Bundestagswahl 2017

      The Dragonknight schrieb:


      Man könnte es auch so sehen, dass 10.000 € ein ziemlich günstiger Preis für ein Haus sind, oder nicht? Zumal dieses auch erst einmal einen gewissen Wert bzw. eine gewisse Größe haben muss damit die Erbschaftssteuer überhaupt anfällt. Der Freibetrag pro Kind bei der Erbschaftssteuer beträgt schließlich 400.000 €.

      Wenn die Eltern innerhalb von 10 Jahren sterben sind das aber nur noch 200.000 Euro.
      Und wie gesagt, ich musste meine ganze Kindheit über auf alles Mögliche verzichten. Ich habe dieses Haus 20 Jahre lang mit finanziert. Und wenn ich nichts auf der hohen Kante gehabt hätte, dann wär das Haus futsch gewesen.
      Ich halte die liberale Auffassung davon, dass das Primäreinkommen das wiedergibt, was erarbeitet wurde, auch für ziemlichen Unfug. In einer extrem arbeitsteiligen Wirtschaft kann man nicht wirklich eine Grenzproduktivitätsrechnung anstellen. Fährt der Lokführer den Bankvorstand nicht zum Arbeitsplatz kann dieser genau 0,00 Euro erwirtschaften, inwiefern also welcher Erwerbstätige wieviel Anteil am Gesamteinkommen hat, ist nicht bewertbar.

      Dementsprechend sehe ich es auch als absolut gerechtfertigt, überproportional zu besteuern. Ab einem gewissen Einkommen nimmt das Glück ja in der Regel ohnehin nicht mehr zu.

      Beschwerden darüber (was nicht an dich gerichtet ist, Dragonknight) kann ich auch einfach nicht nachvollziehen, da es den Zahlern des Spitzensteuersatzes in aller Regel finanziell schon sehr gut geht.

      Zudem, wenn man wie die FDP immer wieder Vorstöße Richtung Flattax macht, gehört eigentlich Alles auf den Prüfstand. Den Kinderfreibeträge bieten für hohe Einkommen oft netto größere Entlastungen als die Kindergeldzahlungen einem Niedrigverdiener bringen. Die höchste Gesamtbelastung mit Steuern UND Abgaben haben die Einkommen knapp unter und knapp über der Spitzensteuersatzgrenze da in diesen Bereich auch die gesetzliche Krankenversicherungspflicht fällt und etwas höher die Beitragsbemessungsgrenzen der anderem Versicherungen liegen. Kapitaleinkommen (insbesondere auch Mieten) werden ja eh geringer besteuert, auch davon profitieren eher hohe Einkommensklassen...
      All dies gehört dazu gesagt, wenn man über dieses Thema debattiert, was wenig verwunderlich von FDP-Seite aber immer kurz gehalten wird.

      Edit: Pervers ist aber schon, dass die Grenzsteuersätze in den angesprochenen Einkommensklassen um 40-50k teilweise über 100% liegen aufgrund der Abgaben- und Steuerdoppelbelastung.

      Was Substanzsteuern angeht, so finde ich zumindest die Erbschaftssteuer absolut gerecht (das sage ich auch als Jemand, der vermutlich nicht zu knapp Immobilienvermögen erben wird), allerdings sind sie tatsächlich technisch nicht praktikabel. Die alte Vermögenssteuer hat bis zu einem Drittel des Aufkommens für die Bürokratie gekostet. Die Bewertung des Vermögens udt einfach zu kompliziert. Daher stimme ich Maegwin auch hier zu, dass Quellensteuern da deutlich praktischer sind.

      @Thinkerbelle: Mit persönlichen Einzelbeispielen kommt man da aber nicht weit. Ich meine sorry, aber ob der Verzicht in deiner Kindheit ein ganzes Haus aufwiegt?
      Das meiste Vermögen ist ohnehin Mehrgenerationenvermögen. Und durch die Kapitaleinkünfte steigt das Vermögen in jeder Generation und zementiert die Ungleichheit, denn bei den 50% die kein Vermögen haben, kann ja nichts steigen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Grunkins“ ()

      Grunkins schrieb:

      Das meiste Vermögen ist ohnehin Mehrgenerationenvermögen. Und durch die Kapitaleinkünfte steigt das Vermögen in jeder Generation und zementiert die Ungleichheit, denn bei den 50% die kein Vermögen haben, kann ja nichts steigen.

      Zementierte Ungleichheit, soso.
      Mal wieder Einzelbeispiel, aber mein Vater war der erste seiner Familie der eine Universität besuchte. Davor gab es für Jahrhunderte "nur" Landwirte und Handwerker.
      Es ist Quatsch, dass sich bei uns nur die "Eliten" bereichern könnten.
      It`s not easy to be a birdplane.

      Ich muss meine Reaktionen haben dürfen!
      Eine Flat Tax birgt aus meiner Perspektive den Vorteil, dass sie den im Grundgesetz verankerten Gleichheitssatz erfüllt: Alle Menschen haben ab einem speziell definierten Freibetrag einen identischen Steuersatz von ihren Einkünften (Einkommen, Mieteinnahmen, Zinsen, Spekulationsgewinne, Unternehmensgewinne usw.) zu entrichten. Da die Flat Tax allgemeingültig und somit für alle Menschen verbindlich wäre, gäbe es folglich auch keine Steuerschlupflöcher mehr, von denen heutzutage vor allem die Personen mit dem kompetentesten Steuerberater profitieren, was ich für ausgesprochen ungerecht erachte.

      Eine Flat Tax würde zudem bedingen, dass das Steuerrecht für die Menschen transparent und nachvollziehbar wird. Außerdem würden die Simplifizierung und Komprimierung des Steuersystems, die mit der Initiation einer Flat Tax verbunden wären, zu einem exorbitanten Abbau einer kostenintensiven/steuerfinanzierten Bürokratie führen. Ich vernahm einst, dass die 33 000 Paragrafen des deutschen Steuerrechts mithilfe einer Flat Tax auf 146 Paragrafen reduziert werden könnten!
      dass sie den im Grundgesetz verankerten Gleichheitssatz erfüllt


      Ähm, nein.

      Der Gleichheitssatz bedeutet, dass alle Personen unter den gleichen Voraussetzungen ohne Ansehung der Person rechtlich gleich behandelt werden müssen. Nicht, dass alle gleich behandelt werden müssen. Du musst nicht ins Gefängnis um gleich behandelt zu werden wie der Nachbar, der eine Bank ausgeraubt hat.
      Selbstverständlich ist das Steuerrecht lächerlich komplex und sollte dringend vereinfacht werden. Allerdings ist es nicht deswegen lächerlich komplex um den kleinen Bürger zu ärgern, sondern auch weil es mittlerweile einen Differenzierungsgrad erreicht hat, von dem jedes andere Recht einschließlich des Strafrechts nur träumen kann.
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.

      Maegwin schrieb:


      Zudem wird nicht ganz zu Unrecht angenommen, dass der überproportional Verdienende von der Infrastruktur die Deutschland bereitstellt auch tendenziell überdurchschnittlich profitiert.


      Man darf auch nicht vergessen, dass überproportional Verdienende deutlich schneller in Bereiche kommen, in denen sie Steuererleichterungen (aus)nutzen können. Außerdem haben sie die bessere Beratung, um Schlupflöcher zu finden.
      Von "cum-ex" Geschäften gar nicht zu reden. ;)


      Maegwin schrieb:


      Selbstverständlich ist das Steuerrecht lächerlich komplex und sollte dringend vereinfacht werden. Allerdings ist es nicht deswegen lächerlich komplex um den kleinen Bürger zu ärgern, sondern auch weil es mittlerweile einen Differenzierungsgrad erreicht hat, von dem jedes andere Recht einschließlich des Strafrechts nur träumen kann.


      Naja, es versucht eben auch eine Abstufung für die jeweilige Lebenssituation zu schaffen. Es spiegelt die gesellschaftliche Sichtweise wieder. Daher werden zum Beispiel einigermaßen verdienende Singles extrem besteuert, während Familienväter stark entlastet werden.

      Edit: Zitat repariert!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Springer“ ()

      Naja, es versucht eben auch eine Abstufung für die jeweilige Lebenssituation zu schaffen. Es spiegelt die gesellschaftliche Sichtweise wieder. Daher werden zum Beispiel einigermaßen verdienende Singles extrem besteuert, während Familienväter stark entlastet werden.


      Soll das Zustimmung, Widerspruch oder eine Ergänzung sein?
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.

      Der Gleichheitssatz bedeutet, dass alle Personen unter den gleichen Voraussetzungen ohne Ansehung der Person rechtlich gleich behandelt werden müssen. Nicht, dass alle gleich behandelt werden müssen. Du musst nicht ins Gefängnis um gleich behandelt zu werden wie der Nachbar, der eine Bank ausgeraubt hat.


      Von einem progressiv verlaufenden Steuertarif halte ich persönlich wenig, denn Spitzenverdiener zahlen de facto ohnehin nur selten den von einem solchen Steuertarif vorgeschriebenen Spitzensteuersatz, da sie oftmals in der Lage sind, sich "arm zu rechnen". All dies wäre bei einer Flat Tax, die für alle eine verbindliche Gültigkeit besäße, nicht mehr möglich. Denn im Rahmen einer Flat Tax gilt ab einem bestimmten Freibetrag für alle Menschen mit Einkünften der gleiche prozentuale Steuersatz. Und aus meiner Sicht gewährleistet dies eben auch eine Gleichheit unter den gleichen Voraussetzungen.

      Die diversen Steuerklassen entfielen selbstverständlich ebenfalls. Stattdessen könnte man sich allerdings darauf einigen, dass Verheiratete ihre jeweiligen Freibeträge zusammenlegen können und dass es pro Kind ebenfalls einen speziellen Freibetrag gibt. Doch weitere Steuervergünstigungen, Ausnahmeregelungen und Sonderbehandlungen halte ich generell eher für kontraproduktiv, denn das führt zur Intransparenz, zur Komplexität, zu bürokratischem Aufwand. Darüber hinaus öffnet es verschiedene Steuerschlupflöcher, die, wie bereits erwähnt, vor allem von Personen mit kompetentem Steuerberater nutzbar gemacht werden können - zum Nachteil anderer Steuerzahler.

      HappyTime schrieb:

      postID=359330#post359330']
      Zementierte Ungleichheit, soso.
      Mal wieder Einzelbeispiel, aber mein Vater war der erste seiner Familie der eine Universität besuchte. Davor gab es für Jahrhunderte "nur" Landwirte und Handwerker.
      Es ist Quatsch, dass sich bei uns nur die "Eliten" bereichern könnten.


      Ich habe nicht behauptet, bei uns könnten sich nur die Eliten bereichern.
      Übrigens gilt für mich dasselbe wie für dich: Mein Vater war der erste mit Abi und meine Schwester und ich werden auf dieser Seite der Familie vorraussichtlich die ersten mit akademischen Abschlüssen sein. Meine Urgroßeltern waren auf beiden Seiten Bauern und mein Großvater hat mit Hauptschulabschluss einen Einzelhandel betrieben. Gerade das geerbte Land hat ihm aber zu Wohlstand verholfen und davon profitiert meine Generation immer noch...

      Es ist einfach so, dass diese klassischen Aufsteigerbiografien (die seit den 60ern/70ern auch deutlich zurückgegangen sind) sehr viel seltener Erbschaften bedingen, als es ein gewisser Status der Familie tut.
      Von einem progressiv verlaufenden Steuertarif halte ich persönlich wenig, denn Spitzenverdiener zahlen de facto ohnehin nur selten den von einem solchen Steuertarif vorgeschriebenen Spitzensteuersatz, da sie oftmals in der Lage sind, sich "arm zu rechnen".


      Die "Armrechner" rechnen sich statistisch betrachtet auch nur bis zur proportional statt progressiven Steuer runter. Wollte man das verhindern, müsste man an den indirekten Steuern schrauben oder Unternehmens- und Kapitaleinkommen progressiv besteuern.

      Die diversen Steuerklassen entfielen selbstverständlich ebenfalls. Stattdessen könnte man sich allerdings darauf einigen, dass Verheiratete ihre jeweiligen Freibeträge zusammenlegen können


      Ich sehe nicht den geringsten Grund kinderlose Ehepaare gegenüber anderen Personenkreisen zu bevorzugen - dabei ist das so ziemlich das Maximum an "Familiengründung", abgesehen vom potentiellen Kauf eines Goldfisches, zu dem ich persönlich bereit wäre. Als fröhlicher DINK bin ich finanziell ohnehin schon maßlos privilegiert.

      Soso. Keine weiteren Vergünstigungen: Keine Werbungskosten, keine Pendlerpauschale? Keine Vergünstigungen für Nacht- und Sonntagsarbeit? Keine Vorsorgepauschale? Das soll zu einem gerechteren Ergebnis führen?
      GRRM light our fire and protect us from the dark, blah, blah, light our way and keep us toasty warm, the HBO series is full of errors, save us from the scary thing, and blah blah blah some more.
      Ich hatte bei Schulz bisher eher Positives zum großen Auftritt beim ZDF gehört. Auf das Stimmungsbild wirkte sich das aber anscheinend nicht aus. Sollte das unten die aktuelle Lage wirklich abbilden, dann fehlt nur noch eine Kleinigkeit und die CDU holt doppelt so viele Stimmen wie die SPD. Was ist das los??

      Was haltet ihr von der geplanten Verlängerung der Legislaturperiode von vier auf fünf Jahre? Geplant ist das ab 2021.
      Ich möchte auch einmal in der Lage sein nicht nur über mein Gehalt, sondern auch die Dauer meiner Beschäftigung selbst entscheiden zu können.
      "King Jaehaerys once told me that madness and greatness are two sides of the same coin. Every time a new Targaryen is born, he said, the gods toss the coin in the air and the world holds its breath to see how it will land." - Ser Barristan 'The Bold' Selmy

      "Not every man has it in him to be Prince Aemon the Dragonknight." -Wyman Manderly

      Ceterum censeo Kasimirem esse delendam.
      Merkel dann noch ein Jahr länger ertragen? Nein, danke!
      "The teaching, as you call it, is simply that there isn't to be a deserted or unhappy child in the world. In the end, that's the world's only security: children are the future, you see. If there were no unhappy children, then the future would be secure." - Kelderek (Shardik, p. 585)

      Ser Erryk schrieb:

      Merkel dann noch ein Jahr länger ertragen? Nein, danke!

      2021 wird sie ja hoffentlich nicht noch einmal wiedergewählt werden.
      "King Jaehaerys once told me that madness and greatness are two sides of the same coin. Every time a new Targaryen is born, he said, the gods toss the coin in the air and the world holds its breath to see how it will land." - Ser Barristan 'The Bold' Selmy

      "Not every man has it in him to be Prince Aemon the Dragonknight." -Wyman Manderly

      Ceterum censeo Kasimirem esse delendam.

      The Dragonknight schrieb:

      Was haltet ihr von der geplanten Verlängerung der Legislaturperiode von vier auf fünf Jahre?

      Nichts sehr viel , ich halte vier Jahre für genug .

      The Dragonknight schrieb:

      Ser Erryk schrieb:




      Merkel dann noch ein Jahr länger ertragen? Nein, danke!

      2021 wird sie ja hoffentlich nicht noch einmal wiedergewählt werden.


      Wir werden sehen .

      The Dragonknight schrieb:

      Was haltet ihr von der geplanten Verlängerung der Legislaturperiode von vier auf fünf Jahre? Geplant ist das ab 2021.


      wir haben seit 2008 auch 5-Jahreslegislaturperioden. Aus meiner Sicht eine unnötige Änderung. Die Behauptung, weshalb sie es geändert war, war ja dass sie dann mehr Zeit zum Arbeiten haben, anstatt zum Wahlkämpfen. In der Praxis sah es bis jetzt so aus, dass wir immer früher gewählt haben.
      "Die Lust an der Macht hat ihren Ursprung nicht in der Stärke, sondern in der Schwäche." Erich Kästner

      Springer schrieb:

      Ich hatte bei Schulz bisher eher Positives zum großen Auftritt beim ZDF gehört. Auf das Stimmungsbild wirkte sich das aber anscheinend nicht aus. Sollte das unten die aktuelle Lage wirklich abbilden, dann fehlt nur noch eine Kleinigkeit und die CDU holt doppelt so viele Stimmen wie die SPD. Was ist das los??



      Ehrlich gesagt, ich verstehe es auch nicht.
      "Sie waren von Schatten umgeben.
      Ein Schatten war dunkel wie Asche, mit dem schrecklichen Gesicht eines Bluthunds.
      Ein Anderer war gepanzert wie die Sonne, golden und wunderschön. Über beiden ragte ein Riese mit steinerner Rüstung auf, doch als er sein Visier öffnete, waren darin nichts als Finsternis und dickes, schwarzes Blut."