Bundestagswahl 2017

      Bei den Umfragen der letzten Zeit tut sich nicht viel.



      Die Regierungsfindung zieht sich weiter hin, wobei ich hier inzwischen skeptisch bin. Wenn ich mir die vorherigen vermeidlichen Durchbrüche (Mindestlohn, Mietpreisbremse, NetzDG, usw.) des SPD anschaue, dann befürchte ich bei neuen durch die SPD angestoßenen Projekte eine weitere Verschlimmbesesserung. Besonders was das Thema Bürgerversicherung angeht. Übrig bleibt dann das Schlagwort, aber im Beschlusstext kommt irgendein Murks raus.

      Jetzt einen auf "Europa" zu machen, wird die Politikverdrossenheit nicht kurieren. Gerade Schulz sollte sich erinneren, dass wir kürzlich noch eine Europawahl hatten. Zumal Frau Merkels Einflußkraft nach 12 Jahren auf europ. Ebene eher bescheiden sein dürfte, weil dies absehbar ihre letzte Amtszeit ist. So kann man sich natürlich Ziele setzen, die absehbar nicht durchsetzbar sind und in Talkshows kann man dann die bösen Ausländer (Polen, Ungarn, etc.) in der EU beschimpfen.

      Springer schrieb:

      Jetzt einen auf "Europa" zu machen, wird die Politikverdrossenheit nicht kurieren.


      Möglich. Aber was wird die Politikverdrossenheit kurieren?

      Die "bösen Ausländer in der EU" in Form von Polen und Ungarn werden übrigens deshalb beschimpft, weil sie auch tatsächlich böse sind. Also deren Regierungen, nicht die Nationen als solche.
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!
      Nein, das ist natürlich völliger Schwachsinn mit den Vereinigten Staaten von Europa bis 2025, außer ein Kometeneinschlag oder Trump mit dem größten aller roten Knöpfe ändern da was dran.

      Die Frage, die sich immer stellt, ist ja: Gibt es wirklich Politikverdrossenheit oder einfach nur mangelnde Bereitschaft, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und zu engagieren? Die Wahlbeteiligung ist ja immerhin stabil.

      Off topic: Am Samstag gibts die erste große Demonstration in Wien gegen die Regierung, und ich fühle mich beinahe ein wenig schuldig, weil ich nicht dabei sein kann.
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      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!

      ssnake schrieb:

      Die "bösen Ausländer in der EU" in Form von Polen und Ungarn werden übrigens deshalb beschimpft, weil sie auch tatsächlich böse sind. Also deren Regierungen, nicht die Nationen als solche.


      Tut mir leid, aber sowas kann nur jemand sagen, der die Geschichte dieser Länder nicht ansatzweise studiert hat. So böse wie wir Deutschen werden die Polen und Ungarn in einem Jahrtausend wohl kaum werden können. Da die Regierungen nicht durch Wahlbetrug an die Macht geraten sind, repräsentieren sie die mehrheitlichen nationalen Interessen. Diplomatisch versaut hat man es sich inzwischen aber auch mit diesen Ländern. Zu wem hat Deutschland eigentlich noch gute Beziehungen? Mir fällt da auf Anhieb nur Frankreich ein. Wie dem auch sei. Böse ist übrigens ein Wort, das meiner Erfahrung nach ohnehin nur Fanatische und Extreme benutzen.


      ssnake schrieb:

      Die Frage, die sich immer stellt, ist ja: Gibt es wirklich Politikverdrossenheit oder einfach nur mangelnde Bereitschaft, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und zu engagieren? Die Wahlbeteiligung ist ja immerhin stabil.


      Ganz klar Verdrossenheit. Ich habe zu häufig Gespräche mit schlecht informierten und dogmatischen Asta-Menschen oder Jungpolitikern führen müssen. Die Erkenntnis war immer, dass man als Langzeitstudent, oder wenn man sein Studium abbricht, große Chancen hat, in Parteien wie der SDP/Linke/Grüne Karriere zu machen. Man muss eben nur im Parteisumpf lange genug mitklüngeln, dann wird das schon was. Das größte Problem der Politik ist eigentlich, dass inkompetente Menschen großen Einfluss haben und dafür fürstlich entlohnt werden. Querdenker, Kreativköpfe und Neinsager werden gesägt oder ins Exil verbannt. Dieses Phänomen ist bei der CDU zum Beispiel sehr evident. Die FDP sehe ich hier hingegen als Zukunftspartei. Lindner könnte einer der ganz Großen werden. Wenn er so weitermacht, hat er meine Stimme und die FDP könnte die erste Partei werden, in der ich mich engagieren würde. An sich war ich immer ein klassischer SPD-Wähler, aber Schulz, Maas, Schwesig, Gabriel, linksradikale Jusos und Konsorten machen diese Partei unwählbar für mich.

      Mir wäre es echt lieber, wenn dumme Menschen sich weniger in der Politik und dafür mehr in ehrenamtlichen Bereichen engagieren würden.
      Puh, wieviel Zeit hast du?

      Konkrete Hauptkritikpunkte sind wohl die Verschärfungen und Kürzungen für Langzeitarbeitslose inklusive Vermögenszugriff, Wiedereinführung der Studiengebühren bei Einschränkung der Familenbeihilfe für über 18jährige, Familenförderung, die hauptsächlich Besserverdienenden zugute kommen soll, weil über Lohnsteuerausgleich. Außenpolitische Anbiederung an die Vysegradgruppe, "konzentrierte Flüchtlingslager" (heutige Meldung des Innenministers, und nein, die Wortwahl war volle Absicht), Ausweitung der Normalarbeitszeit auf 12 Stunden pro Tag (was jetzt nicht die Einführung der 60-Stundenwoche ist, aber de facto die Abschaffung des Überstundenzuschlags bedeuten wird), Liberalisierung im Mietrecht (was allgemein Verteuerung bedeuten wird) usw.

      Und dass die Regierung eine heuchlerische Bande auf Amateurniveau mit faschistoiden Zügen im allgemeinen ist. Nicht einmal die Hälfte der Regierung hat einen Uniabschluss, das spricht schon für Qualität. Naja, kommen sie wenigstens nie in Plagiatsverdacht.

      Zu Polen und Ungarn hätte ich schon noch was zu schreiben, aber jetzt leider keine Zeit mehr.
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      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!

      ssnake schrieb:

      "konzentrierte Flüchtlingslager" (heutige Meldung des Innenministers, und nein, die Wortwahl war volle Absicht)


      Find ich aber jetz nich so den großen Aufreger. Obs von ihm Absicht war oder nicht sei mal völlig außen vor gelassen, lässt sich net so wirklich bestimmen. Er hat das Wort konzenriert in Zusammenhang mit unterbringen und Flüchtlingen verwendet. Ja und? Ich und viele Andere die ich kenne ließen bei einigen Situationen & Gesprächen passend den Spruch Jedem das Seine vom Stapel, muss ich mit denen jetzt auf die Straße und unter Tränen die Leute anflehen mir dessen Verwendung doch bitte zu vergeben weil das mit von den KZ's verwendet wurde? Nee, muss ich net. Das ist wie mit dieser H&M Werbung für die der-coolste-Affe-im-Dschungel-Pullover wo sich die Leute drüber aufregen weil die rassistisch wäre. Die Leute regen sich auf weil das den Pulli tragende Kind schwarz war. Wäre das Kind jetzt weiß statt schwarz gewesen wärs okay gewesen oder wie? Soll H&M jedes Mal wenn ne entsprechende Familie reinkommt den Verkauf des Pullovers verweigern "weil das wäre ihnen gegenüber rassistisch?" Sowas wegen der Hautfarbe NICHT zu machen ist ab einer gewissen Konsequenz des Tuns genau so wie etwas eben WEGEN der Hautfarbe zu machen: Rassismus. In dem Pulloverfall meinens die Leute zwar positiv, aber tatsächlich ist es nur passiver statt aktiver Rassismus. Genau so ist es mit diesem ´konzentrierte Flüchtlingslager´, auf den Urheber bezogen mag es persönlich nazihaft etc sein, auf die Allgemeinheit bezogen ist die Unangemessenheit nicht aus der Aussage begründet sondern die Leute stecken diese Unangemessenheit von sich aus da rein.

      schnoeps schrieb:


      Dieses Phänomen ist bei der CDU zum Beispiel sehr evident. Die FDP sehe ich hier hingegen als Zukunftspartei. Lindner könnte einer der ganz Großen werden. Wenn er so weitermacht, hat er meine Stimme und die FDP könnte die erste Partei werden, in der ich mich engagieren würde. An sich war ich immer ein klassischer SPD-Wähler, aber Schulz, Maas, Schwesig, Gabriel, linksradikale Jusos und Konsorten machen diese Partei unwählbar für mich.

      Mir wäre es echt lieber, wenn dumme Menschen sich weniger in der Politik und dafür mehr in ehrenamtlichen Bereichen engagieren würden.


      Ich denke nicht, dass das viel mit "dumm" zu tun hat. Politiker sind in erster Linie mit PR und Marketing beschäftigt und haben darüber hinaus gar keine Zeit, sich ernsthaft mit Themen und Argumenten auseinander zu setzen. Und das ist schon ein Problem, dass über Politikerkreise hinaus geht. Ebenso wie die Klüngelei. Ebenso wie das mangelnde Interesse an inhaltlichen Auseinandersetzungen.
      Lindner markiert da meiner Meinung nach nur einen qualitativen Unterschied im Marketing. Neues Logo, fotogen, ordentlich geschossene und bearbeitete Bilder für die Plakate, "coole" Sprüche, vernünftige Rhetorik und zur Schau gestellter "Fortschrittsglaube". Inhaltliche Substanz oder ernst zu nehmende Programmatik sucht man nach wie vor vergeblich, aber sein Stil entspricht dem der PR-Abteilung eines modernen IT-Unternehmens und kommt dementsprechend auch in bestimmten Zielgruppen sehr gut an.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Grunkins“ ()

      Aegon der X. schrieb:

      Obs von ihm Absicht war oder nicht sei mal völlig außen vor gelassen, lässt sich net so wirklich bestimmen.


      Wer den gescheiterten Philosophie-Studenten Kickl kennt, der weiß, dass das volle Absicht war. Lenkt von anderen unangenehmen Themen für die Partei ab (Stichwort sozialer Kahlschlag) und zugleich zwinkert er dem rechten Rand in der FPö zu, dass er ja leider, leider nicht so reden kann wie er wirklich will.
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      Aegon der X. schrieb:

      Das ist wie mit dieser H&M Werbung für die der-coolste-Affe-im-Dschungel-Pullover wo sich die Leute drüber aufregen weil die rassistisch wäre. Die Leute regen sich auf weil das den Pulli tragende Kind schwarz war. Wäre das Kind jetzt weiß statt schwarz gewesen wärs okay gewesen oder wie?

      Vor dem Hintergrund, dass schwarze Menschen bis heute mit dem Ziel der Herabsetzung durch Entmenschlichung mit Affen verglichen oder als solche bezeichnet werden, ist das durchaus ein Problem. Verweise dazu auch auf diesen Bildblog-Kommentar.
      Wer in meinen Beiträgen nicht funktionierende Links findet, kann mich auf meiner Pinnwand darauf hinweisen.
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      ssnake schrieb:

      Möglich. Aber was wird die Politikverdrossenheit kurieren?


      Eine gesellschaftliche Debatte, wohin wir eigentlich wollen. Frau Merkel ist die Personifierung des status quo. Es war schon lächerlich, dass das z.B. Thema Pflege erst hochkam, als ein junges Auszubildender in der Wahlarena den Mund aufmachte. Die Fernsehmedien haben sich dagegen nur ein Kanzlerduell gefallen lassen und dann Erdogan & Europa besprochen.
      Mir fehlt weiterhin eine Debatte und Konsequenzen zu vielen Symptomen in Deutschland, die eine Erkrankung dieser Gesellschaft anzeigen. Leider lügt man sich stattdessen etwas in die Tasche, kündigt viel an und macht gar nichts.


      ssnake schrieb:

      Die "bösen Ausländer in der EU" in Form von Polen und Ungarn werden übrigens deshalb beschimpft, weil sie auch tatsächlich böse sind. Also deren Regierungen, nicht die Nationen als solche.


      Die Regierungen und Menschen dieser Länder haben durchaus legitime Standpunkte, was aber leider sofort mit "rechtsradikal" abqualifiert wurde. Vor allem finde ich es fragwürdig, dass D hier andere belehren möchte.


      Grunkins schrieb:

      (selbst in meinem ach so kosmopolitischen Studentenumfeld nicht)


      Gerade in diesen mir ebenfalls bekannten Kreisen ist die Uninformiertheit enorm. Hauptsache "nichts rechts", aber das war es schon.


      ssnake schrieb:

      Gibt es wirklich Politikverdrossenheit oder einfach nur mangelnde Bereitschaft, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und zu engagieren? Die Wahlbeteiligung ist ja immerhin stabil.


      Stabil niedrig, angesichts des angeblich großartigen Landes Deutschlands.


      Ser Arthur Dayne schrieb:

      Vor dem Hintergrund, dass schwarze Menschen bis heute mit dem Ziel der Herabsetzung durch Entmenschlichung mit Affen verglichen oder als solche bezeichnet werden, ist das durchaus ein Problem.


      Rassismus gegenüber "schwarzen" Menschen ist vor allem ein Problem in den USA und Frankreich. Es macht wenig Sinn zu versuchen, dieses in D zu lösen, zumal das kein flächendeckendes Problem ist, auch wenn medial das Gegenteil behauptet wird. Allerdings ist blanker Rassismus natürlich medial interessanter, als die Ausgrenzung von alten und schwachen Menschen (egal welcher Hautfarbe).
      Rassismus gegenüber "schwarzen" Menschen ist vor allem ein Problem in den USA und Frankreich. Es macht wenig Sinn zu versuchen, dieses in D zu lösen, zumal das kein flächendeckendes Problem ist, auch wenn medial das Gegenteil behauptet wird. Allerdings ist blanker Rassismus natürlich medial interessanter, als die Ausgrenzung von alten und schwachen Menschen (egal welcher Hautfarbe).

      Rassismus ist überall da ein Problem, wo er auftritt, und zwar nicht nur in Form böser Mutwilligkeit, sondern vor allem in Form von ignorantem Desinteresse. Und das findet in Deutschland ganz genauso statt. Als Weißer merkt man davon natürlich nur was, wenn Gauland mal wieder was zu seinen Nachbarn loswerden möchte.

      Ich weiß nicht, woher du die Aussage nimmst, dass man das Problem (des weltweiten Rassismus) in Deutschland lösen könne, das fordert hier ja niemand. Man kann aber sehr wohl versuchen, das Problem für Deutschland zu lösen, oder zumindest daran zu arbeiten. Und dafür ist auch PC da. Kein Denkverbot, sondern ein Denkgebot mit Aufforderung zu Differenzierung und Höflichkeit.

      Letzten Endes habe ich keine Ahnung, warum du hier die Diskriminierung verschiedener Gruppen gegeneinander ausspielen willst, verdient beides Beachtung.

      Außerdem frage ich mich, was das eigentlich mit der Kritik an einer weltweiten Werbung zu tun hat, die einen ziemlich naheliegenden rassistischen Zusammenhang beinhaltet.
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      Ser Arthur Dayne schrieb:


      Letzten Endes habe ich keine Ahnung, warum du hier die Diskriminierung verschiedener Gruppen gegeneinander ausspielen willst, verdient beides Beachtung.

      Außerdem frage ich mich, was das eigentlich mit der Kritik an einer weltweiten Werbung zu tun hat, die einen ziemlich naheliegenden rassistischen Zusammenhang beinhaltet.


      Ich spiele hier nichts gegeneinander aus, sondern ich weise auf die Problematik in Zusammenhang mit der Bundestagswahl hin. Solche Phänomene werden sowieso geheilt, wenn es allen besser geht und jeder sich mitgenommen fühlt. Das hat sogar Gabriel zu Beginn der Flüchtlingskrise erkannt. Solange man mit Kindern, Mietkündigung, pflegebedürftigen Eltern oder eigener Krankheit mit einem Fuß schon am Rand der Gesellschaft steht, hat das Land ganz andere Probleme. Das ist verbunden mit der überall vorhandenen Abstiegsangst.

      Wer sich über ein Werbe(!)plakat aufregt, der hat in letzter Zeit kein Krankenhaus oder Altenheim von innen gesehen. Im übrigen ist die Aufregung doch seitens der Werbemacher gewollt. Dazu kommen noch ein paar Deutsche, die zu viele amerikanische Serien und Filme gesehen haben und diese Probleme in Deutschland regelrecht suchen. Das ist auch viel günstiger, weil es kaum Geld kostet - im Gegensatz zu den meisten anderen Problemfeldern.
      Whataboutism in Reinkultur. Und eine prekäre eigene Lebenslage rechtfertigt es nicht, ein Arschloch zu sein.

      Ist aber eigentlich auch gar nicht das Thema. Ein User fand die Kritik an der Werbung überzogen, ich habe dargelegt, warum sie es nicht ist. Um mehr ging es nicht.
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      Ser Arthur Dayne schrieb:

      Whataboutism in Reinkultur. Und eine prekäre eigene Lebenslage rechtfertigt es nicht, ein Arschloch zu sein.


      Es ist keine 100% Rechtfertigung, aber es muss in Betracht bezogen werden. So wird es auch in der Rechtssprechung gehandhabt.

      Man sollte sich außerdem immer die komplette Abwertungsspirale ansehen und nicht nur das untere Ende. Genauso sollte man nicht warten, bis 13% die AfD wählen und dann hat man nichts Anderes im Köcher als "blöde Ossis" und Nazis.

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      Grunkins schrieb:

      schnoeps schrieb:


      Dieses Phänomen ist bei der CDU zum Beispiel sehr evident. Die FDP sehe ich hier hingegen als Zukunftspartei. Lindner könnte einer der ganz Großen werden. Wenn er so weitermacht, hat er meine Stimme und die FDP könnte die erste Partei werden, in der ich mich engagieren würde. An sich war ich immer ein klassischer SPD-Wähler, aber Schulz, Maas, Schwesig, Gabriel, linksradikale Jusos und Konsorten machen diese Partei unwählbar für mich.

      Mir wäre es echt lieber, wenn dumme Menschen sich weniger in der Politik und dafür mehr in ehrenamtlichen Bereichen engagieren würden.


      Ich denke nicht, dass das viel mit "dumm" zu tun hat. Politiker sind in erster Linie mit PR und Marketing beschäftigt und haben darüber hinaus gar keine Zeit, sich ernsthaft mit Themen und Argumenten auseinander zu setzen. Und das ist schon ein Problem, dass über Politikerkreise hinaus geht. Ebenso wie die Klüngelei. Ebenso wie das mangelnde Interesse an inhaltlichen Auseinandersetzungen.
      Lindner markiert da meiner Meinung nach nur einen qualitativen Unterschied im Marketing. Neues Logo, fotogen, ordentlich geschossene und bearbeitete Bilder für die Plakate, "coole" Sprüche, vernünftige Rhetorik und zur Schau gestellter "Fortschrittsglaube". Inhaltliche Substanz oder ernst zu nehmende Programmatik sucht man nach wie vor vergeblich, aber sein Stil entspricht dem der PR-Abteilung eines modernen IT-Unternehmens und kommt dementsprechend auch in bestimmten Zielgruppen sehr gut an.


      Vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt. Dennoch halte ich viele Politiker für dumm und beschränkt, weil ihnen die Fähigkeit abhanden gekommen ist, langfristig zu denken im Sinne der Bevölkerung und machtpolitischer Ziele. Merkel steht dafür par excellence. Hauptsache Macht um der Macht wegen. Andere Kanzler hatten zumindest den Anstand, zurückzutreten oder die Vertrauensfrage zu stellen. Die SPD ist aber auch nicht viel besser. Zwei ehemalige Volksparteien, die sehenden Auges Hand in Hand in den Abgrund marschieren. Diese GroKo wird unser politisches System nachhaltig verändern und wird der AfD bei der nächsten BTW 20% bescheren. Und das ist einfach nur dumm. Marketing, PR und Inhalte sind synergetische Elemente. Trump hat mit simpelsten medialen Mitteln Inhalte auf 140 Zeichen reduzieren können und das mit Erfolg.

      Die werden sich schon mit Inhalten beschäftigen, aber manche sind intellektuell gar nicht in der Lage, diese zu durchschauen. Das traue ich vielleicht Schäuble, Wagenknecht, Steinmeier, Altmaier und eben Lindner zu. Die anderen sind auf der Schmalspur oder der Ochsentour in der Partei zu ihren Posten gelangt. Und das ist ein riesiges Problem. Es fehlt schlicht an Niveau und eben auch an Charisma. Beide Elemente verkörpert Lindner. Wenn man ihn darauf reduziert, dass er sich geschickt darstellt (habe ich bis zum Abbruch der Sondierungsgespräche auch gemacht), ist das aber nicht seine Schuld. Er hat die kurzfristige Macht verneint, damit seine Partei, ihre Ideen und sein Werdegang nicht durch Opportunismus, sondern durch Authentizität oder einen guten Konsens gesichert werden. Das ist für mich Machtbewusstsein und Glaubwürdigkeit.

      Er wurde medial vor allem geschlachtet, weil er "Positionen der AfD" vertritt. Ansonsten wäre er sicher everbodys darling. Dennoch ist die FDP zukunftsfähig, während Relikte wie CDU und SPD wohl zerfallen werden. Schade, aber nicht zu ändern.

      Zum Thema Rassismus: Ist tatsächlich eher ein Problem in den Ländern, die Sklaverei betrieben haben oder extremen Kolonialismus. In Deutschland würde man eher von Xenophobie oder Nationalismus sprechen. Griechen, Italiener und Spanier zum Beispiel sind hier weitestgehend akzeptiert, während das bei Türken nicht so ist. Was mir größere Sorgen bereitet, ist der wieder zunehmende Antisemitismus durch Muslime.

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      Mag ja alles sein, aber wenn der Hinweis darauf, dass Rassismus Rassismus ist, auch wenn er fahrlässig passiert, dazu führt, dass die AfD den nächsten Kanzler stellt, können wir uns vom Grundgedanken an Anstand und Gerechtigkeit sowieso auf der Stelle verabschieden, dann gibt es nämlich nichts mehr, was man retten könnte.

      Und vielleicht muss man bei Rassismus darauf hinweisen, dass es da zwei Arten von gibt, den offensichtlichen und den unterschwelligen. Wenn sich NPDler versammeln und "Ausländer raus" schreien, ist das zwar hässlich, aber auch eher im begrenzten Rahmen. Belastender für die Betroffenen dürfte aber der Alltagsrassismus sein. Wenn man zum Beispiel x-mal so viele Bewerbungen schreiben muss, weil Makler oder Arbeitgeber beim Anblick des Namens intuitiv entscheiden, dich auszusortieren.

      Ironischerweise profitieren übrigens viele faktisch diskriminierten Fraktionen von PC. Seien es "faule Arbeitslose", "demente Rentner" oder "massenvergewaltigende Araber".
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      Ser Arthur Dayne schrieb:

      Mag ja alles sein, aber wenn der Hinweis darauf, dass Rassismus Rassismus ist, auch wenn er fahrlässig passiert, dazu führt, dass die AfD den nächsten Kanzler stellt, können wir uns vom Grundgedanken an Anstand und Gerechtigkeit sowieso auf der Stelle verabschieden, dann gibt es nämlich nichts mehr, was man retten könnte.


      Du machst den Mangel an Anstand und Gerechtigkeit in Deutschland daran fest, dass nicht 100% der Menschen blind Beifall schreit, wenn Du auf einen angeblichen Massenrassismus hinweist?
      Außerdem bestehst Du weiter auf diesem Thema, als ob das tatsächlich ein dringendes Problem wäre.

      Ser Arthur Dayne schrieb:

      Belastender für die Betroffenen dürfte aber der Alltagsrassismus sein. Wenn man zum Beispiel x-mal so viele Bewerbungen schreiben muss, weil Makler oder Arbeitgeber beim Anblick des Namens intuitiv entscheiden, dich auszusortieren.


      Du wirst in D wegen jedem Mist aussortiert, weil der Personaler oder Makler Angst davor hat, einen Fehler zu machen. Ich habe weiter oben schon versucht, Dir das klar zu machen: echter Rassismus ist in D ein verschwindend geringes Problem und in vielen Fällen glücklicherweise nur eine bequeme Ausrede. In Wahrheit wird jeder Menschen in Deutschland früher oder später schlecht behandelt, falls er/sie nicht priviligiert ist.

      Ser Arthur Dayne schrieb:


      Ironischerweise profitieren übrigens viele faktisch diskriminierten Fraktionen von PC. Seien es "faule Arbeitslose", "demente Rentner" oder "massenvergewaltigende Araber".


      Was kommst Du uns denn hier mit PC ? Sind wir hier in Hollywood?
      Das Problem in der Politik war in der letzten Legislaturperiode doch viel eher, dass Probleme schlagwortartig als "gelöst" hingestellt werden, aber de facto weiter bestehen. Stichwort Mietpreisbremse, NetzDG. Genauso reformiert Frau Nahles das Arbeitsgesetz und jetzt dürfen Gewerkschaften - von denen es viele Fakes gibt, siehe Kirche - Bedingungen aushandeln, die schlechter sind als die gesetzliche Vorgabe. Falls der gemeine Bürger sich darüber beklagt, wird ihm vom SPD Politiker etwas über "wir haben das schlecht erklärt" erzählt. Das heisst übersetzt: ihr seid doof! In Wirklichkeit sind diese drei Gesetze einfach nur mies und nicht im Interesse der breiten Bevölkerung.

      Aber anscheinend müssen Union+SPD zusammen deutlich unter 50% kommen, bevor sich auch nur ein bisschen was verändert. :(