter Foxfried blickt mürrisch drein: "Fragt nicht nach den Rüben!" Küchenmeister Gutmund lacht: "Und warum nicht? hat man sie Euch wieder verhext?" Das Männlein verzieht sein Knollengesicht und schimpft: "Verhext? Oh nein! Bestohlen hat man mich. Fast ein dutzend Rüben haben sie mir ausgegraben! Kann man sich sowas vorstellen? So schlimm war's ja im Krieg nicht! Das hätt's unter Aerys nicht gegeben, dass man einem einfach so bei Nacht und Nebel die Rüben ausgräbt!" Der Koch sieht Gevatter Foxfried mit ungläubigem Erstaunen an. Hatte das Hutzelmännlein gerade eben ernsthaft behauptet, der Irre König hätte seine Rüben beschützt? "Wie dem auch sei...ich nehme einen Sack von denen da" Foxfried beginnt, einen Sack mit seinen besten Rüben zu füllen. Dem Küchenmeister seiner Lordschaft wagt er keine schlechte Ware unterzujubeln. Derweil brummelt er vor sich hin: "Rübendiebe...hat man sowas schon gehört. Graben einem nachts die Rüben aus dem Feld. Rübendiebe....die Götter mögen geben, dass ihnen allen Rübennasen wachsen!"

      Als Gutmund den Sack Rüben, den er seinem Küchenjungen auf den Rücken läd, bezahlen will, stockt ihm plötzlich der Atem. Die Börse ist fort. Also herrscht er den Jungen neben sich an: "Wo ist das Geld?" - "Aber Meister Gutmund, Ihr hattet die Börse" verteidigt sich der Junge. "Dann wäre sie ja noch da! Wo ist sie, hast du sie verloren? Du hast sie verloren, oder?" - "Nein, Ihr hattet..!" Es setzt eine klatschende Ohrfeige, noch bevor der Küchenjunge seinen Satz beenden kann. Gutmund setzt zu einer weiteren Schimpftirade an, als auch andere Marktbesucher plötzlich lauthals nach ihren Beuteln schreien.
      "Diebe, Rübendiebe, Beuteldiebe...die Zeiten werden immer schlechter, ich sag' es doch!" krächzt Gevatter Foxfried dazwischen. "Ich werde mich aber weil Ihr's seid diesmal mit Anschreiben begnügen."
      Die ersten Rufe nach der Wache werden laut. Und auch Gutmund, der Koch, ist entschlossen, den Vorfall zu melden. "Verfluchtes Diebsgesindel...am hellichten Tage!" schimpft er. "Wenn das seine Lordschaft erfährt...!" Der Küchenjunge sieht sich nun im Aufwind begriffen und wirft seinem Meister ein trotziges: "Ich sagte doch, dass ich die Börse nicht verloren habe" entgegen. Als Antwort setzt es gleich noch eine Ohrfeige: "Nur weil ich sie hatte, heißt das ja nicht, dass du nicht darauf hättest aufpassen können! Und jetzt schaff' endlich diese Rüben zur Burg!"
      "I swear, I will go to my grave thinking of my brother’s peach." (Stannis Baratheon)
      Loron I

      Loron war schlecht gelaunt, als er gerade Bear Island verließ, nur um wieder auf dem Weg nach Bear Island zu sein. Loron wollte gerne noch für ein paar Minuten dorthin zurück, doch er wusste, dass seine Laune dann nur schlechter werden würde und stand schließlich auf. Er sah, dass Arry schon wach war und mit einem Stock auf der Erde rummalte. Als er Loron wach sah, zerbrach er den Stock und stampfte auf der Erde herum, um seine Malereien unkenntlich zu machen. Arry trug sein langes Haar offen und hatte heute die Halskette seiner Mutter Sanna um den Hals. Ein einfaches Band mit einem aus Holz geschnitztem Herz und ein paar Muscheln. Ziemlich wertloses Stück. Es war das einzige in Arrys Haus, dass nicht von den Eisenmännern mitgenommen wurde, die Arrys Eltern töteten. Arry trug die Halskette nur an manchen Tagen. Lorons Laune besserte sich nicht dadurch, dass er einen von diesen Tagen vor sich hatte, aber Arry schien heute zumindest auch ziemlich schlecht gelaunt zu sein.

      "Arry, was haben wir noch?", fragte Loron. Arry sah nach.
      "Wir haben nur noch Geld dabei und davon nicht viel. Essen können wir es auch nicht", merkte Arry an.
      "Verdammt! Wie weit sind wir noch von der Stadt an Badgerset Hall entfernt?!",
      "wahrscheinlich 2 Tage... vielleicht 3", sagte Arry.
      "Mach einen daraus! Wir werden nicht schlafen, bis wir dort sind", beschloss Loron.
      "Könnt ihr uns nicht etwas jagen oder fischen?", fragte Arry.
      "Wir haben keine Bögen oder Armbrüste oder Angeln. Wir haben nur mein Schwert. Wenn ich damit nach nem Tier suche und ihm hinterherjage, bin ich viel zu schnell müde und habe keine Garantie, dass ich es fange. Wir gehen zur Stadt."
      "Das war mein Schwert. Ihr habt es euch nur genommen, weil euer Schwert gestohlen wurde."
      "Willst du etwa sagen, dass du uns damit besser beschützen könntest. Du bist nicht derjenige, der Ser Jonothor Darry im Tjost bezwingen konnte!" Loron wurde im selben Turnier von Ser Oswell Whent in nur einem Ritt geschlagen. Er erwähnte das lieber nicht, auch wenn darin keine Schande lag.
      "Dafür konnte meine Mutter euch im Duell bezwingen." Das stimmte. Loron war damals stockbetrunken. Er wusste nicht mehr, was er getan hatte, doch sie hatte ihn damals herausgefordert und er hatte verloren. Er hatte nie mehr mit ihr geredet und sie dort zum letzten Mal gesehen.
      "Da war ich noch so klein wie du. Ich war noch kein Ritter." Loron erwähnte auch nicht, dass Arrys Onkel ihn dafür zum Ritter geschlagen hatte, dass er sein letztes Bier bezahlte.
      "Stimmt, heute lasst ihr euch von einer Hausfrau mit nem Knüppel bezwingen", meinte Arry, wofür er sogleich eine Ohrfeige bekam. Er wollte bloß nicht an seine Schnappsidee in Kings Landing erinnert werden. Und erst recht nicht an die Frau mit dem Knüppel. Er hatte ihre Leiche neben sich gefunden, als er aufwachte. Seine Schweinehunde von Kameraden hatten zwar nicht gründlich nach Lebenszeichen von ihm gesehen, aber hatten ihn zumindest gerächt. Doch das bereitete Loron nicht gerade Freude. In seiner Erinnerung ähnelte sie Sanna, doch das taten alle Frauen für ihn.
      "Immerhin seid ihr noch stark genug, um ein Mädchen zu schlagen", entgegnete Arry.
      "Du bist jetzt still und läufst, sonst gibt es noch mehr", warnte Loron.

      Sie liefen schließlich los. Stunden vergingen. Vielleicht waren es drei oder sechs, vielleicht aber auch nur eine. Sie fanden einen Rübenbauern. Loron wollte ihm welche abkaufen, doch er wollte sie nie wieder irgendwem geben. Loron überlegte, ob er sein Schwert nutzen sollte, doch dann würde Arry nur noch mehr rumnörgeln. Lorons knurrender Magen war erträglicher, als ein Arry, der noch mehr rumflennt. Weitere Stunden später ist Arry gestürzt und Loron brachte sich dazu, ihn zu tragen. Loron musste Arry zumindest lassen, dass er nicht darum gebeten hatte. Arry hätte sich nicht tragen lassen, wenn es nicht anders gegangen wäre und Loron hätte ihn auch unter keinen anderen Umständen getragen. Sie kamen tatsächlich schneller voran, nachdem Loron ihn trug. Arrys Fliegengewicht verlangsamte ihn kaum und er musste nun nicht mehr darauf achten, dass Arry Schritt hielt. Auf dem Weg waren Leichen zu sehen. Der Krieg war vorüber, doch Westeros war tot. Nach weiteren Stunden waren sie endlich in der Stadt.

      "Siehst du, wir haben es endlich hierher geschafft. Ts, drei Tage! Das waren höchstens vier Stunden", prahlte Loron.
      "Das waren mindestens 20 Stunden! Wir werden diesen Ort gefälligst erst wieder verlassen, wenn wir genug Essen und Geld haben, um den Weg zur nächsten Stadt zu überleben", meinte Arry.
      "Fein. Aber du kannst nicht wissen, wie lange es dauerte. Du hast die meiste Zeit geschlafen", meinte Loron.
      "Dann will ich mich dafür bedanken, dass ihr heute tatsächlich solch beispiellos edle Ritterlichkeit gezeigt habt", sagte sie... verdammt, der Junge machte ihn noch verrückt. Loron ließ ihn runter. Es war gruselig, was für ein schönes Lächeln er hatte. Er ähnelte wirklich seiner Mutter, als sie noch ein bisschen jünger als Arry war, nur leider hatte sie ihn nie so angelächelt. Großartig, nun sah er sie auch in Knaben. Er sollte mal zu einem Maester gehen. Den Jungen würde er gleich auch zum Maester bringen. Arry betitelte sich selbst nicht nur als Mädchen, wenn er die Halskette trug, er bewegte sich auch völlig anders. Es war sehr subtil, doch wenn man so viel Zeit wie Loron mit Arry verbrachte, merkte man es. Loron hatte die Vermutung, dass Sanna vielleicht wirklich noch herumspukte und von ihrem Sohn Besitz ergriffen hatte und die beiden nun um die Kontrolle des Körpers kämpften. Mehrmals hatte Loron überlegt, ob er einfach die Kette zerstören sollte, um die Verbindung zu trennen, aber er brachte es nicht über sich, Sanna ein zweites Mal zu töten, falls seine Vermutungen richtig waren. Das erste Mal hatte er sie getötet, als er zuließ, dass sie diesen Schwächling heiratete, der sie nicht vor den Eisenmännern schützen konnte.

      Loron ließ Arry runter. "Dann gehen wir mal in ein Gasthaus, um etwas zu essen", schlug Loron vor.

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      Sie zogen langsam weiter. Natürlich langsam, denn das waren sie immer.


      Rübe blieb alle paar Ellen stehen und zupfte an einer sorgfältig auserwählten Grasnarbe, wodurch sich Reiter samt Sattel aus Sackleinen bedenklich gen Boden neigten. Dem Kurzen Sten schien es nichts auszumachen; Der Junge hatte die Statur einer Heuschrecke, wahrte aber die stolze Haltung eines Königs.
      Die Mägen des restlichen Reigens waren und blieben hingegen leer und Callah fing Andriks Blick auf, als er das grasende Maultier anstarrte.

      "Er wird nicht mit dir teilen," stellte sie fest. Niemand verstand nach welchen Maßstäben sich Rübe seine Mahlzeiten wählte, aber tat es entschlossen. So entschlossen, dass sie längst aufgegeben hatten ihn dabei anzutreiben.

      Andrik schüttelte den Kopf. "Das ist es nicht. Hast du dich nie gefragt, wie es wäre überall essen zu finden wo man auch den Kopf senkt? Der Boden überwuchert mit Hammelbraten, Kuchen an den Bäumen, Erbsensuppe in den Gräben. Einfach so."

      Sie zuckte mit den Schultern. "Rübe nach scheint an den meisten Stellen eher verbrannter Haferschleim zu wachsen. Und Menschen allein bleibt die Seelennahrung der Musik vorbehalten."

      "Ich hätte nichts gegen Hammel als Beilage zur Seelennahrung." erklärte Andrik. Rübe ließ endlich vom Grasbüschel ab, das sich in keiner Weise von den anderen tausend Grasbüscheln im Umkreis unterschied und sie setzten den Weg fort.

      "Hätten wir alle nicht, aber ein gewisser Sänger müsste hierzu seinen vorlauten Mund zähmen," sagte Callah.

      "Mein vorlauter Mund zieht Publikum an," widersprach Andrik.

      "Dein vorlauter Mund zieht Milchmägde aus, aber die können wir nicht essen." Der letzte Satz war zu schwer gesprochen für den leichten Umgangston den sie hielten und tat ihr augenblicklich leid. Aber sie trug die Verantwortung für den Sängerreigen so wie Ochse das Gepäck trug, das nicht auf den Karren passte - beides wollte sonst keiner haben.

      Umso überraschter war sie, als ihr Andrik die Hand auf die Schulter legte. Er konnte sanft sein, mit seiner Laute, mit seinen Gesten. Nur selten mit Worten. "Wir finden die nächste Siedlung, machen dich hübsch. Ich singe ein ebenso hübsches Lied, ohne Hirsch und Drachen und Wölfe darin und sie werden uns zu Füßen liegen."

      Sie nickte, getröstet und dankbar für seine Einsicht. Tiere in Liedern waren für Barden ebenso gefährlich wie Tiere in der Wildnis. Plötzlich allerdings sah sie auf und ihr Mund wurde schmal. "Augenblick. Was heißt hier mich hübsch machen? Ich bin hübsch."

      Andrik warf ihr einen langen Blick zu. Ihr Gesicht war schmutzig, die hellen Haare von der Reise verfiltzt, die fadenscheinige Reisekleidung schlotterte an ihrem Leib und hier und da hatten Zweige und Gräser rote Fäden in die Haut gerissen. "Aye, sehr hübsch, " sagte er ernst. "Aber ich dachte eine Frau die Geld verdienen möchte und keine Brüste hat, sollte das Vorhandene ganz besonders hübsch machen."

      Seine Flucht kam nicht überraschend und auch nicht, dass er dabei hastig das Maultier überholte. Überraschend war hingegen, dass er gegen den Rücken von Ochse prallte, der abrupt stehengeblieben war.

      "Siedlung," sagte Ochse. Und auch sie sahen es nun, den zarten Rauch über der Baumlinie und die roten Dachspitzen. Ganz nah.

      Callahs Rachsucht verflog und auch der Rest des Reigens erging sich in hektischen Vorbereitungen. Wo sie waren wechselten sie die Kleidung, packten ihre Instrumente aus. Ein Hornkamm ging durch die Runde und ein nasser Lappen und auch eine polierte Kupferscheibe in der man sich begutachten konnte. Ochse band sich sorgfältig seine Trommel um. Der Kurze Sten war für einen Augenblick verzweifelt, weil ihm die ersten Takte der Melodie nicht einfallen wollten, mit der sie üblicherweise einzogen. Callah war für einen Augenblick verzweifelt, weil sie nicht sicher war, ob ihr schmaler Geldsack für eine Einkehr reichen würde. Andrik verzweifelte niemals.

      Schließlich aber standen sie da, so herausgeputzt und glänzend wie es ging und mit so übertrieben frohen Minen wie man es von einem Sängertrupp eben erwartete. Ochse begann leise für alle den Takt zu schlagen und der Kurze Sten stimmte kurz Zeit später mit seiner Flöte ein. Barden die man sah, bevor man sie hörte waren ihr Geld nicht wert.

      Auf ein Zeichen von Callah setzten sie sich im Rhythmus der Musik feierlich in Bewegung.
      Freilich kamen sie keine zehn Schritte weit, bevor Rübe den Kopf senkte und begann zu kauen.
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.

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      Die Sitzung/Haus Rotfeld II
      Rorin machte sich auf den Weg zur "Halle". So nannte er scherzhaft den einzigen Raum auf der ganzen Burg, welcher groß genug war um dort eine Sitzung abzuhalten. (In Wirklichkeit war es mehr ein langgestreckter Gang, in dem ein ebenso langgestreckter Tisch untergebracht wurde.)
      Lord Armund hatte seine engsten Vertrauten zusammengerufen, um zu besprechen, wie Haus Rotfeld nun weiter handeln soll, nach dem sie keine Vasallen der Darrys mehr waren.
      Als er den Raum betrat, war Lord Armund mitten in einer Rede. Er unterbrach um Rorin zu Tadeln: "Wenn ich sage, die Sitzung findet am Morgengrauen statt, dann gilt das auch für dich!"
      Ohne etwas zu erwidern, setzte sich Rorin auf den Stuhl, den er schon bem letzten mal genommen hatte. Dies veranlasste Lord Armund seine Eröffnungsrede fortzusetzen. Rorin war so in Gedanken versunken, dass er gar nicht wirklich hinhörte. Stattdessen mussterte er die anderen Teilnehmer. Auf der einen Seite, war Platz für Lord Armunds engste Familie. Allerdings waren gerade einmal zwei der sechs Stühle besetzt. Zwei der lehren Stühle gehörten seinen zwei ältesten Söhnen, die am Trident gefallen sind, einer seiner Tochter, welche natürlich nicht an den Sitzungen teilnimmt und der letzte seiner verstorbenen Frau.
      "Auch wenn ihr Tod bereits zwölf Jahre zurückliegt, so hat sich Lord Armund bis heute keine neue Frau gesucht", ging es Rorin durch den Kopf.
      Auf Rorins Seite waren nur vier Stühle plaziert. Zwei Stühle links von ihm saß Lord Armunds junger Bruder, welcher die letzte Sitzung nur geschwiegen hatte und den Eindruck machte, dass er es bei dieser wieder so handhaben wird. Der Stuhl zwischen ihm und Rorin war auch frei.
      "Dieser muss wohl seinem Sohn gehört haben", mutmaßte Rorin. Rechts von ihm saß - wie auch schon beim letzten mal - die selbe, ihm völlig unbekannte Person. Er hatte eine durchschnittliche Statur, ein Allerweltsgesicht und er kleidete sich, als würde er aus dem einfachen Volk stammen.
      Seine Anwesendheit empfand Rorin als ungemütlich und dass er weder seinen Namen kannte, noch jemals seine Stimme gehört hatte, machte es auch nicht besser. Und auch diesmal saß er wieder mit diesem kalten, berechnenden Blick an dem Platz rechts neben Rorin.

      Plötzlich wurde Rorin aus den Gedanken gerissen. "... und was hältst du davon Rorin, als unser Haushofmeister?", hörte er Lord Armud fragen.
      "Nun, äh... Ich denke, ja.", antwortete Rorin, ohne überhaupt zu wissen worum es eigentlich ging. "Na wenn ich mich da mal nicht in die Scheiße geritten habe.", dachte er.
      Lord Armund verlor keine weitere Sekunde, das nächste Thema anzuschneiden. Er betonte nun jedes seiner Worte so, als ob sein Leben davon abhing, dass jeder ihn verstand: "Nun... Da wir nicht mehr Vasallen der Darrys sind, brauchen wir ein neues Haus, dem wir den Vasallen Eid schwören sollten." Er machte eine kurze Pause, so als ob seine nächsten Worte von noch größerer Bedeutung sein werden: "Nach langem Überlegen, habe ich mich dazu entschieden, dass wir Haus Stalwart den treue Eid schwören sollten."
      Plötzlich hörte Rorin ein Grummeln, dessen Ursprung links neben ihm war. Doch anstatt Widerworte zu geben, schwieg Lord Armunds Bruder weiterhin. Dennoch hatte es gereicht, um jeden in der Halle klar zu machen, dass er nicht mit der Entscheidung des Lords einverstanden war. Auch Rorin hatte bedenken, ob die Stalwarts geeignet wären, äußerte sich allerdings nicht dazu.

      "Ich werde jemanden brauchen, der stellvertretend für mich den Vasallen Eid schwört.",
      fuhr Lord Armund fort. "Solange ich keinem Baratheontreuem Haus angehöre, zähle ich als Verräter und bin somit Vogelfrei. Ich kann nicht einmal unser Hoheitsgebiet verlassen, ohne um mein Leben fürchten zu müssen. Also brauche ich jemand anderes, der diese Aufgabe für mich übernimmt."

      Nun machte Lord Armund eine längere Pause und starrte in die Runde, so als ob er erwartet, dass jemand sich freiwillig meldete. Dass sich nach einiger Zeit seine Miene verfinsterte, bestätigte Rorin's Eindruck.
      "Nun gut, wie wär es mit dir Rorin?", entfuhr es nun Lord Armund.
      "Ich dachte als Haushofmeister hätte ich auch andere Dinge zu tun, als immer nur Euren Laufburschen zu spielen.", entgegnete Rorin.
      "Du solltest immer daran denken, wer dich zum Haushofmeister ernannt hat. Ich könnte dich auch einfach aus deinem Amt entheben. Und das willst du doch sicher nicht?".
      Zähneknirschen lenkte Rorin ein:
      "Nun, scheint so als hätte ich keine Wahl. Allerdings ist der Weg nach Badgerset Hall gefährlich, ich bräuchte eine Eurer Wachen. Nur um sicher zu gehen, dass... dass ich meinen Auftrag auch ausführen kann."
      Lord Armund schien zu überlegen.
      "Ich kann leider keine meiner Wachen entbehren, da ich ständig aufpassen muss nicht...
      Allerdings fällt mir ein, dass vor ein paar Tagen ein Heckenritter hier eingetroffen ist. Ich hab ihm vorübergehend eine Unterkunft und etwas zu essen gegeben. Er wäre mir also noch einen Gefallen schuldig. Du findest ihn sicherlich unten bei der Taverne."

      Mit diesen Worten, machte Lord Armund eine Hanbewegung, die unmissverstäbdlich deutlich machte, dass die Sitzung nun zu Ende war.
      Nach und nach verließen alle Beteiligten die Halle, bis nur noch Rorin und der Lord übrig waren.

      Auch Lord Armund schien die Halle verlassen zu wollen und sprach nun in einem genervten Tonfall.
      "Hast du noch ein Belangen? Du solltest dich eigentlich beeilen, wenn du den Heckenritter noch halbwegs nüchtern vorfinden willst."

      "Ich spiel für Euch den Laufburschen, also hab ich es auch verdient zu erfahren, wer der Unbekannte ist, der immer an der Sitzung teilnimmt.", antwortete Rorin.
      "Das wirst du noch früh genug erfahren, werter Cousin. Bis dahin solltest du aber niemals unser Motto vergessen."
      Danach macht auch Lord Armund kehrt und verließ zielstrebig den Raum.

      Als sich Rorin auf den Weg zur Taverne machte, gingen ihm immer wieder drei Worte durch den Kopf.
      "Treue im Blut"
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      Haus Stalwart - Gunthram

      Von Ferne sah der alte Mann dem Treiben vor der Spelunke der Bergbausiedlung zu. Es kamen viele Besucher, denn heute gab es wieder einen Kampf. Er zog seinen schäbigen Mantel enger um den dürren Leib, denn es fror ihn im kühlen Nachtwind. Er beobachtete, wie die Männer aus den kleinen Holzhäusern kamen und sich in der Taverne sammelten. Auch manche Fremden aus der Stadt kamen auf Pferden. Sogar Wachen Lord Stalwarts konnte der Alte ausmachen. Sie schienen jedoch keine Aufmerksamkeit zu erregen. Offenbar waren sie nicht zum ersten Mal hier. Einer von ihnen ging am Stock. Trotz seines Alters hatte der Greis noch scharfe Augen. Und als er das Gesicht des Wachmannes im Feuerschein der Taverne besser erkennen konnte, wurde sein Interesse geweckt. Er machte sich auf den Weg.

      Im Innern der Taverne schlug den Besuchern ein beißender Gestank von Bier, Schweiß und Rauch entgegen. Die drei Wachleute drängten sich durch die Menge, um einen guten Platz zu ergattern. Der Kampf hatte gerade begonnen. In einem Holzpferch gingen eine massige Bulldogge und ein Wolfshund aufeinander los. Der Wolfshund hatte der Bulldogge die Rute abgerissen und so war der Boden bereits voller Blut, doch der Bullenbeißer schien es in seiner Wut gar nicht zu bemerken. Begleitet vom Geschrei der Zuschauer verbiss er sich im Bauch des anderen. Der Wolfshund versuchte nach dem Genick des kleineren Tieres zu schnappen, doch er war zu stark verletzt. Unter den malenden Kiefern der Bulldogge war die Bauchdecke aufgerissen und Gedärm quoll heraus. Die Männer, die auf den Wolfshund gesetzt hatten, schrieen vor Wut, die anderen johlten. Gunthram Stalwart beobachtete das Spektakel auf seinen Stock gestützt. Er fand keinen Reiz mehr an den Hundekämpfen. Früher hatten sie ihm Vergnügen bereitet. Er hatte selten verloren. Und selbst wenn...was für die Arbeiter einen Monatslohn bedeutete, war für ihn ein Taschengeld. Seine treuen Begleiter immerhin schienen sich an dem Spektakel zu ergötzen. Gunthram wusste, dass er ihnen vertrauen konnte. Sie würden ihn nicht verraten, dafür bezahlte er sie viel zu gut und vor allem - dazu wusste er viel zu viel über sie. Seit Jahren schon sorgten sie dafür, dass er nächtens die Burg verlassen konnte, ohne dass jemand davon Kenntnis nahm. Sie kannten Orte, an denen er Zerstreuung finden konnte und sie schwiegen darüber. Das war Gunthram durchaus Gold wert.
      Dass die stumpfsinnigen Kreaturen, die hier ihr hart verdientes Geld durchbrachten, ihn erkennen könnten, befürchtete er kaum. Sie schienen ihm kaum wacheren Geistes als Tiere.
      Während ein paar Burschen den Bullenbeißer mit Stangen von dem Kadaver des anderen Hundes fortprügelten und ihn in einen Käfig trieben, trank der falsche Wachmann mit seinen Kameraden.

      Noch während der eigentliche Kampf im vollen Gange war und sich die beiden grobschlächtigen Männer im Ring schwitzend und blutend mit bloßen Fäusten tracktierten, überkam Gunthram eine Welle der Übelkeit. Der Brantwein, den er hastig hinuntergestürzt hatte, rebellierte in seinem Magen. Auf seinen Stock gestützt, wankte er quälend langsam durch die tobende Menge und stürzte schließlich durch die Hintertür ins Freie. Lautstark übergab er sich auf den schlammigen Hinterhof.
      Als Gunthram bemerkte, dass jemand an ihn herangetreten war, war es bereits zu spät, seinen Dolch zu ziehen. Doch es war nur eine sanfte Hand auf seiner Schulter, die er spürte, kein Schlag, kein Stich. Erschrocken wandte er sich um. "Es ist törricht, sich einem dunklen Ort wie diesem so schutzlos auszuliefern, mein Junge." Der Alte sprach mit fester Stimme. Einer Stimme, die Gunthram erkannte, wenn auch die Gestalt, die er vor sich sah, sich stark verändert hatte."
      "Maester Marbal?" Der Alte schüttelt den Kopf: "Nennt mich nicht Maester. Das ist vorbei." Gunthram wischte sich über sein besudeltes Kinn: "Aber...Ihr hattet Euch doch doch vor Jahren zur Ruhe gesetzt? Ich dachte, Ihr wärt nach Altsass zurückgekehrt?" Marbal lächelte amüsiert: "Zur Ruhe gesetzt? Ist es das, was Euer Vater Euch erzählt hat? Nun, so kann man es vielleicht auch nennen. Ich bin fortgegangen...bin im Schatten gewandelt....So wie Ihr."
      Gunthram stützte sich auf einen Holzbalken, als ihn der - für einen Moment fast vergessene - Schmerz wieder durchzuckte. Er hielt sich den Kopf. Es schien ihm schlimmer denn je zuvor. Marbal legte ihm sachte die Hände auf die Schläfen: "Ich habe von Eurem Unglück gehört. Und nun sehe ich, wie Ihr leidet." Die Stimme des Alten wirkte seltsam beruhigend, die Berühung fast wohltuend auf Gunthrams Schmerz. "An diesem dunklen Ort werdet Ihr keine Linderung finden. Ihr müsst zum Licht streben, wenn Ihr nach Heilung sucht."
      Gunthram war des Geschwätzes des Alten Leid und suchte sich seiner Berührung zu entziehen, zu seinem Erstaunen jedoch bemerkte er, dass Marbal seinen Kopf mit ungeahnter Kraft umklammert hielt: "Ich kann Euch den Weg zum Licht zeigen. Ich kann Euch heilen, wenn Ihr mir vertraut." Marbals Stimme war nur mehr ein Flüstern: "Ich werde Euch Nachricht schicken, wie Ihr mich finden könnt. Doch nun, verlasst diesen finsteren Ort. Denn die Nacht ist dunkel und voller Schrecken."

      Ein Schwindel erfasste Gunthram Stalwart, so stark, dass er zu Boden ging. Als es endlich vorüber war, war der Alte fort. Und mit ihm der Schmerz.





      "I swear, I will go to my grave thinking of my brother’s peach." (Stannis Baratheon)

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      Haus Stalwart - Galswinth

      Dichte Morgennebel zogen über die Lichtung, die ein kleiner Trupp von Reitern soeben passierte. Zu dieser frühen Stunde war es noch empfindlich kalt. "Ich bin sicher, dass wir irre gegangen sind, Mylady". Die magere Zofe, die weder das Reiten noch das Reisen gewohnt war, klapperte beim Sprechen mit den Zähnen. "Wir sind nicht irre gegangen, Myriel. Wir befinden uns in den Wäldern bei Steinsepte und sollte in etwa zwei Tagen in Badgerset Hall sein. Vielleicht auch drei." Galswinth Stalwart schien die Kälte nichts auszumachen. Sie schien vielmehr davon erfrischt und belebt. Geschmeidig wie eine Weidengerte und hocherhobenen Hauptes saß sie auf dem Rücken ihres weißen Zelters. Das honigblonde Haar trug sie eng um den Kopf geflochten, einzelne Stränen klebten ihr nass auf der Stirn. In ihrem grünen wollenen Reitkleid und dem braunen Mantel aus Hirschleder, der mit Laub und Silberdisteln bestickt war, vor allem jedoch mit dem Langbogen, den sie über den Rücken geschnallt trug, wirkte sie wie die jungfräuliche Jägerin aus den Legenden.
      Begleitet wurde sie, neben ihrer Zofe, von einem halben Dutzend Wachen. Zwei davon waren Männer ihres Vaters, die sie zu Beginn der Rebellion in ihr Exil ins Grüne Tal begleitet hatten. Die anderen gehörten zum Haus ihrer Gastgeber, entfernte Verwandte ihrer Mutter.
      Es sei nicht sicher in den Flusslanden, hatte ihr Vater seinen Entschluss, sie fortzuschicken, begründet. Anfangs hatte sie sich mit Händen und Füßen gegen die Anweisung ihres Vaters gewehrt. Nur dem guten Zureden ihrer Brüder war es zu verdanken, dass man sie nicht gebunden auf einem Karren fortschaffen musste. Ihre Brüder..."mein armer, lieber, starker Godywn" dachte sie. "Dabei hast du mir doch versprochen, dass du als erster an den Toren sein wirst, um mich in die Arme zu schließen." Der Rabe hatte die Nachricht von Godwyns Tod überbracht. "Dunkle Schwingen, dunkle Worte..." dachte sie wehmütig. Und Gunthram...was mochte aus ihm geworden sein? Sie war nicht im Bilde, ob er genesen war. Sie hatte auch nichts mehr aus ihrer Heimat gehört. Keine Antwort auf ihre Ankündigung, zurückzukehren. Ob der Rabe sein Ziel überhaupt erreicht hatte? Oder war es ihrem Vater am Ende gar nicht recht, dass sie nach Hause kam? Einerlei. Sie hatte es beschlossen. Und an Galswinth Stalwarts Beschlüssen war niemals zu rütteln.
      Ein Rascheln im Gebüsch riss sie aus ihren Gedanken. Die Wachen hatten es auch bemerkt, doch bevor sie reagieren konnten, sprang ein Keiler heraus und preschte mitten in die Gruppe hinein. Rotschäumender Geifer floss ihm aus dem Maul, schon bevor er in wilder Raserei zum Angriff überging und dem Pferd eines Wachmanns im Sprung mit den Hauern die Flanke aufriß. Das Tier bäumte sich auf und warf seinen Reiter ab. Aus dem Dickicht preschten nun weitere Wildschweine aus der Rotte und auch sie schienen trunken vor Angriffslust und Zorn. Die Männer hatten ihre Waffen gezogen und drangen mit Schwerthieben auf den Keiler ein, der mit seinen Hauern schreckliche Stöße gegen die Pferde austeilte, wo immer er sie erreichen konnte. Selbst mit Schweinespießen wäre dem mächtigen Tier nicht einfach beizukommen gewesen. Der Kampf mit diesen ungeeigneten Waffen verlief umso hässlicher. Kaum dass sie den Keiler zu Fall gebracht hatten, attackierten die anderen Mitglieder der Rotte sie. Am Boden schrie ein Mann jämmerlich auf, als eine Bache ihm die Zähne ins Gesicht rammte. Einen Augenblick später surrte ein Pfeil durch die Luft und traf das Tier zwischen die Augen. Doch es bedurfte noch drei Weiterer Treffer, um das rasende Geschöpf endlich zu Fall zu bringen.
      Galswinth Stalwart hatte die Zügel von Myriels Pferd ergriffen und sie und sich selbst in sicheren Abstand zu dem Geschehen gebracht, ehe sie zur Waffe griff. Sie war eine ausgezeichnete Schützin und erfahren in der Jagd, wenngleich ihr freilich nie gestattet worden war, auf die Hatz nach Wildschweinen zu gehen. Hier, aus sicherer Entfernung, war der Bogen, der im Nahkampf völlig nutzlos gewesen wäre, ein tödliches Instrument in ihrer Hand. Und sie wusste es zu nutzen. Ein jüngeres Tier, dass sie verfolgte, brachte sie mit nur einem Schuss zu Fall. Das andere, das den gefallenen Reiter attackierte, schien in seinem Zorn kaum zu töten. Am Ende starb es doch.
      Schließlich wurden sie der Bedrohung Herr. Das letzte Tier ging, von Schwerthieben zerhackt, zu Boden. Galswinth lenkte ihr Pferd zurück zu ihren Wachen. Bestürzt sah sie auf das Blutbad, dass die Tiere angerichtet hatten. Ein totes Pferd, ein weiteres so schwer verletzt, dass sein Reiter es erlösen musste. Sie näherte sich dem am Boden liegenden Mann, den die Bache so übel zugerichtet hatte. "Mylady, nein, seht Euch das nicht an!" Ein Wachmann wollte sie aufhalten. Doch Galswinth schüttelte den Kopf und schob sich an ihm vorbei. Das Bild, dass sich ihr bot, war grausam: Das Gesicht des Soldaten war abgefressen worden, statt Nase, Augen und Wangenknochen war nurmehr rohes Fleisch und Knochensplitter übrig geblieben. Am meisten jedoch entsetzte sie, dass er noch zu leben schien. Er atmete röchelnd und stoßweise. Sie hörte Schritte hinter sich. Myriel eilte herbei. "Kyle? Wo ist Kyle?" rief sie verängstigt. Der Unglückliche, ein Soldat des grünen Tals, Kyle mit Namen, war Myriels heimlicher Verehrer gewesen. "Nein! Oh bitte bein!" Myriel heulte laut auf. Sie warf sich neben dem Verletzten zu Boden. Da mischte sich ein anderer Laut in das Wehklagen der Zofe. Noch ehe jemand eingreifen konnte, hob das Wildschwein, das mehrere Pfeile niedergestreckt hatten, den Kopf und schnappte nach der Dienerin. Es hatte nicht mehr die Kraft, sie schwer zu verletzen, doch riß es ihr mit seinen Hauern die Hand auf. Myriel schrie gellend, ein Wachmann zerrte sie fort und ein anderer trennte mit einem kräftigen Schwerthieb den Kopf vom Rumpf der Bache.

      Die anderen Soldaten versuchten, den Verletzten aufzuheben, doch er blutete so stark, dass jede Bewegung ihn dem Tode näher brachte. Der Hauptmann der Eskorte blickte zu Galswinth. "Wir können ihn nicht mitnehmen, Mylady. Er würde es nicht überstehen." Galswinth schluckte. Der Anblick erfüllte sie mit stummem Entsetzen. Schließlich schüttelte sie den Kopf. "Nein. Das können wir nicht. Wir können ihn aber auch nicht hier den wilden Tieren überlassen." Sie dachte daran, was ihr Vater ihr einst als Kind beigebracht hatte. Das man ein fühlendes Geschöpf nicht leiden lasse dürfe. Damals jedoch war es um eine angeschossene Hirschkuh gegangen.
      Galswinth blickte den Hauptmann entschlossen an: "Erleichtert ihm das Sterben." Sie reichte ihm ihren Hirschfänger, kniete sich neben den Verletzten und nahm dessen Hand. Der Hauptmann war offensichtlich überrascht. "Tut es jetzt, bitte!" Galswinth hatte Tränen in den Augen. Doch sie verschloss sie nicht, als der Hauptmann mit dem Dolch das Herz des Verwundeten durchbohrte und seinen Qualen ein Ende bereitete.

      Erst Myriels Weinen ließ sie aus ihrer Erstarrung an der Seite des Getöteten erwachen. Sie eilte zu ihrer Zofe. Myriel hatte ihre Hand in ein Tuch gewickelt. "Lass mich sehen!" befahl sie ihr. Als die Dienerin nicht reagierte, sah Galswinth selbst nach. Der Biss war nicht tief. Galswinth holte Verbandszeug aus ihrer Satteltasche. Sie goß Branntwein über die Wunde, was Myriel in ihrer Schockstarre nicht einmal zusammenzucken ließ und verband die Wunde mit Leintuchstreifen.
      Gerade wollte sie Anweisung geben, den Toten zu begraben, da drang aus dem Wald bedrohliches Geheul. "Mylady, das sind Wölfe! Ich weiß nicht, was mit den Tieren hier verdammt nochmal nicht stimmt, aber wir müssen hier weg, sofort. Wenn uns jetzt noch ein Wolfsrudel überfällt, dann..." Er beendete den Satz nicht. Galswinth unterbrach ihn: "Ihr habt Recht. Wir brechen auf!"
      "I swear, I will go to my grave thinking of my brother’s peach." (Stannis Baratheon)

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      Aus sicherer Entfernung betrachtete der Unbekannte das Geschehen. Es stimmte ihn sehr zufrieden. Die Bache war bereits dem Tode nahegewesen, ohne vorher auch nur einen Reisenden anzufallen oder zu töten. Der Wald bei Stoney Sept hatte sich innerhalb von nur zwei Wochen von einem nebligen, geheimnisvollen aber doch friedlichen Wald in ein gefährliches, todbringendes Gebiet verwandelt. Der Hirsch war wie ein Stein in einem dieser exotischen Spiele aus Essos gewesen - ein Spiel bei dem ein kurzer Stupser mit der Hand ausreichte, um eine ganze Kette an Steinen zu Fall zu bringen. Neben den drei Piper-Leuten hatte er einige Wölfe, Wildschweine und sogar einen Bären angefallen. Der Bär hatte ihm schließlich die Kehle zertrümmert und das Gesicht abgefressen und er war infiziert, noch bevor die Hinterhufen des Hirsches mit zucken aufgehört hatten. Anschließend hatte der Bär 33 Wanderer, 19 Pferde und vier Kühe getötet. Und schließlich war er auf ein wildes Wolfsrudel gestoßen. Das Zusammentreffen hatte in einem Gemetzel geendet. Die ganze Lichtung war noch immer mit Blut und Eingeweiden bedeckt und mit Stücken und Überresten, die keinem Tier zugeordnet werden konnten. Hunderte Aasfresser, Wildschweine und weitere Wölfe waren dadurch angelockt. Die rote Tollwut würde sich weit über den Wald hinaus ausbreiten. Und jetzt das.
      Die Dienerin des Stalwart-Welpen war von dem Wildschwein gebissen worden. Es war kein tiefer Biss, jedoch reichte der kurze Kontakt mit dem Geifer des infizierten Tieres aus, um die Krankheit zu übertragen. Der Unbekannte hatte die rote Tollwut lange studiert. Er hatte sie an unzähligen Tieren und Menschen getestet. Während kleinere Tiere wie Füchse, Mäuse oder Kaninchen schnell daran verendeten, konnten größere Tiere tagelang überleben, bis sie schließlich an ihrer Raserei zugrunde gingen, weil das Gehirn schließlich endgültig versagte. Beim Menschen dauerte es einige Stunden, ehe sich die rote Tollwut bemerkt machte. Es begann schleichend mit einer dauerhaften Müdigkeit, ständigen Schwächeanfällen und üblen Kopfschmerzen. Dann trat Schaum aus dem Mund und schließlich färbten sich die Augen rot. Dann wurde der Mensch meistens aggressiv und ging auf alles los, was in seiner Nähe war. Er verhielt sich wie Tier, biss zu wie ein Wolf ein Reh anfallen würde und kratzte wie eine Katze, bis die Haut seines Opfers in Fäden herunterhing. Und es blieb dabei, es gab kein Heilmittel gegen die rote Tollwut. Nur ein einziger Schutz existierte, ein spezieller Duft, der die kranken Tiere beruhigte und ablenkte. Der Unbekannte trug den Duft seit gut zwei Wochen. Es war zwar immer noch ein Risiko sich den Tieren zu nähern, doch warum sollten sie ihn angreifen, wenn es soviele lohnendere Ziele für sie in der Umgebung gab.
      Die kleine Gruppe Stalwarts brach auf, als sie die Wölfe hörten und ließen die Toten zurück. Keine fünf Minuten später machten sich die Wölfe über die Toten her. Auch sie waren bereits infiziert und wie durch ein Wunder hatten sie sich noch nicht gegenseitig getötet. Alle drei waren in einem sehr schlechten Zustand. Fäulnisgestank stieg von ihnen auf, rote Flüssigkeit lief ihnen aus den Augen und ihr Geifer blinkerte blutrot in der untergehenden Sonne. Überall hatten sie bereits Fell verloren und tiefe Kratzer, ein Zeichen, dass sie doch miteinander gekämpft hatten. Bald würden sie sterben. Für den Unbekannten war es Zeit den Wald zu verlassen. Seine Arbeit hier war erfolgreich gewesen, sehr erfolgreich. Mit etwas Glück würde die Krankheit sich noch weiter in den Flusslanden ausdehnen und zu einer Seuche werden. Doch viel interessanter für ihn war der Stalwart-Welpe. Er kannte dieses Haus gut, sogar sehr gut. Zu sehen wie ausgerechnet Haus Stalwart die rote Tollwut unter die Menschen bringen würde, brachte ihm tiefe Genugtuung und er würde auf keinen Fall verpassen wollen, wie die Sache weiterging.
      Ungeachtet der fressenden Wölfe nahm er seinen Stab und ging weiter.
      "The teaching, as you call it, is simply that there isn't to be a deserted or unhappy child in the world. In the end, that's the world's only security: children are the future, you see. If there were no unhappy children, then the future would be secure." - Kelderek (Shardik, p. 585)
      Loron II

      Loron wachte aus einem seltsamen Traum über Stahl und Rüben auf. Er sah sich im Zimmer um und natürlich war Arrys Bett leer. Konnte das Kind nicht einmal lange ausschlafen. Arry hatte das Holz seines Bettes bereits überall mit Einkerbungen verschandelt. Alberne Kritzeleine, die der Junge zweifellos als große Kunst verteidigen würde. Loron wollte dieses Mal weiterschlafen, doch Lärm kam von draußen. Nein, es war Musik. Und nicht unbedingt Musik, die man Lärm nennen konnte. Das Schlafen machte sie dennoch unmöglich. Loron stand schließlich doch auf und zog sich an. Loron machte sich auf nach draußen. Das Gasthaus war sehr nah am Rand der Stadt. Man konnte einige Höfe, weite Grasflächen und den Wald in nicht all zu großer Entfernung sehen. Loron sah eine recht kleine Gruppe, die eine Bardentruppe beobachtete, die auf die Stadt kam.

      Loron ging näher ran und sah auch Arry in der vordersten Reihe. Sein Haar hatte er mehr schlecht als recht zu einem Pferdeschwanz gebunden. Er hielt seine Halskette mit beiden Händen fest und hatte seine Augen geschlossen. Er wirkte fast, als ob er die Musik einatmen würde. Es lies den Jungen sehr romantisch wirken, aber zum Teil war auch seine immer noch vorhandene Müdigkeit Schuld an den geschlossenen Augen. Als die Barden stoppten, öffnete Arry die Augen und sah Loron. Er packte die Halskette hastig in seine Hosentasche. Loron klopfte ihm auf die Schulter und dann machte er einen Schritt auf die Musiker zu.

      "Das war wirklich nicht schlecht. Darf ich fragen, mit wem wir das Vergnügen haben?", fragte Loron.

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      Aus dem Volk II / Das Treffen
      Talesia saß im Schatten eines Baumes, der auf der anderen Seite der Stadtmauer stand. Das Mondlicht schien vom Himmel herab, aber nicht ein Lichtstrahl berührte ihre Haut, wäre dem so, hätte sie es sofort gespürt, was sie spürte waren die Augen die sie suchten. Schwarzhand war angekommen, sie atmete tief durch und kam aus ihrer Trance zurück. Das tarnen war nicht ungefährlich, aber sie durfte es auch nicht verlernen, sie war extrem wichtig für sie, wer konnte schon behaupten das er in der Lage war sich im Schatten zu verstecken?
      Schwarzhand sah sie nun und kam näher. "Wie schaffst du das nur?", wollte er wissen und setzte sich zu ihr.
      "Eine Technik aus meiner Heimat, dort kann das jeder Dieb der etwas auf sich hält, hier anscheinend nicht, interessiert?"
      "Das kostet doch wieder was."
      "Natürlich nichts ist umsonst auf dieser Welt. Also worum geht es und was weißt du, dass für gewisse Kreise interessant sein könnte?", wollte sie wissen und lehnte sich gegen den Baumstamm.
      "Es geht das Gerücht das Prinz Doran gewisse Pläne schmiedet. Pläne gegen den neuen König und dessen Verwandtschaft."
      "An Gerüchten sind meine Kunden nie interessiert, außerdem haben sie die garantiert schon selbst gehört, falls sie sie nicht sogar in die Welt gesetzt haben!" Dafür würde sie garantiert nicht ihr Leben aufs Spiel setzen, Lord Stalwart ging nicht zimperlich mit Dieben um und nur für ein paar Gerüchte die ein Hoher Herr vielleicht selbst gestreut hatte um einen anderen in Misskredit zu bringen, das war es beileibe nicht wert den Rest seines Lebens hinter Gittern zu verbringen. "Sonst was von Wert anzubieten?"
      Schwarzhand seufzte. "Eine Beteiligung an der Beute, 30%!"
      "40% für weniger kriegst du mich nicht mal in die Nähe der Burgmauer!" Sie streckte sich und sah sich um. Die Grillen hatten aufgehört zu zirpen, das war kein gutes Zeichen. "Was suchst du da drin überhaupt?"
      Schwarzhand winkte ab. "Informationen, Steine und Metall, das übliche halt."
      Talesia nahm wieder ihre Meditationshaltung ein, sie wurden beobachtet, das konnte sie spüren. "Triff mich morgen Mittag am Markt, dann sag ich dir wie ich mich entschieden habe." Sie konzentrierte sich wieder auf ihr innerstes, das dunkelste ihrer Seele, ihren Herzschlag, ihre Atmung, alles wurde langsamer und ruhiger, sie wurde mit der Dunkelheit eins. Sie spürte die Schritte durch die Erschütterungen des Bodens, schwere Schritte wie von jemandem der etwas schweres trug, wie eine Rüstung, wenn sie sich nicht täuschte und das tat sie eigentlich nie, dann waren das Wachen und morgen würde sie vergebens nach Schwarzhand auf dem Markt Ausschau halten.
      Nachdem sie sicher sein konnte wieder alleine zu sein, kam sie wieder aus ihrer Trance, stand auf, kletterte über den Baum zurück hinter die Mauer und machte sich auf den Heimweg. Sie würde morgen mal in der Burg nach Arbeit fragen, der gute Schwarzhand hatte nicht einfach nur Informationen gesucht, aber wenn sie wissen wollte was er gesucht hatte, dann musste sie das wohl oder übel selbst heraus finden.
      Lesen ist wie Schlafen und Träumen - der Mensch ist in einer anderem Welt: man soll ihn nicht wecken. - Richard Benz

      "Fan" - kommt von Fanatismus, insofern bin ich kein Fan, sondern eine Verehrerin der Bücher von GRRM und der Serie dazu.
      Das Feuer des Kamins prasselte leise und warf lange Schatten an die rußverschmierten Wände. Gwayne horchte dem Knacken des brennenden Holzes und fühlte, wie die Flammen die Wärme in seine Knochen zurücktrieb.
      eit Tagen hatte es ununterbrochen geregnet, der Boden war aufgeweicht und verschlammt und die Wege überschwemmt. Dies war im Frühling hier in den Flusslanden nichts ungewöhnliches und doch trug das Wetter nicht gerade dazu bei, seine Laune aufzuhellen.Nach einem Tag im Regen und auf dem Pferderücken war er dankbar für seinen Platz am Feuer und einen warmen Krug Kräuterwein.

      Seit gestern war er nun an diesem Ort, dieser Burg, die sich dieses Namens schämen musste. Er hatte auf einen besseren Empfang gehofft, wenigstens auf ein wenig Dankbarkeit. Immerhin war er aus reiner Nächstenliebe hier, oder zumindest versuchte er sich das einzureden. Klang besser als, er konnte sonst nirgendwo hin.
      Der Trident hatte ihm nichts gelassen. Er hatte seinen Harnisch mitsamt seinem Geldbeutel, einen seiner Stiefel, seinen prachtvollen Wappenschild und sein Pferd mit sämtlichen, darauf befindlichen Besitztümern gefressen, sodass ihm nur sein Schwert und die zerfetzten Lumpen geblieben waren, die er am Leibe trug, als er aus dem Strom gezogen wurde.Das bisschen Geld, welches er in seinem verbliebenden Stiefel fand, reichte für ein neues Paar Stiefel und eine Brustplatte, sowie ein klappriges Pferd, welches ihn den kurzen Weg nach Rotfest getragen hatte.

      Er hatte nicht lange überlegen brauchen. Ein Leben auf einer Burg verhieß Sicherheit und Ruhe, ein trockenes und warmes Dach. Und verdammt, er hatte es nicht zuletzt versprochen!
      Dennoch war alles anders gekommen, als Gwayne es sich ausgemalt hatte. Es stellte sich heraus, das Lord Armund ein geiziger alter Sack war, der offenbar nichts von Eiden und Versprechungen hören wollte, sondern nur ein weiteres Maul zum Durchfüttern sah. Letztendlich hatte er zugestimmt, Gwayne bis auf weiteres eine Arbeit zu geben. Der Maester war im letzten Jahr am Fieber gestorben und nach dem Krieg würde es dauern, bis ein neuer aus Altsaß eintreffen würde. Somit wurde der Briefverkehr, da sich kein Kundiger finden lies, per Pferd erledigt, eine Aufgabe, die Gwayne zugefallen war. So war er die halbe Nacht und den heutigen Tag nach Jungfernteich geritten, um einige Briefe an den dortigen Lord abzuliefern und im Gegenzug Anweisungen an Rotfels zu erhalten. Es waren offenbar ein paar gewichtige Dokumente dabei gewesen. Gwayne hatte das Hirschwappen des neuen Königs auf dem Siegel erkannt und er hatte sich gefragt, wie viel solche Domumente wohl dem richtigen Manne wert wären und warum Lord Rotfeld ihm wohl sowas anvertraute. Wahrscheinlich hatte er einfach keine andere Wahl gehabt.
      Ihm sollte es egal sein, er hatte sein Geld bekommen, mit dem er sich für ein paar Tage ein Zimmer und eine warme Mahlzeit leisten konnte. Und das war alles, was er für den Moment brauchte...

      Jäh wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als ihn ein junges Schankmädchen ansprach.
      "Hey, ihr, ihr seid doch ein Ritter, oder? Stimmt es, das ihr dort wart, am Trident, wo der Drachenprinz fiel?"
      Sie hatte hübsche grüne Augen und reizendes blondes Haar und erinnerte Gwayne an ein Mädchen in Möwenstadt, welches ihn seine Jungfernschaft geraubt und ihn für die nächsten Monate mit der Lustseuche geplagt hatte. Sie gefiehl ihm, zweifellos. Dennoch erwiederte er mit einem grimmigen Blick und einer knurrigen Stimme: "Aye, aber ich versichere euch, der Targaryen war nicht der Einzige, der an jenem Tag starb."
      Das Mädchen kaute an seiner Unterlippe herum und setzte sich auf den freien Stuhl vor ihm. Ihre Augen hatten noch jenen Glanz, welcher in diesen Tagen so selten zu finden war, Unschuld und Lebensfreude.
      "Ich weiß", erwiederte das junge Ding. "Mein Bruder ist dort gefallen. Lord Rotfeld hat gemeint, er sei als Held gestorben, aber Thorren hat gesagt, das er einen Verrätertod gestorben sei, weil er für die Drachen gekämpft hat."
      Gwayne gab sich nun wiederwillig der ungewollten Gesellschaft hin und musterte das Mädchen. Wirklich hübsch, vielleicht 16-17 Jahre. Mit Sicherheit noch Jungfrau. Er musste zugeben, das sie sein Interesse weckte. "Dein... Thorren hat keine Ahnung von Krieg und Königen, sag ihm das. Dein Bruder starb für seinem Lord und eure Familie, nicht für Verräter." Seine Worte waren barsch und weniger mitfühlend gewesen, als er beabsichtigt hatte, aber das Mädchen schien begeistert zu sein.
      Es fing an von Liedern und Rittermärchen zu erzählen, die es gehört hatte und Gwayne ließ sie reden und warf nur manchmal das ein oder andere Kommentar ein. Mit mehr Interesse widmete er sich dem Gerstensaft, von dem auch das Mädchen reichlich Gebrauch machte und welcher ihm das Gewäsch des Mädchens erträglicher scheinen ließ.

      Es war schon spät am Abend , als er sich erhob, um seinen dringenden Bedürfnis nachzukommen. Als er die Taverne verließ, war die Nacht sternenklar und der Mond schien sanft über die Dächer der kleinen Dörfchens, die noch vom Regen feucht waren. Er ging zum Stall, tat in einer dunklen Ecke der Mengen an Bier gut und sah nach, ob sein Pferd ordentlich versorgt war. Pech, so hatte er die hagere, kleine graue Stute genannt. Er war sich nicht mal völlig sicher, ob es sich überhaupt um ein Pferd handelte, da man bei manchen Licht in dem Vieh ebensogut einen Esel oder ein Maultier hätte erkennen können. Sie läuft besser, als man es vom Aussehen vermutet hätte. Somit passt sie ja blendend zu mir... Er fuhr mit seiner Hand über seine Fingerstummel.
      Pech bekam von ihm eine Hand voll Heu, auch wenn er gestehen musste, dass das wohl ein armseliger Lohn für einen ganzen Tagesritt war. "Morgen bekommst du einen Apfel, versprochen." Er streichelte der Stute über die Stirn und schaute in die eingefallenen, aber treuen Augen.
      Plötzlich hörte er das Stroh hinter sich rascheln. Er fuhr herum und sah, das ihm die Schankmaid gefolgt war. Ihr Gesicht war gerötet und sie torkelte sichtlich. Sie kam auf ihn zu und warf sich um seinen Hals. Sie flüsterte, halb lallte sie ihm ins Ohr: "Darauf hab ich solange gewartet, mein Ser. Mein strahlender Ritter!"
      Sie drückte ihre Lippen auf seine, eine süße Berührung, viel süßer als alles Bier am Abend zusammen. Er dachte daran zurück, wann er seine letzte Frau gehabt hatte. In Königsmund, am Abend, bevor das Heer nach Steinsepte aufgebrochen war. Ein großes Fest war in den Straßen gefeiert worden, so als hätte man den Krieg schon längst gewonnen. Bier und Sein flossen in Strömen und die Mädchen waren leicht und lüstern gewesen. Lüstern nach zukünftigen Kriegshelden. Er war der Held gewesen, das einzige Mal im gesammten verdammten Krieg. Der Held in ihm war bei Steinsepte gestorben, auf der furchtbaren Flucht zurück nach Königsmund und am Trident... Vorallem am Trident.

      Er schreckte zurück, als er ihre Berührung spürte. Er schaute sie an, sie war offensichtlich irritiert von seiner Reaktion. "Nicht hier", murmelte er ihr zu.
      Er nahm sie wieder mit in die Taverne, hoch in sein kleines Zimmer. Das Mädchen schaffte kaum die Treppe, strauchelte mehrmals, sodass er sie auffangen musste. Im Zimmer angekommen, fiel sie ihm wieder um den Hals und begann sich zu entkleiden. Dann überfiel es ihn plötzlich. Bilder tauchten auf, von kaltem Nass und heißen Blut. Er sah die reißenden Fluten des Tridents wieder und wie er ihm alle Wärme aus den Knochen trieb. Er hörte sein Pferd schreien, tötlich durchbohrt. Und er sah Kameraden sterben. Freunde, deren Gesichter er versucht hatte, zu vergessen, mit hängenden Gedärmen und eingeschlagenen Schädeln.
      Er riss sich los, stammelte etwas von Abtritt und verließ schleunigst das Zimmer.Er stürmte aus der Taverne und kam erst auf der Wiese hinterm Haus zum stehen. Tränen standen ihm auf den Wangen und sein Herz raste. Was ist nur los mit mir? Werde ich wahnsinnig? Hat mich der Krieg nun auch meiner Männlichkeit beraubt?
      Er kam langsam zur Ruhe und wischte sein Gesicht ab. Er atmete tief ein und machte sich auf den Rückweg. Als er das Zimmer betrat, fand er das Mädchen nackt schlafend in seinem Bett vor. Er deckte es zu, musterte sie ein letztes Mal. Fühlte er Reue, Bedauern, ob der verpassten Gelegenheit? Oder war es eher Erleichterung? Er beschloss, das es besser so war. Das Mädchen wäre als Jungfrau noch deutlich besser dran und auch er konnte in seiner vorläufigen Heimat keinen Bastard gebrauchen. Er hatte sich nichtmal ihren Namen gemerkt.

      Sein Reisezeug taugte für ein provisorisches Lager am Fuße des Bettes und Gwayne spürte jetzt erst, wie müde er eigentlich war. "Der Drachenritter wäre stolz auf mich.", dachte er mürrisch, kurz bevor seine Gedanken wegdämmerten.

      Viel zu früh kam der Morgen, in Person eines kleinen Mannes, der rüde die Türe aufschlug und Gwayne aus seinen Träumen riß. Er sprang auf und blaffte den Fremden an: "Was bei den dreckigen Göttern hast du hier verloren!"
      The living should smile, for the dead cannot.

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      Haus Stalwart - Galswinth

      Die Flucht durch die Wälder wurde für die kleine Gruppe von Reisenden zur Irrfahrt. Gehetzt von wilden Tieren kamen sie vom Weg ab. Und als sie ihn wiederfanden, warteten neuerliche Schrecken auf sie. Erschöpft und am Ende ihrer Vorräte kamen sie an ein Dorf. Den erfahrenen Soldaten udn auch Galswinth Stalwart wurde rasch bewusst, dass etwas nicht stimmte. Einige der kleinen Bauernkaten waren abgebrannt. Die anderen mit Brettern verrammelt. "Kann dies noch aus den Kriegswirren herrühren?" fragte Galswinth Chramn, den Hauptmann ihrer kleinen Eskorte. Der große Mann mit dem vernarbten Gesicht deutete auf einen Schornstein: "Möglich. Aber das Dorf ist nicht verlassen. Seht Ihr? Aus dem Kamin kommt Rauch. Irgendetwas ist hier faul."
      Galswinth warf einen Blick über die Schulter: "Aber wir brauchen dringend Rast. Myriel...es geht ihr immer schlechter." Tatsächlich konnte die Zofe sich nur noch mit Mühe auf dem Pferd halten. Ihre Augen waren glasig und ihr Gesicht glühte fiebrig.
      Galswinth deutete auf das Haus, aus dessen Schornstein Rauch aufstieg: "Seht nach, ob jemand aufmacht!" Die Männer taten, wie ihnen geheißen. Nichts regte sich. Galswinth schloss zu ihnen auf. Mit fester Stimme rief sie: "Öffnet die Tür. Wir sind Reisende und brauchen Wasser und Proviant. Wir bezahlen dafür! Bei den Sieben, habt Erbarmen und macht die Tür auf!"
      Est regte sich nichts. Dann jedoch drang eine Stimme von jenseits der Tür: "Das letzte was ich habe, brauche ich für mich. Ihr erlebt den Einbruch der Nacht ohnehin nicht mehr. Verschwindet, solang ihr noch könnt!"
      Wut ergriff die junge Frau: "Wir können die Tür auch einschlagen und uns nehmen, was wir brauchen!" - Die Stimme lachte höhnisch: "Das könntet Ihr wohl. Aber dazu bleibt Euch keine Zeit. Sie kommen, seht Euch nur um!"
      Augenblicklich wandten Galswinth und die Männer die Köpfe. Aus einigen der Katen kamen Menschen. Sie stolperten mehr, als sie gingen. Doch bewegten sie sich zielstrebig auf die Reiter zu. Rot schäumender Geifer troff ihnen aus den Mündern, ihre Gesichter verrieten, dass sie völlig von Sinnen waren. Aus dem Torkeln wurden Sprünge. Sie glichen auf beängstigende Weise den Tieren, die sie im Wald angegriffen hatten.
      "WEG HIER!" Chramn gab das Kommando und die Gruppe preschte los. Die Rasenden rannten, sprangen und wankten ihnen hinterher, doch sie konnten sie nicht einholen. Erst Meilen hinter dem Dorf kamen die Reisenden zum Stillstand. Galswinths Herz raste: "Was waren das für Menschen?" Chramn zog eine finstere Miene: "Ich weiß es nicht, Mylady. Aber sie haben mich an die Bestien im Wald erinnert."
      Nach einer weiteren Meile des Weges stürzte Myriel, die Zofe, vom Pferd. Sie fiel einfach, wie ein Sack, der nicht recht festgezurrt worden war. Die Männer hoben sie auf und legten sie quer über den Sattel.
      Des Nachts mussten sie schließlich am Ende ihrer Kräfte, verirrt in fremdem Gebiet, doch eine Rast einlegen. Glücklicherweise hatten sie den Wald hinter sich lassen können. Mit den Schatten der Bäume schien auch die Furcht von ihnen abzufallen. Auf einer Aue am Ufer eines Flusses schlugen sie ihr Lager auf.
      Galswinth war zum Fluss gegangen, um ihr schweißgebadetes Gesicht zu waschen. Das kalte Wasser tat ihr wohl und so streckte sie den ganzen Kopf unter Wasser. Zwei der Wachen, Hengest und Horsa, Brüder aus dem Grünen Tal, hatten ein paar Enten geschossen und brieten sie gerade über dem Feuer.
      Als Galswinth gerade das Wasser aus ihren nassen Zöpfen wrang, hörte sie vom Lager her lautes Stöhnen. Sie erkannte sofort Myriels Stimme. Galswinth sprang auf und eilte zurück.
      Die Zofe lag in Pelze gewickelt am Feuer. Galswinth beugte sich über sie. Sie brannte vor Fieber. Myriel schrie wieder und wieder panisch den selben Satz heraus: "Er ist hier! Er ist hier!" - "Schhhhh...Myriel. Niemand ist hier, nur die Wachen und ich." Doch die Zofe warf sich hin und her und verdreht die rotgeäderten Augen: "Er ist hier! Der graue Mann! Er sieht uns!"
      Ein glucksendes Lachen überkam sie. Dann fiel sie wieder ins Delirium.

      "Mylady? Hier. Ihr müsst etwas essen." Chramn reicht Galswinth ein Stück gebratene Ente. Galswinth nahm die Speise und aß. Ausgehungert wie sie war achtete sie nicht darauf, dass ihr das Fett über's Kinn lief und ihren Umhang beschmutzte. "Wenn wir nicht bald Hilfe finden, wird sie sterben." sagte sie leise. Chramn zog die Brauen zusammen. "Das kann man nicht wissen, Mylady." Galswinth schüttelte den Kopf: "Ihr wisst das so gut wie ich. Ich war noch ein Mädchen, als im letzten Winter die große Grippe ausbrach. Aber ich habe Menschen daran sterben sehen. Auch meine Mutter. Ich weiß, wie ein tödliches Fieber verläuft." Der Hauptmann blickt ins Feuer. "Ich habe die Karte studiert. Wenn dieser Weg der richtige ist, dann führt er nach Rotfeld." Galswinth blickt ihn entgeistert an: "Das ist wohl kaum der richtige Weg!" Chramn runzelt die Stirn: "Es ist ein Weg, der aus dieser verhexten Wildnis heraus führt. Alles ist besser, als weiter diese Wälder zu durchstreifen. Falls wir Burg Rotfeld erreichen können, werden wir dort Aufnahme finden. Und einen Maester. Und vielleicht kann er Eure Dienerin noch retten."

      Am nächsten Morgen war Myriels Zustand unverändert. Sie konnte längst nicht mehr reiten, also mussten sie sie wieder wie eine Last über dem Pferderücken transportieren. Galswinth trieb ihren Tross zur Eile an. Sie schienen die verfluchten Wälder tatsächlich hinter sich gelassen zu haben. Kein Geschöpf, weder Tier noch Mensch, attackierten sie mehr. Und wie Chramn gemutmaßt hatte, sahen sie gegen Mittag die Burg Rotfeld aufragen.
      Als sie dort angelangten, ritten sie an einem Tross von Bauernkarren vorbei, die auf Einlass warteten. Dolch Galswinth dachte nicht daran, zu warten. Sie hieß die Bauern zur Seite drängen und ließ Hengest an die Tore klopfen.
      Ein Mann erschien oben auf der Mauer: "Wer verlangt Einlass an den Toren von Burg Rotfeld?"
      Galswinth ritt vor und schlug die Kapuze zurück: "Lady Stalwart von Badgerset Hall und ihr Gefolge! Öffnet das Tor und meldet seiner Lordschaft, dass wir um die Gewährung des Gastrechts bitten!"
      "I swear, I will go to my grave thinking of my brother’s peach." (Stannis Baratheon)

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      Sie zogen in das Städtchen ein und auch Rübe fand auf dem gestampften Boden keine sprießenden Gründe mehr um sie aufzuhalten.

      Es war ein gutes Städtchen, was bedeutete, dass die Einwohner nicht hungriger wirkten als sie selbst und die Burg, die über der Siedlung thronte versprach sogar eine oder zwei Münzen mehr - wenn sie es auch nur sehr leise und als Frage versehen versprach. Dem Kurzen Sten gingen die Augen über, vor lauter neuen Eindrücken und er hatte die Mühe darüber sein Flötenspiel nicht zu vergessen. Den ein oder anderen kleinen schiefen Ton machte allerdings die Begeisterung auf dem noch kindlichen Gesicht wett.
      Callah und Andrik lächelten hingegen viel und grüßten und nickten beim Spiel den Leuten zu, die ihnen entgegenkamen. Man hätte an ihren Mienen ablesen können, wem sie sich gerade angenehm machten, denn alle paar Schritt zerfloss Callahs Lächeln von verträumt zu herausfordernd während sich Andrik nicht zu schade war respektvoll eine Matrone zu grüßen um, kaum hinter ihren Rücken gelangt, der heranwachsenden Tochter zuzuzwinkern. Sie sammelten keine Münzen, noch nicht, sondern verteilten ihre Musik wie Mohnblumensaft in viel zu kleiner Dosis. Die Zeit um Münzen zu sammeln würde am frühen Abend kommen, wenn sich der Tag zurückzog, Mühsal im Gepäck, und den Leuten mehr Platz für Empfindungen ließ - und weniger Zeit bis zum Schlaf um ihre Gaben zu bereuen.
      Schließlich stellten sie Gesang und Trommel völlig ein und ließen ihren Gang nur noch von stilleren Tönen begleiten. "Am Stadtbrunnen zu Sonnenuntergang," hörte sie Andrik antworten. Eine rüstige Frau hatte seinen Ärmel ergriffen. "Stadtbrunnen, abends," echote der Kurze Sten freundlich von seinem hohen Rübenrosse in die Menge.

      So wie die Leute beim Klang der Musik gekommen waren, zögernd, ein wenig wie Tierchen, nicht sicher ob sie ein Leckerbissen oder eine Falle erwartete, verstreuten sie sich langsam wieder und trugen die Nachricht heim. Callah wusste, dass sie kommen würden. Vielleicht der Junge mit den langen Haaren und großen grünen Augen, der seine Halskette zu umklammern schien, während er ihnen lauschte. Die alte Frau, die sich vermutlich an die Tänze ihrer Jugend erinnerte und die junge Witwe in Erinnerung an ihren gefallenen Mann. Aber wichtiger als die mit Erinnerungen wären die, die bei ihrer Musik Vergessen suchen würden. Vergessen des Krieges.

      Andrik war wieder auf gleicher Höhe mit ihr, als sie die kräftige Stimme hörte. Aufmerksamkeit war gut, sehr gut sogar, aber der Sprecher offenkundig schon bessere Tage hinter sich, das Gesicht eines Kriegers und auch seine Arme und sein Schwert. Es war ein Anblick den Callah zu fürchten gelernt hatte und sie wurde sich Ochses Gegenwart in ihrem Rücken bewusster. Andrik sah ihren Gleichmut zwar kaum merklich flackern, aber sie gab ihm kein Zeichen, dass sie den Mann wiedererkannte - sei es nun weil sie jemandem Geld, eine Zunge oder Rüben schuldig geblieben wären. Also verbeugte er sich tief.
      "Vielmehr hat der Sängerreigen das Vergnügen, Ser. Callahs Sängerreigen, um genau zu sein," sagte er. Die Genannte schenkte dem Fremden über ihre Laute hinweg ein Lächeln, nachdem Andrik ihm einen Titel geschenkt hatte. Die Sieben allein wussten, ob es wirklich ein "Ser" war.
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      Arry I

      Arry war durch Lorons Ankunft überrascht. Er fragte sich, ob Loron gestern oder heute morgen noch getrunken hatte. Arry glaubte nicht, dass das der Fall war, doch er war nicht nah genug, um seinen Atem zu riechen. Er befürchtete das schlimmste, als sein Herr auf die Sänger zukam. Glücklicherweise schien Loron nicht direkt streitlustig zu sein. Der Sängerreigen schien locker zu bleiben und der Mann mit der Laute verbeugte sich sogar. Loron lächelte darüber.

      "Ser Loron von Bear Island. Das hier ist mein Knappe", stellte sich Ser Loron vor und deutete zu ihm.
      "Arry ist mein Name. Danke für die Musik. Es war wirklich schön", sagte er. Wenn Loron schon beide in den Vordergrund stellte, konnte Arry sich wenigstens schon einmal bedanken.
      "Wir können wirklich froh sein, dass ihr es zu solchen Zeiten hierher geschafft hat. Dort draußen ist es gefährlich", meinte Loron.

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      Ihr Blick wanderte zum Knappen hinüber. Hübsch war er, auch wenn an ihm nicht viel mehr Fleisch war als am Kurzen Sten. Im Gegensatz zu Andrik, der die Dinge bodenständiger sah und dem Dank nicht viel bedeutete, wenn er nicht gerade in Münzen oder einem warmen Leib zum Ausdruck kam, freute sie sich aufrichtig über seine Worte. Sie hatte dem Sänger die Wortführerschaft überlassen, also blieb sie beim Schweigen - vorerst. Doch ihr Lächeln wurde eine Spur wärmer, sie strich eine helle Strähne hinter das Ohr zurück und nickte Arry leicht zu.

      Also doch ein Ser, dachte sie, als der Ritter sich vorstellte. Aber als er von Gefahr sprach, huschte ihr Blick unwillkürlich zu ihm selbst. Callah nannte die Kämpfer, die sich nach dem Krieg noch keinen rechten Platz gefunden zu haben schienen "Scherben" - ihres größeren Ganzen beraubt, verstreut und gefährlich. Manchmal konnte man Scherben etwas von der Erhabenheit ansehen, die ihnen innegwohnt hatte bevor sie am Krieg zerbrochen waren, aber Ser Loron wirkte nicht wie diese Sorte Mann.
      Sie merkte, wie genau Andrik seine Worte abwog um sie nicht völlig wehrlos zu zeigen ohne sie zeitgleich der Lächerlichkeit preis zu geben. Sie waren für jeden offensichtlich keine geübten Kämpfer, nicht einmal Ochse.
      "Schwer zu widersprechen, Sire," sagte Andrik. "Die Wälder sind dunkler geworden und wir sind heute allesamt froh über ein Dach. Aber wir haben den Fluch und den Segen recht wertlos zu sein," sagte er leichthin, "und zudem Ochses schwere Faust." Es war nicht schwer zu erraten, wen er meinte. Ochse stand teilnahmslos und mit verschränkten Armen etwas abseits der Gruppe, sein Blick verlor sich irgendwo zwischen den kleinen Häusern.
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