Gab es früher eine Rente für Krieger und Ritter??

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      Ne, sorry, dazu gibt es überhaupt gar keine seriöse umfassende Datenmasse. Zur Kindersterblichkeit anhand von Grabanalysen und Familienchroniken allerdings schon, die lag fast durchgehend durch alle Schichten hindurch bei ca. 50%. Was du vielleicht rausgerechnet hast, sind Kindstode bei der Geburt.
      Nach Isidor von Sevilla, der in der Hinsicht absolut prägend war, endete das frühe Erwachsenenalter sogar erst mit 50 Jahren. Handwerksmeister wurde man erst zwischen 30 und 40, vor dem 25. Lebensjahr hat jenseits der Oberschicht und des Adels kaum jemand geheiratet und Kinder bekommen.
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      Ich habe das mit dem "alt", und Jakkomo sprach ja von "relativ alt", etwas anders aufgefasst, nicht dass die Leute gleich sterben. Aber wenn es nicht für alles gleich eine Therapie gibt und die Leute auch noch hart arbeiten müssen, sieht man mit 40 halt schon etwas mitgenommener aus, als 40-jährige heute. Selbst bei uns in den 50er Jahren wirkten Leute mit 50 alt und total gesetzt, schon allein durch die deutlich seriösere Kleidung. Und was das Gesundheitliche angeht, versuche ich mir immer den Zahnstatus von allen vorzustellen, da sah es beim Adel durch den Zugang zu Süßigkeiten und weicherem Brot möglicherweise schlimmer aus, als bei dem armen Volk. Heute kann man Wurzelbehandlungen und alles machen, damals konnte man nur unter Schmerzen den Zahn ziehen. Da waren schnell schon mal ein paar Zähne weg.

      Ich finde immer die Photos von meiner Oma so aussagekräftig. Bei der Hochzeit meiner Mutter (1957) war sie 49, dick, hatte einen lückenhaften Zahnstatus, war in keiner Weise flott. Meine Mutter sagt, sie trug immer ein Mieder, weil das nach Angaben meiner Oma "im Alter eben so ist". Die klassische Matrone eben, nix mit Sport. Dabei gibt es auch ein Photo aus den 20er Jahren, auf dem sie sehr schlank ist, ein Flapperkleid und ein flottes Hütchen trägt.

      Bezüglich der Rente denke ich, dass eben die Versorgung durch die Familie wichtig war bzw. man so lange arbeitete, wie es ging. Vielleicht wurde Arbeit auch nicht als so etwas Entfremdetes erlebt. Im Idealfall übenahm eben ein Kind den Betrieb und die Alten arbeiteten mit etwas weniger Kraft weiter mit. Andererseits habe ich mal irgendwo gelesen (ich weiß aber nicht mehr, wo das war, und kann es daher leider nicht belegen), dass es auch ein Klischee der heutigen Zeit ist, dass damals alle als Großfamilie unter einem Dach gelebt hätten, das soll wohl nicht so gewesen sein, junge Ehepaare separierten sich durchaus von den Eltern udn lebten in einem eigenen Haushalt.

      Schade, da hätte George, der ja viel ´rumschwadroniert, auch noch ein bisschen was zu schreiben können. Erwähnt werden ja nur die Schweigenden Schwestern, aber es muss ja auch so eine Art Bader oder Chirurg gegeben haben, der gegen Geld oder Naturalien die kleinen Leute behandelt.
      Da mag viel wahres dran sein, ändert aber nichts daran, dass man mit 40 nicht als alt, auch nicht als relativ alt angesehen wurde, sondern als Mann in seinen besten Jahren, als Höhepunkt des Lebens. Zum Beispiel wird in den zur bildhaften Darstellung der Alterzäsuren im Hochmittelalter, den Lebensrädern, wie zum Beispiel im De Lisle-Psalter, diese Altersgruppe an oberste Stelle gesetzt und als König oder Feldherr dargestellt. Erst danach geht es langsam nach unten hin zum Alter und Tod. Auch wurde man außerhalb des Adels erst ab ca. 40 als fähig an gesehen, Ämter auszufüllen.
      Das populäre des Bild des 40-Jährigem im Mittelalter als Alten ist schlicht historisch untragbar. Zumal sich die Lebenserwartung ja erst mit der Industrialisierung stark verändert hat. Theoretisch müsste es ansonsten für alle vorherigen Zeitalter auch so sein, sowohl im Großteil der Neuzeit und in der Antike erst recht. Da wird das in der Form aber nicht verbreitet, was damit zu tun hat, dass das Mittelalterbild des Großteils der Bevölkerung und leider auch des Großteils der entsprechenden Lehrkräfte dem Forschungsstand um zig Jahrzehnte hinterherhängen und immer noch das Bild des Mittelalters als durch und durch rückschrittliche und düstere Epoche verbeiten.
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      Wobei bei den Überlegungen beachtet werden muss, dass "Mittelalter" ein sehr langer Zeitraum ist.
      Die Lebenserwartung wandelte sich zwischen Früh- Hoch- und Spätmittelalter doch enorm.
      Wir reden da von einem Zeitraum vom 6./7. bis 15 . Jahrhundert.
      "Tigris doofitis ordinaris"
      "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."
      "Der Strike ist dem Räumfehler sein Tod..."
      Ha! Das ist sowieso immer und überall ein guter Hinweis, wenn es ums Mittelalter geht. Die räumliche und kulturelle Differnz kommt noch dazu.

      Zumindest meine Zahl für die Kindersterblichkeit ist aber auf fast das gesamte Mittelalter bezogen. Die Kindersterblichkeit von ca. 50% zieht sich im Kern durch das gesamte europäische Mittelalter, egal ob im vorchristlichen Pommern, Siedlungen aus der Karolingerzeit, hochmittelalterlichen schwedischen Dörfern oder der spätmittelalterlichen Oberschicht einer Zentralfranzösichen Stadt. Natürlich gibt es auch da Schwankungen, aber ein zeitlichen Trend ist für mich nicht erkennbar.
      Ansonsten habe ich mich auf die Zeit ab dem Hochmittelalter bezogen, weil es hier ja ursprünglich um ASoIaF ging und das Frühmittelalter da weniger reinpasst. Dort kenne ich mich auch sehr viel schlechter aus, als im Hoch- und Spätmittelalter. Isidor von Sevilla ist aber auch eine frühmittelalterliche Gestalt, dessen auf antiker Grundlage aufgebaute Alterseinteilung auch für diese Zeit vorherrschend war. Die sagt zwar eher wenig über die tatsächliche Lebenserwartung aus, aber recht viel darüber, wie die jeweiligen Lebensalter angesehen wurden. Und auch da war man mit 40 sehr weit von einem Greis entfernt. Immerhin baut auf Isidor die Hoch- und Spätmittelalterliche Einteilung auf.
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      Was die Kindersterblichkeitsraten angeht kenne ich mich nicht wirklich aus.
      Generell hast du natürlich recht wenn du sagst das die Menschen wesentlich älter geworden sind als allgemein angenommen.
      Je besser die Versorgung/der Stand desto höher die Wahrscheinlichkeit ein höheres Alter zu erreichen.
      Ich denke aber das Ritter wie William Marshall doch die Ausnahme waren. Also für die kämpfende Zunft.
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      In dem Fall unter 13-14. Kommt auf die Untersuchung drauf an.

      Ich denke aber das Ritter wie William Marshall doch die Ausnahme waren. Also für die kämpfende Zunft.

      Erst recht dafür, im hohem Alter immer noch selber zu kämpfen.
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      Ich muss mal kurz einhaken bei "Stetig steigender Bevölkerung" im Mittelalter.

      Das mag für das Hochmittelalter gelten, aber z.B. im vierzehnten Jahrhundert gab es "dank" der schwarzen Pest und einer ungemütlichen Klimaveränderung einen deutlichen Bevökerungsrückgang. Die Mongolenstürme in Osteuropa und die nachfolgenden Kriege mit den Osmanen sorgten speziell am Balkan auch nicht unbedingt für einen Bevölkerungsanstieg in den dortigen Regionen.

      So gesehen bedient sich GRRM auch hier mal wieder historischen Vorbildern.

      Eigentlich sieht der gesamte menschliche Bevölkerungswachstum insgesamt gesehen recht putzig aus, vergleicht man ihn damit, was nach 1850 passierte.
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!
      Das stimmt, widerspricht aber nicht dem, was ich geschreiben habe. Ich schreib nicht von einem konstanten durchgängigen Wachstum, sondern davon, dass es "meiste Zeit" ein Wachstum gegeben habe. Insbesondere auch in der Zeit nach der Pest, die ja nicht zu einem dauerhaften Bevölkerungsverlust geführt hat, da dieser noch innerhalb des Spätmittelalters trotz ungünstiger Klimabedingungen wieder ausgeglichen werden konnte.
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      Habe ich auch nicht behauptet, dass du was grundsätzlich falsches schreiben würdest.

      Kriegerische Auseinandersetzungen sorgten im Mittelalter übrigens auch ausgesprochen selten für echte Bevölkerungseinbrüche, auch waren die Kriege meistens überaus lokal begrenzt. Gefährlichwurde es immer nur dann, wenn bei den Kriegen der liebe Glaube ins Spiel kam. Bei der Frage danach, wer den tolleren imaginären Freund hat, kam auch die Zivilbevölkerung zum Handkuss.
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