Der Report der Magd | The Handmaid's Tale

      Der Report der Magd | The Handmaid's Tale

      Da ich mich ja nach Dystopien bei euch erkundigt hatte, wurde mir "The Handmaid's Tale" von Margaret Atwood empfohlen.
      Ich bin seit gestern ebenfalls fertig damit und würde mich nun freuen, mich mit euch darüber zu unterhalten. Denn das ist kein Buch, das man einfach so aus der Hand legt um zum nächsten zu greifen.


      Der Leser findet sich mitten im Bericht der jungen Frau Desfred/Offred wieder. Sie lebt als Magd im Haushalt eines Kommandanten im fiktiven theokratischen Staat Gilead. Frauen haben hier keinerlei Rechte mehr. Sie dürfen nicht arbeiten, nicht lesen und schreiben, und sie dürfen auch nichts besitzen. Doch noch vor kurzem war das anders. Offred erinnert sich noch daran, denn noch vor wenigen Jahren hat sie ein ganz normales Leben geführt. Sie hat studiert, hatte eine Familie, durfte tun und lassen was sie wollte, ... doch nun ist sie nicht mehr frei. Die Welt hat sich verändert. Die meisten Frauen sind nicht mehr fruchtbar. Die Menschen müssen sich an strenge Regeln halten. Essen wird nur noch gegen Marken ausgegeben. Und alles ist darauf ausgelegt, sich fortzupflanzen. Mitglieder der Elite, denen es bisher nicht möglich war, Nachwuchs zu zeugen, bekommen sogenannte Mägde zugeteilt. Fruchtbare Frauen, die dem Hausherrn ein Kind gebären sollen. ...

      Offred erzählt ziemlich durcheinander. Ihre Gedanken springen immer wieder in die Vergangenheit. Vollkommen übergangslos. Ich musste einige Stellen nochmals lesen, weil ich den Übergang verpasst hatte. Zusätzlich irritierte auch häufig die indirekte Rede. Dann träumt sie wieder vor sich hin. Es ist kein Buch, das man einfach mal so zum Zeitvertreib liest. Es ist manchmal etwas frustrierend gewesen, dass man alles nur aus Offred's Sicht sehen konnte. Dadurch fehlt einem als Leser der Blick auf das große Ganze. Andererseits macht das aber auch wieder den Reiz des Buches aus.

      Wie erging es euch mit dem Buch?
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.
      Ich hab es gelesen und mir ging es da wie dir. Ich kann das Buch nicht wirklich einordnen, kann also nicht sagen ob es mir nun gefallen hat oder nicht. Es ist komisch zu lesen. Ich kenn zwar auch Bücher in Ich-Perspektiven aber "Der Report der Magd" hat das Ganze auf ein ganz neues Level gehoben. Das Thema finde ich aber durchaus interessant
      Locke ist der Name eines Hauses im Norden, nicht der eines Söldners :P :D

      Und im Übrigen bin ich Ser Garlan Tyrells Meinung ;)
      Schön, dass du den Thread aufgemacht hast! Mir hat das Buch sehr gut gefallen und auch sehr zum Nachdenken angeregt. Ich konnte sehr gut mit den Gedankensprüngen umgehen und diese haben den Erzählstil für mich auch realistisch gemacht. Mir gefällt es, dass Offred auch manchmal über Sprache sinniert oder ihre Gedanken abdriften.

      Meiner Meinung nach lässt sich viel der Handlung des Buchs auf die heutige Zeit umlegen. Im Buch geht es vordergründig um die Frauenrechte, aber eigentlich sind alle Grundrechte betroffen. Auch die Männer leben unfrei, allerdings mit mehr Rechten. Momentan sind wir sehr schnell dabei unsere lang, hart und z.T. blutig erkämpften Rechte für ein ungreifbares Gefühl von Sicherheit aufzugeben. Wenn man sich so manchen Antiterrorgesetzesentwurf ansieht, wo versucht wird z.T. die Gewaltentrennung auszuhebeln und die Überwachung aller, auch unschuldiger Bürger ohne triftigen Grund oder richterlichen Beschluss ermöglicht werden sollte, gruselt es mich. Teile der Gesellschaft goutieren es sogar, solche Gesetze umzusetzen. Meiner Meinung nach sind wir in der Wahrnehmung unserer staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten (z.B. Wahlrecht) viel zu nachlässig geworden und damit ermöglichen wir indirekt das Aushebeln unserer Grundrechte.
      Für mich zeigt das Buch sehr deutlich, wie schnell es gehen kann, dass die von uns als selbstverständlich wahrgenommenen Rechte abgeschafft werden können und wie das auch durch die Apathie und Desinformation des "Wahlvolks" ermöglicht wird. Durch eine immer fortschreitende Digitalisierung (die natürlich auch sehr gute Seiten hat), ergeben sich Möglichkeiten der Überwachung und der Kontrolle, die bis dato nicht gesehen waren und deren Folgen wir uns nicht bewusst sind (z.B. einfach die Konten aller Frauen sperren).

      Ich finde es überaus tragisch, was mit Offred und ihrer Familie passiert ist, und dass sie nicht definitiv weiß, was mit ihren Lieben passiert ist. Das Ende des Buchs hat mich sehr bedrückt zurückgelassen. Aber ich finde, es ist ein gutes Ende. Man erfährt nicht wirklich, was mit Offred passiert, aber es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer. Durch den Prolog erfährt man, dass es sich bei dieser Periode nur um eine kurze Episode gehandelt hat, aber es gibt kein kitschiges Happy End.

      Was meint ihr, wann das Buch spielt? Ich hätte so auf Mitte des 21. Jahrhunderts getippt. Meine Anhaltspunkt sind: Es gab noch Bargeld als Offred jünger ist, allerdings erwähnt sie, dass es fast niemand mehr benutzt, als sie etwa 9 Jahre alt ist. Sie kennt den Namen des Präsidenten, der assasiniert wurde und nach dem das Zentrum benannt ist (ich vermute mal JFK) nicht.

      Chopsticks schrieb:

      Für mich zeigt das Buch sehr deutlich, wie schnell es gehen kann, dass die von uns als selbstverständlich wahrgenommenen Rechte abgeschafft werden können und wie das auch durch die Apathie und Desinformation des "Wahlvolks" ermöglicht wird. Durch eine immer fortschreitende Digitalisierung (die natürlich auch sehr gute Seiten hat), ergeben sich Möglichkeiten der Überwachung und der Kontrolle, die bis dato nicht gesehen waren und deren Folgen wir uns nicht bewusst sind (z.B. einfach die Konten aller Frauen sperren).


      Das ist etwas, das mir auch sehr zu denken gegeben hat. Denn manchmal habe ich auch so schon häufig Gedanken, wo wir hier hineinschlittern. Man winkt Probleme gerne mal ab. Und dann macht's auf einmal PENG! - wie gestern Abend.
      Ich finde derzeit diese Filterblasen, in denen der Einzelne lebt, sehr gefährlich. Es wird immer schwieriger das Große Ganze zu erfassen, weil man ja nur noch die Informationen konsumiert, die man lesen möchte ... oder die einem aufgrund von irgendwelchen Newsfeed Algorithmen vorgeschlagen werden.
      Das Thema Überwachung sehe ich zweischneidig. Klar, so ein Szenario wie in 1984 beschrieben wünscht sich keiner, aber mehr Kameras an öffentlichen Plätzen verdamme ich jetzt nicht von vorneherein.
      Ich sehe auch, dass es vllt. auch in der Realität irgendwann einmal wieder zu härteren Regeln kommen könnte. Immer weniger Menschen begreifen eine Gesellschaft als das was sie ist. Ein Geben und Nehmen. Viele wollen nur noch nehmen. Aber so funktioniert eine Gesellschaft nicht. Gerade beim Thema Nachwuchs kommen wir ja nun langsam in die Bredouille. Von wegen "Kinder kriegen die Leute immer". Ich lese häufig Blogbeiträge in denen junge Frauen darüber schreiben, dass sie sich vom Staat/der Gesellschaft nicht vorschreiben lassen wollen, dass sie Kinder in die Welt zu setzen haben. Das will ja eigentlich auch keiner, aber den Begriff "Gesellschaft" haben sie nicht verstanden.
      Aber ich schweife ab.

      Chopsticks schrieb:

      Durch den Prolog erfährt man, dass es sich bei dieser Periode nur um eine kurze Episode gehandelt hat, aber es gibt kein kitschiges Happy End.


      Für mich wieder ein typisches "bittersweet" Ende. ;)
      Das geht für mich in Ordnung, wenn ich auch gerne noch näheres über Offreds Schicksal erfahren hätte.

      Chopsticks schrieb:

      Was meint ihr, wann das Buch spielt?


      Geschrieben wurde es 1985. Ich hätte es jetzt tatsächlich Anfang der 90er angesiedelt. Waren die Aufzeichnungen nicht auf Band? Im Epilog erklären sie ja dann, dass sie erst mal schauen mussten, wie sie das abspielen können. Und dass zu Beginn der Bänder zur Tarnung noch 1-2 Lieder waren.
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.
      Ich hab das Buch am Wochenende durchgelesen und habe wirklich lange gebraucht dafür. Ich musste tatsächlich immer mal wieder eine Lesepause einlegen weil mich die Geschichte so beschäftigt hat.
      Ich fand es sehr beänstigend wie aktuell die Geschichte eigentlich ist.

      Anfang der 90er hätte ich jetzt auch gesagt, viele Geschehnisse sind so ja nicht in der Realen Welt vorgekommen, die Atomare Verstrahlung durch Erdbeben zum Beispiel.
      Manche Sachen kann man nicht verstehen, man kann sich nur darüber wundern.

      Narannia schrieb:

      Das Thema Überwachung sehe ich zweischneidig. Klar, so ein Szenario wie in 1984 beschrieben wünscht sich keiner, aber mehr Kameras an öffentlichen Plätzen verdamme ich jetzt nicht von vorneherein.
      Ja, aber es gibt eben noch was zwischen totaler Überwachung ohne, dass man das begründen muss und einer offenen Einladung zur Straftat/Terrorismus. Ich bin an und für sich auch für die Überwachung von öffentlichen Plätzen, Ubahnen, etc. Da findet man denke ich fast niemanden, der da was dagegen hat. Mich stört halt diese "Wenn du nichts zu verbergen hast, kannst du dich ja auch überwachen lassen"-Mentalität. Ich habe nichts zu verbergen, schätze aber dennoch meine Privatsphäre. Ich will nicht, dass durch minderwertigen Schutz (und sind wir ehrlich: jede Datenbank ist mit ausreichendem Aufwand knackbar) meine medizinischen Daten, sexuellen Vorlieben, etc. bekannt werden. Es ist außerdem hinreichend bekannt, dass ein Ausbau der Überwachung nicht hilft, da die Daten nicht ausgewertet werden können und auch nicht vernetzt verarbeitet werden. Fast jeder der europäischen Terroristen der letzten Jahre war einschlägig bekannt/vorbestraft und dennoch konnten diese Anschläge nicht verhindert werden.

      SamsMams schrieb:

      Anfang der 90er hätte ich jetzt auch gesagt

      Narannia schrieb:

      Ich hätte es jetzt tatsächlich Anfang der 90er angesiedelt. Waren die Aufzeichnungen nicht auf Band? Im Epilog erklären sie ja dann, dass sie erst mal schauen mussten, wie sie das abspielen können. Und dass zu Beginn der Bänder zur Tarnung noch 1-2 Lieder waren.


      Interessant - ich hätte auf später getippt, da sie JFK nicht mehr kennt. Offred ist ja um die 30, oder?

      Für mich hat Margaret Atwood wahnsinnig gut eingefangen, wie die neuen, strengeren, gesellschaftlichen Regeln auch wieder umgangen werden. Dieser Nachtclub war irgendwie eindrucksvoll und zeigt schön, dass sich auch in dieser neuen Gesellschaft die Elite über die allgemein gültigen Regeln hinwegsetzt.

      Dass auch Touristen beschrieben werden, hat mich irgendwie gewundert. Ich hätte eher gedacht, dass sich Gilead abschottet.

      Edit: ich hab mir eingebildet, dass erwähnt wird, dass die Aufzeichnungen auf Band sind, weil diese "alte" Technologie dem Untergrundnetzwerk zur Verfügung stand. Findet ihr nicht, dass 2195 (wird glaub ich im Epilog genannt) etwas spät wäre, für die Aufarbeitung? Es wird doch erwähnt, dass Gilead nur eine kurze Episode ist, oder?

      Narannia schrieb:

      Ich sehe auch, dass es vllt. auch in der Realität irgendwann einmal wieder zu härteren Regeln kommen könnte. Immer weniger Menschen begreifen eine Gesellschaft als das was sie ist. Ein Geben und Nehmen. Viele wollen nur noch nehmen. Aber so funktioniert eine Gesellschaft nicht. Gerade beim Thema Nachwuchs kommen wir ja nun langsam in die Bredouille. Von wegen "Kinder kriegen die Leute immer". Ich lese häufig Blogbeiträge in denen junge Frauen darüber schreiben, dass sie sich vom Staat/der Gesellschaft nicht vorschreiben lassen wollen, dass sie Kinder in die Welt zu setzen haben. Das will ja eigentlich auch keiner, aber den Begriff "Gesellschaft" haben sie nicht verstanden.


      Man muss es aber mal so sehen, dass wir die Erde zu sehr überbevölkern und es quasi so weit treiben, bis es nicht mehr geht. Wir sind jetzt bei wie viel Mia. Menschen? Rund 7,5 vor einigen Jahren waren es nur noch 7 Mia. und steuern schön auf die 8 Mia. zu. Die Bevölkerungsverteilung ist nur ziemlich ungleich. Wenn man sich Probleme wie die Klimaveränderung, Plastikmüll in den Meeren, Artensterben, die der Mensch hervorruft, ansieht, knallt es irgendwann in den nächsten 200 Jahren gewaltig. Ich sage nicht, dass man die Menschheit ausrotten muss - das wäre auch grausam - , aber es ist eigentlich krank, was wir mit unserem Planeten machen. Trotzdem ist aber keiner und ich zähle mich leider auch dazu, nicht bereit auf einen guten Lebenstandard mit Plastikmüll (Verpackungen) oder Auto (Erdöl) zu verzichten. Hinzu kommt eine Wegwerfgesellschaft - statt etwas zu reparieren oder wieder zuverwenden. Manche Dinge von der Industrie (Probleme wie Lobbyismus) bewusst nur eine gewisse Lebenspanne auferlegt/geplant (Drucker z.B.), damit nach dem Kapitalismus - Gewinn erzielt - werden kann. Du hast es da schon richtig ausgedrückt, dass eine Gesellschaft ein Geben und Nehmen ist, der Kapitalismus ist aber zunehmend meist ein Nehmen statt ein Geben.

      Ich habe The Handmaid's Tale leider noch nicht gelesen, möchte sowohl das Buch als auch die Serie aber noch zu Gemüte führen.

      Das dystopische Konzept der Bücher finde ich als Sci-Fi-Fan aber trotzdem sehr interessant. Und eigentlich sind wir ja jetzt schon ziemlich gläserne Bürger, wenn man nicht aufpasst, wo etwas abgespeichert wird oder selbst wenn man Daten auf Facebook und sonst wo nicht für Fremde frei gibt, kann sie google trotzdem noch verwenden.
      »Die Wälder sind voller wilder Tiere«, erinnerte er seinen Vater. »Die Straßen der Städte auch.« (Sturm der Schwerter, Tyrion I)

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      Chopsticks schrieb:

      Dass auch Touristen beschrieben werden, hat mich irgendwie gewundert. Ich hätte eher gedacht, dass sich Gilead abschottet.


      Ja, das hat mich auch sehr gewundert. Aus Sicht der Führung birgt das ja auch ein gewisses Risiko.

      Chopsticks schrieb:

      Edit: ich hab mir eingebildet, dass erwähnt wird, dass die Aufzeichnungen auf Band sind, weil diese "alte" Technologie dem Untergrundnetzwerk zur Verfügung stand. Findet ihr nicht, dass 2195 (wird glaub ich im Epilog genannt) etwas spät wäre, für die Aufarbeitung? Es wird doch erwähnt, dass Gilead nur eine kurze Episode ist, oder?


      Es hat sich für mich aber auch so gelesen, als wäre diese Kurze Episode auch schon wieder eine Weile her gewesen.
      Habe gerade nochmal nachgelesen:
      Im Epilog ist die Rede von einer Studie: "Iran and Gilead: Two Late-Twentieth-Century Monotheocracies, as Seen Through Diaries."
      Dann:
      "Certainly the recording itself, that is, the superimposition of voice upon music tape, could not have been done within the past hundred and fifty years."
      Oder:
      "We hoped to be able to trace and locate the descendants of the hypothetical occupants, whom we hoped might lead us to other material: diaries, perhaps, or even family anecdotes passed down through the generations."

      Aki-chan schrieb:

      Man muss es aber mal so sehen, dass wir die Erde zu sehr überbevölkern und es quasi so weit treiben, bis es nicht mehr geht.


      Da sist natürlich auf lange Sicht gesehen das weitaus größere Problem.

      Aki-chan schrieb:

      als auch die Serie aber noch zu Gemüte führen.


      Ja, die möchte ich auch noch sehen.
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.

      Narannia schrieb:

      Es hat sich für mich aber auch so gelesen, als wäre diese Kurze Episode auch schon wieder eine Weile her gewesen.
      Habe gerade nochmal nachgelesen:
      Im Epilog ist die Rede von einer Studie: "Iran and Gilead: Two Late-Twentieth-Century Monotheocracies, as Seen Through Diaries."
      Dann:
      "Certainly the recording itself, that is, the superimposition of voice upon music tape, could not have been done within the past hundred and fifty years."
      Oder:
      "We hoped to be able to trace and locate the descendants of the hypothetical occupants, whom we hoped might lead us to other material: diaries, perhaps, or even family anecdotes passed down through the generations."
      Ah super, das hatte ich überhaupt nicht mehr auf dem Schirm - ist doch schon wieder ein paar Monate her, dass ich das Buch gelesen habe.

      Wie gefällt euch eigentlich der Schreibstil der Autorin?

      Mir gefällt sowohl der Schreib- als auch der Erzählstil und ich finde speziell die Namen, die sie den einzelnen Computer Terminals gegeben hat ziemlich witzig und gelungen. Ich finde es sehr interessant, wie z.B. die Zugehörigkeit zu Gruppen (z.B. beruflich, Militär, Kult, etc.) über eine gemeinsame Sprache (z.B. verwendete Abkürzungen, Jargon) und das Ablehnen einzelner Begriffe gestärkt wird.
      Da ich das Buch sehr mag, muss ich hier natürlich auch noch was in den entsprechenden Thread schreiben.
      Hier schreiben nur Frauen, interessant. Obwohl ich das Buch eigentlich nicht als Frauenroman empfinde. Es ist schon eine Dystopie, die vor allem auf das Schicksal von Frauen abzielt, in dem sie sie nach Fruchtbarkeit schubladiert und die Mägde auch nur auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit reduziert. Aber auch Chopsticks erwähnt schon die Männer, die genauso wenig frei sind. Die Serie ist doch allgemein sehr populär oder wird die auch nur von Frauen gesehen?

      Als Mama fand ich es beim Lesen immer am bedrückendsten, wenn sie an ihre Tochter gedacht hat, bzw., wie sie sich das verboten und manchmal erlaubt hat. Das stelle ich mir schrecklich vor.
      Wenn ich an bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen denke, wie z.B. den Marsch für das Leben oder Unterschriftenaktionen dagegen, dass Homosexualität ein Unterrichtsthema sein soll (war glaub ich in BaWü), denke ich manchmal, ob sowas nicht auch tatsächlich möglich ist. Wir erleben mit dem Erfolg der AfD eine Hinwendung zu einem Gesellschaftsbild der 50er Jahre, das passt doch alles prima. *örks*

      Zur zeitlichen Einordnung noch: ist die Mutter der Protagonistin nicht eine Frauenrechtlerin? Also eine zeitige? Dan müsste sie doch auf alle Fälle JFK kennen?

      Den Stil mag ich sehr, ich habe ne Zeitlang einiges von Atwood gelesen und mir hat es immer gut gefallen.
      Oh ja, bei den Stellen hatte ich auch immer einen kleinen Kloß im Hals. Seit ich selbst Mutter bin, bin ich da sehr empfindlich.

      penelope schrieb:

      Dan müsste sie doch auf alle Fälle JFK kennen?


      Ich denke auch, dass sie ihn kennt. Ich weiß auch nicht, ob sie ihn jetzt nicht beim Namen genannt hat, weil sie sich nicht mehr erinnern kann, oder weil es so ein paar Dinge gibt, die ihnen ausgetrieben worden sind. Die Menschen haben scheinbar alle (?) andere Namen angenommen. Vielleicht war es auch nicht mehr so gerne gesehen, wenn sie über Geschehnisse vor der Zeit geredet haben. Und so haben sie es sich angewöhnt, die Dinge/Politiker nicht mehr beim Namen zu nennen. So nach dem Motto "He, who must not be namend" oder so.
      "Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.” - J.R.R.T.