Der Frust Thread

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

      el_drogo schrieb:

      welt.de/politik/deutschland/ar…informationskampagne.html
      naja, man sollte schon einräumen, dass Maassen niemals von einem fake-video gesprochen oder etwas dergleichen behauptet hat. so wurde es einfach hinterher (natürlich sofort) von den medien und oppositionellen dargestellt. seine aussage war da schon etwas differenzierter und umsichtiger. letzthin gab er lediglich seine "vorsichtige Bewertung" der situation anhand der damaligen faktenlage zum besten, sowas sollte dann schon gerade noch erlaubt sein.
      ich finde es ja sowieso immer extrem lustig, wie schnell die deutschen oppositions-Parteien mit rücktritts-forderungen am start sind.
      hach, was habe ich damals gelacht als ein gewisser Herr Guttenberg dermassen medial hingerichtet und zum Rücktritt aus allen politischen Ämtern genötigt wurde, bloss weil er bei seiner dissertation "ein wenig abgeschrieben" hatte (was damals wie heute sowieso noch jeder macht). dabei schien er mir wirklich ein guter mann zu sein.


      Ich habe gerade eine lange Antwort verfasst, die ich unabsichtlich gelöscht habe. Ich bin jetzt zu faul, das noch einmal auszuführen, nur so viel:

      Unter web.archive.org/web/2012012610…m__Anlagen_10_5_2011_.pdf kann man den Bericht der Promotionskommission nachlesen, die Hrn. Guttenberg den Doktortitel aberkannt hat. Ab Seite 58 (Anlage zum Protokoll der Sitzungen der Promotionskommission der RW-Fakultät der Universität Bavreuth) wird ziemlich genau aufgeschlüsselt, dass es sich beim Plagiat des Hrn. Guttenberg nicht nur um ein bisschen abschreiben, sondern um konsequente Vortäuschung geht. Keiner sagt was, wenn kleinere Passagen ähnlich sind, vor allem nicht, wenn der Rest gut zitiert ist oder man ein Generalzitat findet. Hier zieht sich das aber über Seiten.

      Klar haben sich die Standards in den letzten Jahren stark nach oben verschoben, allerdings ist seine Dissertation aus dem Jahr 2006. Gute wissenschaftliche Praxis war damals der heute üblichen recht ähnlich.

      Über Hrn. Guttenbergs politische Richtung will ich mich nicht auslassen, aber sein Doktortitel wurde ihm mit Sicherheit nicht umsonst aberkannt.


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Chopsticks“ ()

      Es hat also nur einen einzigen Post gebraucht, bis jemand die Maaßen'sche Pseudodiskurs-Strategie durchexerziert, natürlich direkt inklusive der Unterstellung die fiesen Medien hätten gelogen.
      Das, was man aus dem Welt-Artikel selbst rauslesen kann ist ähnlich gehaltvoll: Nirgendwo ein einziger Nachweis der tatsächlichen Fälschung oder zumindest ein Widerlegen der erbrachten Nachweise für die Echtheit, stattdessen wird absätzeweise darüber fabuliert, warum linke oder nicht-linke Gruppierungen (Offenbar sind die Nicht-Linken inzwischen auch genauso schlimm!) ein Motiv für die Fälschung hätten. Wahnsinns-Bericht.

      Und um direkt mal den zweiten Teil des Zitats zum Video nachzuliefern: "Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist."
      Ich verlink direkt mal den Duden hinterher, bevor sich die Diskussion dahin verlagert, was "authentisch" bedeutet: duden.de/rechtschreibung/authentisch

      Auf das Guttenberg-Derailing lohnt es sich gar nicht einzugehen, über den werden wir früher als erhofft ohnehin wieder diskutieren müssen. Denn irgendwann kriegen wir den Blender sowieso wieder, wer die Haare so schön hat, bleibt der Politik nicht auf ewig fern. Wäre dann aber wieder ein passendes Thema für den Frust-Thread.
      Mainstream commercial nihilism can't be trusted?!

      Grunkins schrieb:

      Die "guten Gründe" gab es schlicht und ergreifend nie, wie er jetzt implizit einräumen musste.

      naja, ich hatte eigentlich den eindruck, dass der welt-Artikel recht gut erläutert, woher die motivation (also die "guten gründe") hinter seiner aussage kam. aber vielleicht interpretiere ich da auch zu viel hinein. trotzdem werden Begrifflichkeiten wie "vorsichtige Bewertung" und "möglicherweise" verwendet, was darauf hinweist, dass nach seiner auffassung diese Möglichkeit (der nicht-Authentizität des videos und das streuen von gezielten falschinfos) zu diesem Zeitpunkt halt eben auch noch nicht ausgeschlossen werden konnte, und dazu hat er sich eben geäussert, das ist alles.
      deswegen seinen Rücktritt zu fordern, finde ich persönlich halt schlicht überzogen, so wie ich eben damals auch die abstrafung Guttenbergs überzogen fand. aber mei, das ist wohl einfach auch eine prinzipielle wahrnehmungsfrage, die davon abhängt wo man seine moralisch-/etischen Schwerpunkte setzt.
      wenn man in einem land mit einer Regierung aufwächst, in der gewisse Persönlichkeiten wie bspw. ein herr Silvio Berlusconi über Jahrzehnte das politische geschehen bestimmten, dann wirkt die Tatsache dass in Deutschland jemand bereits an den pranger gestellt wird, weil er bei seiner doktor-arbeit "geschummelt" hat halt etwas.... naja... wie soll ich sagen... belustigend.
      trotzdem kannst du mir glauben, dass ich mir hier auch keine andere Reaktion dazu erwartet hätte. ;) alles gut, ich bin bei euch, betrügen ist falsch.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      el_drogo schrieb:


      naja, ich hatte eigentlich den eindruck, dass der welt-Artikel recht gut erläutert, woher die motivation (also die "guten gründe") hinter seiner aussage kam. aber vielleicht interpretiere ich da auch zu viel hinein. trotzdem werden Begrifflichkeiten wie "vorsichtige Bewertung" und "möglicherweise" verwendet, was darauf hinweist, dass nach seiner auffassung diese Möglichkeit (der nicht-Authentizität des videos und das streuen von gezielten falschinfos) zu diesem Zeitpunkt halt eben auch noch nicht ausgeschlossen werden konnte, und dazu hat er sich eben geäussert, das ist alles.


      Der Mann ist (im Gegensatz zu Guttenberg) promovierter Jurist, was gewissermaßen (ja das ist Polemik) die Lizenz zum Klugscheißen bei Begrifflichkeiten und Formulierungen darstellt. Wenn er das, was er jetzt im Nachhinein versucht als Motivation darzustellen, gewollt hätte, hätte er ganz einfach sagen können:
      "Ich bitte die Öffentlichkeit darum, Ruhe bezüglich der Vorfälle in Chemnitz zu bewahren, bis die ermittelnden Behörden ihre Untersuchungen abgeschlossen haben. Außerdem fordere ich die Medien auf, vorsichtig und differenziert mit Dokumenten aus unbekannten Quellen umzugehen. Politisch motivierte Fälschungen sind denkbar, weshalb das Material nur nach ordentlicher Prüfung herangezogen werden sollte."
      Das habe ich mir gerade in zwei Minuten aus den Fingern gesaugt, also kann der das auch.
      Das Interview war auch autorisiert, also lag jedes Wort in seiner Verantwortung.
      Hat er aber nicht gemacht, er hat bewusst den Verdacht geschürt, es handle sich um Falschinformationen ohne dafür so etwas wie Belege zu haben. Außerdem hat er wieder mal die Öffentlichkeit (Beispiele hier im Thread) gegen die Medien aufgehetzt, obwohl diese entgegen seiner Behauptungen das Material bereits gesichtet und durch andere Belege wie Augenzeugenberichte ergänzt haben.

      ​weil er bei seiner doktor-arbeit "geschummelt" hat halt etwas.... naja... wie soll ich sagen... belustigend.
      trotzdem kannst du mir glauben, dass ich mir hier auch keine andere Reaktion dazu erwartet hätte. ;) alles gut, ich bin bei euch, betrügen ist falsch.


      Die Doktorarbeit ist halt keine Klassenarbeit. Man muss schon bei jeder Seminararbeit eine Eidesstattliche Erklärung(!) abgeben, alle Fremdgedanken kenntlich gemacht zu haben. Bei einer publizierten, im Handel erwerbbaren Doktorarbeit ist das noch mal eine ganz andere Qualität.
      Die Verwendung von "möglicherweise" und "vorsichtige Bewertung" sind ebenfalls rhetorische Tricks, um eine Behauptung erst in die Welt stellen zu können, und sich dann später von genau dieser Behauptung wieder distanzieren zu können. Die Behauptung steht dann aber trotzdem erstmal in der Öffentlichkeit und wird von vielen erst mal als wahr hingenommen. Das Dementi später interessiert dann eh keine Sau mehr.

      Wenn es Maaßen wirklich nur um die korrekte Verwendung des Begriffs "Hetzjagd" gegangen wäre, hätte er das direkt am Tag nach dem Interview mit der Bild klarstellen können. Hat er aber nicht. Stattdessen hat er fast eine Woche lang die Schnauze gehalten, bis sich der Eindruck, das Video sei gefälscht und den Medien könne man nicht trauen, bei genug Leuten festgesetzt hat.

      Und wenn Maaßen wirklich unsicher gewesen wäre, wie er das Video zu bewerten hat, hätte er sich solange bedeckt gehalten, bis seine Behörde eine belastbare Einschätzung ermittelt hat. Statt dessen hat er - ohne sich mit seiner Regierung abzusprechen - an die Bild gewandt. Ich fände es wesentlich interessanter darüber nachzudenken, was seine Motivation dafür gewesen ist, einer Zeitschrift mit bekannt flüchtlingskritischen Inhalten und einer flüchtlingskritischen Leserschaft, ein Interview mit spekulativen Inhalten zu einem flüchtlingsrelevanten Thema zu geben. Statt dessen dreht sich die öffentliche Diskussion darüber, wieviele Meter ein Aggressor sein Opfer verfolgen muss, bis man von einer Hetzjagd sprechen darf, ohne vom Verfassungsschutzpräsidenten dafür gerügt zu werden.
      Mainstream commercial nihilism can't be trusted?!
      Vielleicht sollten wir tatsächlich einen extra (Politik)Thread aufmachen... eigentlich schon alles geantwortet worden el_drogo, jedenfalls war das wie er zitiert wurde (und wo er ja auch nicht an einer sofortigen Gegendarstellung interessiert schien) alles andere als vorsichtig, bei der derzeitigen Stimmung war das eher brandbeschleuniger für alle verschwörungstheoretiker, "besorgten bürger" etc.
      Das jetzt über die Definition von "Hetzjagd" diskutiert wird, schlägt dem Fass den Boden aus ... aber was erwartet mensch, von einer Behörde die so stark in den NSU-Terror bzw. dessen Verschleierung involviert ist.
      Und Rücktritte waren in der Vergangenheit auch mal einfach ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein, Rückgrat seiner Position und Rolle gegenüber, selbst wenn der/die jenige nicht den entscheidendenen Fehler persönlich gemacht hatte-schon allein um Schaden von einer Institution abzuwenden z.B. (der Herr würde vermutlich auch nicht schon morgen zum Jobcenter müssen). Da gab es tatsächlich mal andere Werte - und wenn es der CDU-Innenminister nach Bad Kleinen anfang der 90er war oder zuletzt Volker Beck der von allen seinen Ämtern (bis auf sein Parlamentsmandat zurücktrat). Auch das macht Politik und die Akteure glaubwürdiger.
    • Benutzer online 1

      1 Besucher