Warum Buchfans die Serie hassen

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      Warum Buchfans die Serie hassen

      Zunächst einmal entschuldige ich mich für den reißerischen Titel. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass längst nicht alle Buchfans die Serie verachten ;) Mir geht es hier aber um ein ganz allgemeines Thema, das mir schon lange im Kopf herumgeistert und das ich gerne verschriftlichen und diskutieren möchte. Warnung: Es wird jetzt sehr allgemein und ein wenig philosophisch.

      Die Ausgangssituation stellt sich dar wie folgt: Eine generelle Unzufriedenheit (einiger) Buchleser mit der Serie beobachte ich besonders hier im Forum schon lange. Ganz verallgemeinernd stelle ich fest, dass vor allem Abweichungen zur Buchvorlage bemängelt werden – mit verschiedenen Begründungen. Klassischerweise ärgern sich Buchfans über Logiklöcher, grobe Vereinfachungen der Serienmacher oder Weichspülung einiger Charaktere.
      Diese Abweichungen von der Buchvorlage haben sich über die Zeit gehäuft und nun mit Ende der fünften Staffel und vor Beginn der sechsten zeichnet sich eine völlige Trennung der Serie von der Vorlage ab, was die weitere Entwicklung der Geschichte angeht. Ich möchte an dieser Stelle zwei Thesen aufstellen:
      1. Der altbekannte Ärger der Buchfans über die Abweichungen der Serie basiert nicht primär auf den angegebenen Begründungen (Logiklöcher, Vereinfachungen etc.), sondern ist vor allem ein Ärger über die bloßen Abweichungen an sich.
      2. Und hier kommt quasi die Begründung von These 1: Mit jeder Abweichung stellen die Serienmacher die „Realität“ der Buchreihe infrage.

      These 2 braucht vermutlich noch weitere Erklärung. Ich glaube, jede Geschichte lebt in gewisser Weise davon, dass sie in einer Art fiktionalen Realität stattfindet. Natürlich ist jedem Leser und Serienschauer bewusst, dass die Welt der Geschichte fiktional ist. Dennoch lebt jede gute Geschichte davon, dass sie in einem in sich konsistenten Universum stattfindet und die Illusion einer parallelen Realität entsteht – gerade in komplexen Fantasywelten à la Song of Ice and Fire.

      Nun haben wir also die Buchreihe als fiktionale Realität, in der man sich als Leser liebend gern verliert. George R.R. Martin ist anerkannter Gott dieser Realität, ihm gestehen die Leser zu, die Welt zu erschaffen und die Geschichte zu erzählen.
      Mit der Serie kommt zunächst eine Art Verfilmung aus dem gleichen fiktionalen Universum hinzu; das stellt an sich noch kein Problem für den Hardcore-Buchfan (no offense) dar. Das Problem tritt erst auf, wenn diese fiktionale Welt gewissermaßen gespalten wird: Wenn die Serie von der Buchreihe abweicht. Das rüttelt an der Illusion des in sich konsistenten fiktionalen Universums. Diese Illusion ist aber (so nehme ich zumindest hier an) Teil der Freude, die man aus A Song of Ice and Fire zieht.

      Einige Buchleser sagen nun, dass sie die endgültige Spaltung von Buchvorlage und Serie ab Staffel 5/6 begrüßen, da sie nun keine Spoiler mehr zu fürchten haben. Hinzu kommt, so denke ich, dass es außerdem einfacher fällt, den „psychischen Stress“ auszuhalten, der entsteht, wenn man zwei abweichende Erzählungen aus dem gleichen fiktionalen Universum rezipiert (ich übertreibe möglicherweise, aber der Punkt wird hoffentlich klar).
      Es tritt nun mit der Spaltung von Buch und Serie allerdings ein weiteres Problem auf: Die Geschichten finden vielleicht in unterschiedlichen erzählerischen Welten statt, diese Welten sehen sich aber so ähnlich, dass man nicht um die (sinnlose) Frage umhin kommt, welches denn nun die „echte“ oder „legitime“ fiktionale Welt sei. Es ist kann schließlich unbefriedigend sein, zwei unterschiedliche Versionen einer Geschichte zu hören. Buchleser, die die Buchreihe bereits vor der Serie verfolgt haben, werden vermutlich auch Georges Version den Vorrang geben; für sie ist diese Version die einzig echte. Damit kommt die Serie allerdings nicht über den Status einer Fanfiction hinaus, die gleichzeitig doch im Territorium der Buchreihe wildert.

      Ich könnte das Ganze jetzt sicher noch weiter ausführen, aber ich hoffe, dass mein Anliegen bis hierher irgendwie klar geworden ist. Selbstverständlich wird das oben Beschriebene nicht jeder so empfinden, viele haben vermutlich kein Problem damit, Serie und Buchreihe jeweils für sich stehen zu lassen. Ich persönlich habe aber hiermit mal die Gelegenheit genutzt, meine Bedenken bezüglich der Spaltung von Buchreihe und Serie ausführlich zu beschreiben. Darüber hinaus glaube ich, dass viel Unmut über Abweichungen der Serie zur Vorlage auf die oben aufgeführten Gründe zurückgeht.

      Nun würde mich interessieren, ob dem irgendjemand zustimmen kann oder ob ihr andere Erklärungen habt.
      Du stellst hier einen simplen Doubleblind auf, demnach es unmöglich ist gerechtfertigerweise irgendetwas an der Serie als Verfilmung zu kritisieren.
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.
      Bevor ich das durchlese und mich vielleicht dazu äußere (Maegwins Post deutet daraufhin, dass es da nicht soviel gibt); könnte das bitte in den Serienbereich verschoben werden? Soweit ich mich erinnere hätten wir hier die Linie gemischte Themen im Serienbereich zu besprechen.
      "The teaching, as you call it, is simply that there isn't to be a deserted or unhappy child in the world. In the end, that's the world's only security: children are the future, you see. If there were no unhappy children, then the future would be secure." - Kelderek (Shardik, p. 585)
      Für mich als Buchfan ist es kein Problem wenn die Serie vom Original abweicht, anders ginge es auch gar nicht.

      Zum Problem wird es erst, wenn sie es auf unnötige oder gar dumme Art und Weise tut, wie in der gesamten letzten Staffel (und Staffel 4 eigentlich auch schon).

      Da muss man gar nicht groß Tiefenpsychologie betreiben, wenn es mit Dorne, Olly, Littlefingers Sansaplan und Deus Ex Brienne aktuell so viele Dinge in der Serie gibt, die einfach schlecht gemacht sind und teilweise so offensichtlich keinen Sinn ergeben, dass selbst Walking Dead daneben wie eine wohldurchdachte Dramaserie wirkt.
      Dieser Beitrag wurde bereits 17 mal editiert, zuletzt von "Ser Twenty of House Goodmen" (Vor einem Moment)
      Dann hast du mich missverstanden. Ich behaupte nicht, dass Kritik per se ungerechtfertigt ist.


      Nein, ich glaube nicht, dass ich dich missverstanden habe - deine These beinhaltet die Möglichkeit schlicht nicht, dass der geäußerte Kritikpunkt keinen weiteren dahinterstehenden Grund hat.

      Also andersrum:

      Lässt du die Möglichkeit zu, dass Buchfans die Serie wirklich auf Grund der angegebenen Begründungen nicht mögen und falls ja - nach welchen Kriterien triffst du eine Unterscheidung?
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.
      Deine These trifft vermutlich sogar zu, ziesek — auf einen sehr kleinen Teil der Buchfans, die die Serie hassen.

      Tatsächlich gibt es wohl viel mehr Gründe — eben fast so viele wie Buchfans, die die Serie hassen. :P

      Dann gibt es noch Buchfans, die die Serie lieben, gut, ok oder meh finden. Oder denen sie egal ist.

      Und um es jetzt noch komplizierter zu machen: nicht jeder, der die Serie kritisiert, hasst sie.
      ---QUOTES from George R.R. Martin
      • “In real life, the hardest aspect of the battle between good and evil is determining which is which.”
      • “I have an instinctual distrust of conventional happy endings.”
      Okay, verstehe worauf das abzielt. Für mich stellt sich das aber eher so dar:

      Eine Familie hat zwei Töchter, sagen wir eine ältere (Buch) und eine jüngere (Serie). Die ältere ist fleißig, liebenswürdig, offen, sehr gebildet und nicht oberflächlich. Sie schiebt sich nicht in den Vordergrund, hat nur einen kleinen Freundeskreis, der weiß was er an ihr hat (manchmal braucht sie etwas zu lange für gewisse Dinge, weil ihre Eltern sie nicht genügend unterstützen). Und jetzt kommt die jüngere Tochter, die zwar optisch ansprechender ist, aber sie ist oberflächlich, gemein und eher faul. Doch gerade durch ihre Oberflächlichkeit und einer großen Klappe hat sie einen viel größeren Freundeskreis und immer wenn man von der Familie spricht, wird bloß sie gelobt und die ältere Tochter so nebenbei erwähnt. Dabei macht die jüngere Tochter bloß das gleiche wie die ältere (sagen wir beide Kochen). Unterstützt wird sie dabei nicht nur von den Eltern, sondern hauptsächlich von zwei Onkels, die zwar keine Ahnung von gutem Essen haben, aber viel Geld. Anfangs läuft das noch ganz gut, sie kocht das gleiche wie die ältere Tochter und beide verkaufen ihr Essen. Es schmeckt sowohl dem Freundeskreis der älteren als auch der jüngeren Tochter ganz gut. Irgendwann fängt jedoch die jüngere Tochter an die Rezepte ihrer älteren zu verändern. Statt natürlichen Zutaten verwendet sie jetzt nämlich Glutamat, Geschmacks- und Farbstoffe, sowie künstliche Aromastoffe. Das schmeckt dem Freundeskreis der jüngeren Tochter immer noch sehr gut, derjenige der älteren fängt jedoch langsam an die Nase zu rümpfen. Irgendwas ist falsch an diesem Geschmack, das Essen der älteren Tochter schmeckt ihnen viel besser. Und die jüngere Tochter wird immer dreister, denn sie merkt, dass ihr neues Essen einfacher zu machen ist und viel mehr Freunde anlockt, also nimmt sie immer mehr Glutamat, Geschmacksstoffe, Aromastoffe, etc. Der Freundeskreis der älteren Tochter wendet sich endgültig ab, da es ihm nicht schmeckt und kritisieren ihr Essen, die jüngeren jedoch verstehen das nicht, ihnen schmeckt es ja und sie gehen auf den Freundeskreis der älteren los, da sie nicht verstehen können, warum es ihnen nicht schmeckt. Ihr Argument ist, weil sie nicht genau das Rezept der älteren Tochter befolgt, sondern ein neues kreiert. Sie können nicht verstehen, dass die älteren künstliche Zutaten doof finden und egal wieviel da hinzukommen das Essen macht es nicht besser, eher im Gegenteil.
      Und dann beginnt das Dilemma: die Eltern vergessen ihre ältere Tochter, haben aber den beiden Onkels viel Geld mitgegeben, sodass die jüngere Tochter jetzt sich auch neue Rezepte kreieren kann, die jedoch noch fürchterlicher schmecken, da sie eigentlich kein Talent zum Kochen hat und bisher nur deshalb gut war, weil sie die Rezepte ihrer älteren Schwester verwendet hat. Doch sie hat damit ihren Freundeskreis so derartig geblendet, dass der gar nicht mehr in der Lage ist den schlechten Geschmack zu erkennen, sondern bloß das Argument bringt, sie seien enttäuscht, weil sie nicht mehr die Rezepte ihrer Schwester verwendet. Doch das eigentlich schlimme ist für den Freundeskreis der älteren Tochter, es kommen Rezepte zum Vorschein, die eigentlich die ältere Tochter verwenden wollte und jetzt die jüngere verwendet, nur eben mit diesem ekelhaftem künstlichen Zeugs. Sich davon abzuwenden ist fast unmöglich, denn obwohl die ältere Tochter noch immer ihre eigene Küche und eigenen Saal hat, wo ihr Freundeskreis wartet, kommen immer wieder Leute des anderen Freundeskreis vorbei und nerven rum.

      Ähm ja dieses wirre Gleichnis ist meine Theorie, warum Buchfans, die Serie mittlerweile nicht mehr leiden können.
      "The teaching, as you call it, is simply that there isn't to be a deserted or unhappy child in the world. In the end, that's the world's only security: children are the future, you see. If there were no unhappy children, then the future would be secure." - Kelderek (Shardik, p. 585)
      So. Das waren jetzt Goldmarie und Pechmarie am Kochtopf. Und nun warten wir auf Frau Holle, die den beiden Onkels mal ordentlich die Federbetten um die Ohren kloppt. :D
      "You retreat into the walls of your civilization because you are too weak to stand before nature as part of the natural environment. Instead of living as partner to nature, man hides behind his civilization, curses and defies true life, distorts his environment to accommodate his own failings. Beware that your environment does not strike back from all your blasphemies, for that day mankind shall be snuffed out like the unnatural freak man is!"
      "Two Suns Setting", Karl Edward Wagner
      Ich mag die Serie und die Bücher, allerdings habe auch ich mit der Serie manchmal meine Probleme z.B die Sansa/Ramsay Storyline. Ansich finde ich nicht schlimm das es sowas gibt, aber warum macht man es so unfassbar dumm??? Warum zur Hölle muss Sansa wissen, dass Roose ihren Bruder ermodet hat? Sansa hätte Ramsay auch mit dem Wissen heiraten können, dass Roose leidiglich ein früherer Freund und Bannermann ihres Bruders war. So wäre der ganze Handlungsstrang auch viel spannender , da die Arme zu keinem Zeitpunkt wüsste in welche Gefahr sie sich begeben hat. Oder kann mir irgendjemand sagen, warum es storytechnisch wichtig ist, dass Sansa von Roose Verrat weiß? Ramsay hätte ihr es genauso während oder nach der Hochzeitnacht erzählen können. Das hätte die Situation dramatisiert und Sansa nicht wie einen totalen Trottel aussehen lassen. Das "Rachemotiv", das Petyr ihr am Anfang von Staffel 5 aufschwätzt, ist nämlich totaler Müll. Du willst Rache? Also heirate am besten die Person in einer von Feinden besetzten Burg, lass dich von ihr vergewaltigen und am besten auch noch schwängern. Rache kann ja so süß sein.

      Gegen logische Änderungen hingegen habe ich nichts. Ich fand z.B. den Margarey/Cersei Konflikt in der Serie spannender und fand es gut, dass Loras mehr in den Fokus gerückt wurde. Generell finde ich Margaery in der Serie viel interessanter. Auch neue Charaktere wie Ros fand ich gut, da durch Ros einfach sehr viele wichtige Charaktere wie Theon, Petyr, Varys und Joffrey gut charaktersiert wurden. Eine Miranda hingegen war wiederum eine schwachsinnige Ergänzung, die Ramsays Charakter sehr unstimmig und schwach wirken lässt.

      Ich verstehe z.B. auch nicht, warum viele Zitate von Sandor Petyr in den Mund gelegt wurden. Weiß jemand was das sollte??? Gerade Sandors Kindheitsgeschichte ist doch so zentral für die Beziehung zwischen ihm und Sansa.

      Daher lässt mich die Serie oft mit einem großen Fragezeichen zurück. Ich begreife die meisten Änderungen einfach nicht ?(
      There is no justice in the world. Not unless we make it.
      Ich weiß wir befinden uns - nach moderativem Eingriff - im Serienbereich, wäre aber dankbar wenn sich die Spoilerdichte in Grenzen halten würde - das wäre nämlich durchaus eine Diskussion der ich gern folgen würde. Naja. Erstmal.
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.

      Maegwin schrieb:

      deine These beinhaltet die Möglichkeit schlicht nicht, dass der geäußerte Kritikpunkt keinen weiteren dahinterstehenden Grund hat.

      Also andersrum:

      Lässt du die Möglichkeit zu, dass Buchfans die Serie wirklich auf Grund der angegebenen Begründungen nicht mögen und falls ja - nach welchen Kriterien triffst du eine Unterscheidung?


      Zugegeben, ich habe in meinem ersten Post den Mund ziemlich voll genommen. Daher muss ich jetzt ein wenig zurückrudern. Ich denke nicht, dass meine Thesen auf jede Kritik an der Serie anwendbar ist. Ich habe darüber hinaus auch keine klaren Unterscheidungskriterien. Dennoch glaube ich, dass meine Thesen zumindest unterschwellig eine Rolle spielen. Vielleicht klang das gestern bei mir etwas abgehoben und möchtegern psychologisch, daher versuche ich mich an einer Zusammenfassung meines Kernpunktes:

      Wenn Autoren eine Geschichte schreiben, dann schaffen sie damit eine eigene Welt, gewissermaßen eine eigene Realität. Wenn nun eine Serie kommt, die sich von ihrer Vorlage trennt, dann wird die Sache irgendwie beliebig - unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Serie ist. Fantheorien beispielsweise könnten in der einen Version wahr sein und in der anderen falsch - das ist ein unbefriedigender Zustand für Fans, besonders die der ersten Stunde. Obwohl die Realität der Geschichte fiktional ist, hängt doch einiges davon ab, dass sie einzigartig ist, eben nicht beliebig. Daher würden wir auch kaum akzeptieren, wenn jemand anderes als George R.R. Martin die Buchreihe zu Ende bringt.
      Ich behaupte nicht, dass es allen so geht, vielleicht kommen viele auch gut mit dieser Vielfalt klar. Ich habe vielmehr versucht, meinen eigenen Intuitionen auf den Grund zu gehen und eine einigermaßen kohärente Theorie daraus zu machen.

      Ser Erryk schrieb:

      Ähm ja dieses wirre Gleichnis ist meine Theorie, warum Buchfans, die Serie mittlerweile nicht mehr leiden können.


      Ich finde dein Gleichnis gut, denn es spiegelt noch einen weiteren wichtigen Punkt wider: Die Serienversion ist in den Augen vieler Fans einfach schlechter als die Buchversion. Ob mein oben genannter Punkt jetzt nur hinzukommt oder ob er der wahre Grund hinter der Kritik an der Serie ist, darüber lohnt es sich - wenn überhaupt - nur im Einzelfall zu streiten.

      ziesek schrieb:

      Einige Buchleser sagen nun, dass sie die endgültige Spaltung von Buchvorlage und Serie ab Staffel 5/6 begrüßen, da sie nun keine Spoiler mehr zu fürchten haben.

      Ich habe diese Trennung anfangs auch befürwortet und war sehr auf die Handlung in Dorne gespannt. Mittlerweile packt mich aber das Grauen, wenn ich bedenke, dass D&D noch mehr Dinge wie den Winterfell-Strang, Dorne oder Briennes Geschichte umsetzen können. Nichts gegen eine eigene Geschichte, aber die Umsetzung war einfach grottig und zeigt für mich, dass Benioff und Weiss komplett aufgeschmissen sind, wenn sie keine Vorlage haben. Schlimm finde ich übrigens auch, wenn die beiden von ihren Änderungen reden. Für mich klangen sie in Interviews schon einige male so, als würden sie ihre Veränderungen für eine Verbesserung gegenüber der Buchvorlage halten.
      Spoiler anzeigen
      ​Einmal haben sie geäußert, dass sie Stannis nie mochten. Das erklärt für mich die Demontage, die Stannis in Staffel 5 erfahren hat.


      Die beiden kochen nicht nur künstlich, sie spucken auch noch auf das Original.
      Bei uns im Norden werden die Gesetze der Gastfreundschaft noch immer in Ehren gehalten. ~ Roose Bolton

      Brigthroar schrieb:

      Nichts gegen eine eigene Geschichte, aber die Umsetzung war einfach grottig und zeigt für mich, dass Benioff und Weiss komplett aufgeschmissen sind, wenn sie keine Vorlage haben.


      Was mich jetzt interessiert wäre: Macht es wirklich nichts aus, dass sie sich eine eigene Geschichte stricken? Also klar, dir geht es um die mindere Qualität der Serie, wenn sie von der Vorlage abweicht. Aber angenommen, D&D hätten eine ebenbürtige oder sogar bessere Version geschaffen. Dann gäbe es immer noch zwei Versionen der ursprünglich gleichen Geschichte. Ist das an sich nicht schon eine ziemlich blöde Situation? Oder anders gefragt: Könnten D&D überhaupt von der Vorlage abweichen ohne dabei zwangsläufig Fans zu vergrämen? Und ist es in dieser Hinsicht prinzipiell überhaupt möglich für GoT, besser zu sein als ASoIaF?

      Das sind keine rhetorischen Fragen, ich würde wirklich gerne wissen, wie ihr das seht.

      ziesek schrieb:

      Was mich jetzt interessiert wäre: Macht es wirklich nichts aus, dass sie sich eine eigene Geschichte stricken?

      Nicht prinzipiell. Für mich persönlich ist Staffel 2 da ein gutes Beispiel. Danys Handlung in ACOK ist etwas arm an dramatischen Szenen,daher ist es für mich nachvollziehbar ihre Handlung für das Medium TV zu dramatisieren (zB Drachenraub). Oder, dass der Theon/Winterfell Strang stark gekürzt/vereinfacht wurde, ist verständlich,da in einer 10-Episoden Staffel eben nur begrenzt Platz für neue Charaktere etc ist. Als Buchfan war ich von diesen Änderungen enttäuscht, konnte sie aber durchaus verstehen.
      Wenn die Serie allerdings die Vorlage dermaßen verschandelt,wie in Staffel 5 geschehen,dann ist es sehr ärgerlich.
      It`s not easy to be a birdplane.

      Ich muss meine Reaktionen haben dürfen!
      Der Theon-Strang in Season 2 ist tatsächlich ein Beispiel für eine sinnvolle Veränderung: statt Reek die ganze Arbeit machen zu lassen, steht Theons Konflikt viel stärker im Vordergrund, noch dazu war das alles extrem gut gespielt. Was dann die ständigen Theon in der Folterkammer-Episoden in Season 3 sollten, wissen wohl nur D&D...
      Aber dafür war seine Story in Staffel 4 war ganz gut gemacht (und relativ buchnah).

      Positiv fand ich auch die Entscheidung, den High Sparrow als Figur etwas mehr zu beleuchten.

      Dany fand ich in Season 2 allerdings kaum besser als im Buch - Where are mah dragons! Dafür fand ich ihre Story in Season 1 sogar fast stärker als die Buchvorlage - ich empfand es auch als realistischer, dass ihre Hochzeitsnacht ihr kein Vergnügen bereitet. Nicht, dass ich so etwas gerne sehen würde, aber ich die entsprechende Buchpassage war für mich immer eher abstrus.

      Ansonsten sind für mich leider so gut wie alle inhaltlichen Änderungen zum Buch bisher tendenziell doof (Robbs Untergang, Neds Dummheit) bis katastrophal (Dorne, Ramsansa, Olly, Stannis!!).
      Dieser Beitrag wurde bereits 17 mal editiert, zuletzt von "Ser Twenty of House Goodmen" (Vor einem Moment)

      ziesek schrieb:

      Macht es wirklich nichts aus, dass sie sich eine eigene Geschichte stricken?

      Da es sich mit der Vorlage in einigen Handlungssträngen eh erledigt hat, dürfte das eigentlich bei keinem ein Kritikpunkt sein. Das Wie hingegen schon.

      ziesek schrieb:

      Aber angenommen, D&D hätten eine ebenbürtige oder sogar bessere Version geschaffen. Dann gäbe es immer noch zwei Versionen der ursprünglich gleichen Geschichte.

      Das ist doch bei einer Buchverfilmung prinzipiell das Ziel ?(

      ziesek schrieb:

      Ist das an sich nicht schon eine ziemlich blöde Situation?

      Wie gesagt, die Situation hat jede Adaption.

      ziesek schrieb:

      Könnten D&D überhaupt von der Vorlage abweichen ohne dabei zwangsläufig Fans zu vergrämen?

      Irgendjemand wird immer verärgert sein. Trotzdem kann man Änderungen noch nach ihrem Sinn bewerten. Ist es legitim, wenn Bronn Jaime anstelle des schweigsamen Henkers trainiert? Durchaus, zumal Illyn Paynes Darsteller wegen einer Krebserkrankung ausgeschieden ist. Sind Unlogik und platte Charaktere in Ordnung? Das würde ich auch nicht bei einem Originaldrehbuch nicht verzeihen.

      ziesek schrieb:

      Und ist es in dieser Hinsicht prinzipiell überhaupt möglich für GoT, besser zu sein als ASoIaF?

      Ist ein Vergleich von so unterschiedlichen Medien sinnvoll? Nein, weil die Möglichkeiten völlig unterschiedlich sind. Natürlich könnten D&D jetzt anfangen eine Geschichte zu erzählen, die die nächsten Bücher in die Tasche steckt, aber das halte ich für unwahrscheinlich :rofl:
      Bei uns im Norden werden die Gesetze der Gastfreundschaft noch immer in Ehren gehalten. ~ Roose Bolton

      Brigthroar schrieb:

      Das ist doch bei einer Buchverfilmung prinzipiell das Ziel


      Natürlich endet man strenggenommen bei jeder Verfilmung bei einer neuen Version. Ich meine aber, dass die Situation hier in dieser Hinsicht besonders ist: Die Abweichungen wurden nicht nur immer größer und substantieller, es zeichnet sich jetzt ab, dass der Verlauf der gesamten Erzählung sich spaltet. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Buchvorlage nicht zu Ende erzählt ist. Zugespitzt könnte man sagen: Wir haben hier zwei konkurrierende Versionen der ursprünglich gleichen Geschichte und die ehemalige Vorlage hat nicht mal einen zeitlichen Vorsprung vor der Verfilmung. Das allein ist doch schon eine unbefriedigende Situation - von der qualitativen Unterlegenheit der Serie mal ganz abgesehen.
      Die Änderungen der Serie im Vergleich zur Buchvorlage, die hier bisher als positiv aufgezählt wurden, schätze ich eher als unbedeutend für den Erzählungsverlauf als ganzen ein. Bei jeder großen, substantiellen Änderung (und ich weiß jetzt nicht, ob D&D den gleichen "Endzustand" der Geschichte wie Martin anstreben) muss man sich doch irgendwie entscheiden, welche der Versionen man eher akzeptiert. Das wäre zumindest zu diesem Zeitpunkt meine These. Kann ja sein, dass anderen dieser Konflikt so gar nicht einleuchtet.

      baelish91 schrieb:


      Daher lässt mich die Serie oft mit einem großen Fragezeichen zurück. Ich begreife die meisten Änderungen einfach nicht ?(



      Das geht mir ähnlich, allerdings habe ich dazu auch eine Theorie:
      Ich glaube, das Hauptproblem ist tatsächlich, daß die Serie die Bücher überholt. Es ist durchaus vorstellbar, daß einige der seltsamer anmutenden Änderungen gemacht wurden, da es klar war, daß dieser Zustand früher oder später eintreffen würde.
      Sprich; die Macher haben sich sehr bewusst recht früh mitunter ziemlich weit von der Vorlage entfernt.
      Hier wurden einfach schon die Weichen gestellt, um relativ unabhängig von der Vorlage agieren zu können, bzw. ohne konkrete Vorlage weitermachen zu können.
      Wer keine Fehler macht tut zu wenig!
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      "Mit dem Gehirn denkt man, dass man denkt. Außerdem wird es für die Kopfschmerzen gebraucht. Es sitzt im Kopf direkt hinter der Nase. Wenn man niest, tropft es. Das Gehirn ist ein sehr empfindliches Organ. Die meisten Leute benutzen es deshalb nur ganz selten!" - Schüler, vierte Klasse